Tanja Mayer braucht Schub

BOB. Tanja Mayer aus Sommeri lässt sich zur Bobpilotin ausbilden. Als Bob-Anschieberin war sie bereits sehr erfolgreich. Doch Pilotin ist nochmals etwas völlig anderes, sagt sie. Wie ihr Weg im Bobsport weitergeht, weiss sie noch nicht.

Ralf Rüthemann
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Tanja Mayer fuhr am Weltcuprennen in Königssee im Jahr 2014, damals noch als Anschieberin, mit Bobpilotin Fabienne Meyer auf den ersten Platz und wurde Europameisterin. (Bild: ap/Matthias Schrader)

Tanja Mayer fuhr am Weltcuprennen in Königssee im Jahr 2014, damals noch als Anschieberin, mit Bobpilotin Fabienne Meyer auf den ersten Platz und wurde Europameisterin. (Bild: ap/Matthias Schrader)

Sie ist zwar erst 21 Jahre alt, kann sich aber bereits Europameisterin nennen: Tanja Mayer aus Sommeri startete im vergangenen Jahr als Bob-Anschieberin durch und gewann in Königssee mit Bobpilotin Fabienne Meyer das Weltcup-Rennen und damit die Europameisterschaft. Auch an den Olympischen Spielen in Sotschi waren die beiden erfolgreich. Sie erreichten den 8. Rang. Nach dem Rücktritt von Fabienne Meyer entschied sich Tanja Mayer, eine Ausbildung zur Bobpilotin zu absolvieren. Momentan trainiert sie auf der Bahn in St. Moritz.

Tanja Mayer, Bobpilotin. (Bild: Archiv/Nana do Carmo)

Tanja Mayer, Bobpilotin. (Bild: Archiv/Nana do Carmo)

Im Frühling wird entschieden

Ende 2014 sammelte Mayer im österreichischen Igls und in La Plagne, Frankreich, erste Erfahrungen als Bobpilotin. «Ich probiere es diesen Winter mal aus. Mir ist aber bewusst, dass viele Faktoren passen müssen, wenn ich definitiv den Schritt zur Bobpilotin wage. In erster Linie muss es mir gefallen», sagt sie. Ein grosser Punkt sind aber auch die Finanzen. «Es ist nicht so einfach, Sponsoren zu finden.» Laut Mayer könnte es zudem auch schwierig werden, Bob-Anschieberinnen zu finden. «Die Anschieberinnen müssten sich ja jeweils für den ganzen Winter verpflichten. Und wenn man normal arbeitet, verdient man in der Regel mehr.» Mayer selber arbeitet temporär bei der Firma Rösch Swiss AG in St. Gallen. Ob und wie sie im Bobsport weitermachen will, entscheidet sie im Frühling.

«Vorher war ich Anschieberin, jetzt versuche ich mich als Pilotin. Das ist etwas völlig anderes. Es dauert ein paar Jahre, bis man den Schlitten gut beherrscht.» Neben der Ausbildung zur Bobpilotin bestreitet Tanja Mayer diesen Winter aber auch Wettkämpfe als Anschieberin – am Weltcup in St. Moritz, am Weltcup in La Plagne und an der Junioren-WM in Altenberg (D). Sie schiebt den Bob von Edith Burkard an. Mit Wettkämpfen als Bobpilotin will Tanja Mayer voraussichtlich im Winter 2015/16 beginnen. Und im selben Winter möchte sie bereits den Anschluss an die Europacup-Spitze schaffen, wie sie auf ihrer Webseite schreibt. Ihr Fernziel im Bobsport: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang, Südkorea.

Auch Sommerspiele im Visier

Doch auch die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro hat sie im Visier – als Leichtathletin. Ihr Coach heisst immer noch Werner Dietrich. Im Leichtathletiktraining konzentriert sich Tanja Mayer momentan vor allem auf Schnelligkeit und Kraft, was ihr bei den Wettkämpfen als Anschieberin zugute kommt. «Im Sommer nehme ich dann eine allgemeine Standortbestimmung in der Leichtathletik vor. Natürlich vor allem im Hinblick auf die Olympischen Spiele.» sagt Tanja Mayer. Bis dahin trainiert sie weiter und versucht, alles unter einen Hut zu bringen. «Ich schaue mal, wie sich alles entwickelt. Im Moment kann ich in der Ausbildung zur Bobpilotin zum Glück noch von meiner ehemaligen Teamkollegin Fabienne Meyer profitieren.» Doch ob das weiterhin so sein wird, sei momentan auch noch nicht klar.