Fussball
Taulant Xhaka über sein Tor gegen ZSKA Moskau: «Wusste gar nicht, wie ich jubeln soll»

ZSKA-Matchwinner Taulant Xhaka (26) über seine neuen Offensivqualitäten, Dimitri Oberlins Chancenauswertung und dummen Sprüche zu seinem Bruder Granit.

Sébastian Lavoyer
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Ivan Sekretarev

Taulant Xhaka, man hat selten gesehen, dass Sie so entschlossen nach vorne stürmen, wie gegen ZSKA Moskau. Insbesondere auch bei Ihrem Tor. Wie kommt es dazu?
Taulant Xhaka: Ich habe auf den zweiten Ball spekuliert, konnte ihn gut mitnehmen. Mein erster Gedanke war: Spiel den Ball nach aussen. Dort wäre ein Mitspieler komplett frei mitgelaufen. Aber dann entschloss ich mich, einfach mal abzudrücken. Ich wurde ja gar nicht angegriffen.

Warum passten Sie nicht?
Marco Streller kam letzte Woche im Training irgendwann zu mir und sagte: «Du hast einen so guten Schuss, schiess doch einfach mal.» Ich weiss, dass ich selten konsequent in den Abschluss gehe und ich mich diesbezüglich noch verbessern kann. Das habe ich gegen ZSKA versucht und es ging auf.

Sie haben also bewusst öfter geschossen?
Ich entscheide aus der Situation heraus, wann ich die Möglichkeit für einen Vorstoss sehe. Und eigentlich bin ich ja nicht unbedingt bekannt für meine offensiven Aktionen, seien es Pässe oder Schüsse. Aber wir hatten sehr viel Raum. Da müssen entweder Luca Zuffi oder ich mitgehen, damit wir Überzahlsituationen schaffen können. Das haben wir auch im Training alles angeschaut.

Taulant Xhaka

Der Schweizerisch-Albanische Doppelbürger Taulant Xhaka wurde am 28. März 1991 in Basel geboren. Xhaka machte seine ersten fussballerischen Schritte beim FC Concordia Basel. Im Jahr 2003 wechselte er in die Nachwuchsabteilung des FC Basel. Dort hat er sämtliche Juniorenstufen durchlaufen. Abgesehen von der Saison 2012/2013, in der Xhaka an GC ausgeliehen war, hat er seine ganze Karriere beim FCB verbracht. Seit dieser Saison ist der 26-Jährige dritter Captain. In 186 Spielen für den FCB hat er bislang fünf Tore erzielt. Der Treffer gegen ZSKA Moskau war sein erster im 50. Einsatz in einem internationalen Spiel (Champions League, Champions-League-Quali und Europa League). (CFE)

Was bedeutet es Ihnen, auf dieser Bühne zu treffen?
Natürlich freut es mich, wenn ich in einem so wichtigen Match ein so wichtiges Tor erzielen kann. Ich bin kein typischer Goalgetter. Aber ich spüre das Vertrauen vom Trainer und versuche, es zurückzugeben.

Wann haben Sie letztmals so gejubelt?
Das ist lange her. Ich komme selten dazu, zu jubeln. Und als der Ball dann drin war, wusste ich anfänglich gar nicht genau, wie ich jubeln soll (lacht).

In der zweiten Halbzeit begann das grosse Zittern. Vor allem auch, weil Dimitri Oberlin Chance um Chance ausliess. Wie war das für Sie auf dem Platz?
Moskau machte in dieser Phase Druck. Es hätte uns die Aufgabe um einiges erleichtert, wenn das zweite Tor früher gefallen wäre. Aber am Schluss hat er ihn ja reingehauen. Und eigentlich wäre da ja schon alles entschieden gewesen, wenn das Tor von Albian Ajeti nicht annulliert worden wäre. Der Schiedsrichter hat Foul gegeben. Wo er das gesehen hat, weiss ich nicht.

Das 5:0 gegen Benfica, jetzt das 2:0 in Moskau – wie viel bringen diese Erfolge eigentlich für die Super League?
Sehr viel. Wir können mit vollem Vertrauen durchstarten. YB hat zuletzt gegen Lausanne verloren, während wir in Lugano gewonnen haben. Wir wollen wieder ganz nach oben und eine Serie hinlegen.

Die Zahlen zum FCB-Sieg bei ZSKA Moskau

6 Punkte

hat der FC Basel nach drei Spielen in der Gruppenphase der Champions League auf dem Konto. Das sind so viele wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. In den Saisons 2011/2012 und 2012/2013 wies der FCB mit jeweils vier Punkten die bisher höchste Ausbeute auf. Das heisst auch: In den Spielzeiten 2002/2003, 2011/2012 und 2014/2015, in denen der FCB die Gruppenphase überstanden hat, war er nie so gut dran.

2,33 Tore

haben die Basler im Schnitt in den bisherigen drei Spielen erzielt. Das Tor-Festival gegen Benfica Lissabon hat den Schnitt dabei natürlich merklich nach oben gedrückt. So stark sogar, dass die Basler deutlich über dem Schnitt aller Mannschaften sind, welcher bei 1,63 Toren pro Partie liegt. Der direkte Gegner, ZSKA Moskau, erzielt durchschnittlich nur ein Tor pro Partie.

72 Prozent

aller gespielten Pässe eines Basler Akteurs haben im Spiel gegen ZSKA einen Mitspieler erreicht. Das sind sechs Prozent weniger, als die Basler durchschnittlich in der Königsklasse an den Mann bringen. Herausragend ist auch hier einmal mehr: Taulant Xhaka. Von 43 gespielten Pässen kamen 40 an, was eine herausragende Quote von 93 Prozent ergibt.

113 Kilometer

und 78 Meter sind die Spieler des FC Basel gestern zusammengerechnet gelaufen. Das sind immerhin 2,377 Kilometer mehr als der Gegner aus Moskau laufen mochte. Damit konnten die Basler ihren Durchschnitt übertreffen. Dieser beträgt nach drei Spielen gegen Manchester United, Benfica Lissabon und Moskau 112,897 Kilometer.

46 Pässe

hat Eder Balanta in den 93 Minuten gespielt. Der Kolumbianer hat somit am meisten Pässe aller 14 Basler verteilt. Direkt hinter ihm kommt der bereits erwähnte Xhaka mit 43 Pässen. An niemanden hat Balanta übrigens so viele Pässe gespielt wie an den albanischen Nationalspieler: insgesamt 11. Ebenfalls interessant : Goalie Tomas Vaclik weist mit 39 Zuspielen die drittmeisten der Basler auf. Davon kamen aber nur 22 an.

5 Fouls

hat Mohamed Elyounoussi im Spiel gegen ZSKA begangen – die meisten aller Basler Spieler, die gemeinsam 20 Fouls tätigten. Auch bei den Moskauern übertrifft niemand den Wert des Norwegers. Opfer eines Fouls wurde Elyounoussi nur zweimal – so oft wie Renato Steffen und Taulant Xhaka. Letzterer, sonst bekannt für seine Tacklings, hat nicht ein einziges Mal gefoult. (CFE)

Raphael Wicky lässt einen schnellen Konterfussball spielen. Ist es da fast leichter, in der Champions League Tore zu schiessen als in der Super League?
In der Super League stehen unsere Gegner oft sehr kompakt. Sie geben uns kaum Raum zu spielen. In der Champions League denken die grossen Mannschaften vielleicht: Lassen wir die nur ein bisschen spielen. Aber wenn man das tut, macht man einen Fehler. Denn wir können spielen, wir sind gut.

Zurück zu Ihnen: Sie haben sich über all die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Kommt jetzt tatsächlich auch noch das offensive Element in Ihrem Spiel dazu?
Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, mich in diesem Bereich zu verbessern. Der Trainer hat auch mit mir darüber gesprochen, hat gesagt: «Geh mal in den Abschluss.» Das habe ich mir zu Herzen genommen. Das beginnt im Training. Wenn es dort klappt, muss man es bloss noch im Spiel umsetzen können.

Vielleicht werden Sie mit 35 Jahren Ihren jüngeren Bruder Granit leistungsmässig doch noch einholen ...
(Lacht). Ich hoffe es. Im Ernst: Ich schaue nicht gross auf ihn. Hauptsache ist, dass die Mannschaft Erfolg hat. Ich bin ein Teamspieler, keine Soloshow. Das sieht man auf dem Platz. Ob ich zwanzig, fünf oder nur ein Tor erziele, spielt keine Rolle. In Moskau ist es mir einfach in einem wichtigen Spiel gelungen.

Machen Sie manchmal Sprüche, dass er in der Europa League spielt und Sie in der Champions League?
Das kann man nicht vergleichen. Er spielt bei Arsenal. Das ist ein anderes Level.

Aber Sie spielen Königsklasse.
Logisch bringe ich ab und zu ein paar Sprüche. Aber dann kommt meist ein Konter von Granit (lacht).

Die ganze Welt schaut zu, wenn man Champions League spielt. Da muss die Frage kommen: Ist ein Transfer ins Ausland für Sie ein Thema?
Das ist klar. Aber ich fühle mich wohl in Basel. Hier lebt meine Familie, meine Freunde und ich habe einen Vertrag, der noch ein paar Jahre läuft.

Champions League

Gruppe A:


Die restlichen Spiele:

Manchester United - Benfica Lissabon Di, 31.10.

FC Basel - ZSKA Moskau Di, 31.10.

ZSKA Moskau - Benfica Lissabon Mi, 22.11.

FC Basel - Manchester United Mi, 22.11.

Manchester United - ZSKA Moskau Di, 5.12.

Benfica Lissabon - FC Basel Di, 5.12

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