TALFAHRT: Ein Jahr zum Vergessen

Beim FC Wil kann es nach einem Jahr mit nur fünf Siegen nur besser werden. Immerhin hat der Club trotz allem zur Winterpause den Anschluss in der Tabelle noch nicht verloren. Nun soll das Kader verkleinert werden.

Simon Dudle
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Enttäuschung auch im letzten Spiel des Jahres: Wils Johan Vonlanthen (links) und Basil Stillhart ziehen nach dem 1:2 gegen Schaffhausen ­enttäuscht von dannen. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Schaffhausen, 11. Dezember 2017))

Enttäuschung auch im letzten Spiel des Jahres: Wils Johan Vonlanthen (links) und Basil Stillhart ziehen nach dem 1:2 gegen Schaffhausen ­enttäuscht von dannen. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Schaffhausen, 11. Dezember 2017))

Simon Dudle

Die Zahlen sind schlicht und einfach vernichtend und jene eines Absteigers. Nur 22 Punkte hat der FC Wil geholt – nicht in der am Montag abgeschlossenen Hinrunde, sondern im ganzen Kalenderjahr 2017. Möglich gewesen wären 108. Im zu Ende gehenden Jahr wurden gerade einmal 5 von 36 Spielen gewonnen. In dieser Saison gab es noch keinen Auswärtssieg. Es ist die schlechteste Hinrunde seit dem Abstieg aus der Super League im Sommer 2004 – und dies mit Abstand. Waren bisher nach 18 Spielen immer mindestens 21 Punkte auf dem Konto, so sind es dieses Mal nur gerade elf. Das Beste an der aktuellen Situation ist, dass die Wiler nach diesem Seuchenjahr noch mitten im Abstiegskampf stecken. Beim Rückrundenauftakt Anfang Februar haben sie gar die Chance, mit einem Heimsieg gegen Wohlen die rote Laterne abzugeben.

Auch wenn die Wiler in vielen Spielen mit dem Gegner ebenbürtig waren, sie viele Partien mit nur einem Tor Unterschied verloren, über mangelndes Wettkampfglück klagten und mit Entscheidungen des Schiedsrichters haderten, so wäre es zu kurz gegriffen, nur der Glücksgöttin die Schuld in die Schuhe zu schieben. Denn die Niederlagen waren grossteils hausgemacht. Defensiv leistete sich der Abwehrverbund immer wieder teils haarsträubende Fehler und offensiv war der Sturm in den meisten Fällen nur ein laues Lüftchen. «Wir haben offensiv und defensiv zu oft nicht die richtigen Entscheidungen getroffen», sagt Wils Trainer Konrad Fünfstück.

Ersatzbank und Tribüne statt Teamstützen

Als Enttäuschung ist vor allem der Auftritt der vermeintlichen Leistungsträger zu werten. Sie waren keine Stütze und begingen zu viele Fehler. Captain Marko Muslin und dessen Stellvertreter Johan Vonlanthen fanden sich im Verlauf dieser Hinrunde plötzlich auf der Ersatzbank oder der Tribüne wieder – aus Leistungsgründen. «Ich mache die Tabelle nicht an einzelnen Spielern fest. Klar ist, dass wir uns im Kollektiv gut bewegen. Es sind aber zu viele individuelle Fehler passiert», sagt Fünfstück.

Trotzdem ist Vonlanthen der beste Wiler Torschütze in dieser Hinrunde, und dies mit gerade einmal vier Toren. Es fehlt der Mannschaft ein Stürmer mit dem Torriecher. Einer wie Raphaël Nuzzolo von Leader Xamax, der in der Hinrunde mit 16 Toren einen Treffer mehr erzielt hat als der FC Wil als Ganzes. Weiter auffällig: Viel zu oft sind die Wiler erst nach der Pause im Spiel angekommen. In der Hinrunde haben sie gerade einmal zwei Tore in der ersten Halbzeit erzielt. In Führung lagen die Ostschweizer bei Halbzeit nie. «Wir sind viel zu selten in Führung gegangen», sagt Fünfstück.

Fakt ist auch: Mit 32 Spielern ist das Kader zu gross. In der Winterpause wird eine Reduktion ­angestrebt. Es bedarf aber auch Zuzügen. «Wir sind auf den Aussenbahnen und im Sturm unterbesetzt», sagt Fünfstück. Transfers sind insofern anspruchsvoll, als dass ein Budget von lediglich rund 2,6 Millionen Franken zur Verfügung steht und mit Rémi Gomis, David Roesler sowie Ivan Audino noch drei Spieler auf der Lohnliste stehen, welche hohe Saläre aus «türkischer» Zeit beziehen.

Kein Trainingslager, dafür gegen Thun und GC

Es gibt aber auch einige wenige Lichtblicke. So ist zum Beispiel erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit sich der 19-jährige Kenzo Schällibaum in die Stammformation gespielt hat. Ein erstes Aufgebot für die Schweizer U20-Nationalmannschaft war der Lohn. Diverse weitere Spieler aus dem eigenen Nachwuchs oder dem Verbund von Future Champs Ostschweiz wurden wiederholt eingesetzt. Eine Entwicklung der Mannschaft als Ganzes war allerdings nicht zu erkennen – genauso wenig wie ein Gerüst im Team.

Welche Spieler beim Trainingsstart am 7. Januar noch zugegen sein werden und welche dazukommen, steht noch nicht fest. Klar ist dafür mittlerweile, dass die Wiler auf ein Trainingslager im Ausland verzichten – auch aus finanziellen Gründen. Dafür soll während der Vorbereitungsphase ein Teamanlass stattfinden. Fixiert sind Testspiele gegen Austria Lustenau (13. Januar, 15.30 Uhr, IGP-Arena), Thun (23. Januar, 15 Uhr, Stockhorn- Arena) und die Grasshoppers (27. Januar, 11 Uhr, IGP-Arena).

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