Tastenlöwin und Fussakrobatin

Mit Barbara Dennerlein hat am Internationalen Bachfest Schaffhausen ein Showprofi die Orgel im St. Johann traktiert. Die kommunikative Münchnerin rockte die Empore und kommentierte ihr Konzert gleich selber.

Drucken

Mit Barbara Dennerlein hat am Internationalen Bachfest Schaffhausen ein Showprofi die Orgel im St. Johann traktiert. Die kommunikative Münchnerin rockte die Empore und kommentierte ihr Konzert gleich selber.

Ihre bewegten Darbietungen wurden live auf eine Leinwand übertragen, so konnte man sich ein Bild von der körperlichen Schwerstarbeit der Vollblutmusikerin an den drei Manualen mitsamt virtuosem Pedalspiel machen. Durch die Visualisierung wurde es allerdings auch schwieriger, sich ohne Ablenkung von der Klangfülle mitreissen zu lassen, weil die grandiose Technik optisch vereinnahmte.

Eindrücklich war der frei improvisierte Teil zu Bach und New York, der freche Aperçus zuliess und eine enorme stilistische Bandbreite widerspiegelte. Barbara Dennerlein offenbarte sich in rauschenden und donnernden Akkordschichtungen als eruptive Klangzauberin. Der Rest des Programms war notierten Eigenkompositionen gewidmet. Die Tastenlöwin und Fussakrobatin hat der romantischen Kuhn-Orgel alles abverlangt und alle 66 Register eingesetzt. «Mehr geht nicht», sagte sie selber.

Nicht alle Zuhörer bleiben

Am Auftritt der Ausnahmemusikerin schieden sich jedoch die Geister. So verliessen etliche Besucher während der Aufführung die Kirche. Wer blieb, war hingerissen. Dennerlein hat jedenfalls mit ihrem Spiel das Bachfest mit überraschendem und ungeahntem Schwung bereichert. Man kann das in diesem Rahmen mögen oder nicht. Das Publikum erklatschte die für Orgel adaptierte Count-Basie- Schnulze «Little Darling», die allerdings anstatt eines überzeugenden Schlusspunktes eher ein Fragezeichen unter einen Auftritt setzte, der streckenweise eine Verkaufsveranstaltung für die von Dennerlein produzierten Ton- und Bildträger war.

Romantischer Bach im Münster

Vielleicht war es auch nicht optimal, das 5. Festkonzert als Doppelauftritt anzubieten. Michael Schöch, der den ersten Programmteil an der Orgel im vollbesetzten Münster darbot, war eine Extraklasse für sich und bot eine Sternstunde von allerhöchster Registerkunst und verzauberte mit einem fast romantischen Bach. (ulit)

Aktuelle Nachrichten