Talentschmiede wird zur Firma

Das Ostschweizer Fussball-Nachwuchsprojekt FCO wächst: Mit einem neuen Geschäftsführer soll es in absehbarer Zeit finanziell selbsttragend werden. Dafür sind bald aber auch Erfolge eigener Talente beim FC St. Gallen gefragt.

Ralf Streule
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Training der Ostschweizer U21-Talente im Gründenmoos. (Bild: Ralph Ribi)

Training der Ostschweizer U21-Talente im Gründenmoos. (Bild: Ralph Ribi)

FUSSBALL. Das 2010 aufgegleiste Fussball-Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz (FCO) trägt Früchte. Das zeigt sich zwar noch nicht in der ersten Mannschaft des FC St. Gallen, dafür aber in den Nachwuchsabteilungen. Mit zehn Nationalspielern bei den 15- bis 20-Jährigen ist die Ostschweiz national gut dabei.

Nun soll das Projekt noch professioneller werden. Seit längerem ist die Stelle des «Geschäftsführer FCO» ausgeschrieben. Nach den Startjahren sei das Projekt in eine «neue Phase» eingetreten, sagt Carlo Hefti von der Beratungsfirma Convidis AG aus Zürich. Er hat FCO im vergangenen Halbjahr einer Analyse unterzogen. Und er ist zum Schluss gekommen, dass die Fäden des komplexer werdenden Gebildes bei einer Person zusammenlaufen müssen. Ein Geschäftsführer soll Geldbeschaffung, Kommunikation und Marketing übernehmen und so die bisher dafür verantwortlichen Personen entlasten. Sie, zum Beispiel der technische Leiter Roger Zürcher, können sich so wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: Auf das Ausbilden von Fussballern.

«Glaube ans Projekt ist gross»

Bald soll bekannt sein, wer neuer Geschäftsführer wird. Gegen 100 Bewerbungen seien eingegangen, darunter viele «Top-Kaderleute», sagt Jakob Gülünay, als Verwaltungsratsmitglied des FC St. Gallen für Nachwuchsbelange zuständig.

Der neue Geschäftsführer soll mithelfen, die «Marke FCO» bekannter zu machen. Und er soll die Kommunikation mit Medien und den involvierten Fussballvereinen der Region intensivieren. Unter letzteren gibt es einige, die der professionellen Talentförderung wenig abgewinnen können, da sie dem Breitensport nicht zuträglich sei. Hier sei mehr Informationsarbeit gefragt, sagt Hefti. Denn bei den FCO-Verantwortlichen ist man sich sicher: Talente, die den Sprung nicht schaffen, kehren wieder in ihre Vereine zurück. Finanziert wird die neue Stelle über das FCO-Budget, das dank Sponsoren seit Beginn stetig gewachsen ist. Es steht heute gemäss Gülünay bei knapp drei Millionen Franken pro Jahr für die gesamte Nachwuchsabteilung. 2017 laufen zwar viele Sponsoringverträge aus. Die Wertschätzung des Projekts sei aber bei Sponsoren so gross, dass eine weitere Zusammenarbeit wahrscheinlich sei.

Ziel: Vier Profis pro Jahrgang

Die Ziele sind klar: Man will den anderen Super-League-Vereinen der Schweiz in Sachen Nachwuchsarbeit das Wasser reichen können. Pro Jahr wolle man vier Talente in den Profifussball – FC Wil oder FC St. Gallen – bringen, so lautet die Vorgabe. «Langfristig wollen wir die beste Ausbildungsregion der Schweiz werden», sagt Gülünay.

Vor allem der FC Basel und der FC Zürich haben ihre Nachwuchsförderung schon vor Jahren professionalisiert und damit einen Vorsprung. Abgänge von Talenten zu diesen Vereinen wolle man mit einem starken FCO vermindern, sagt Gülünay. Das Ziel sei, bei den Nachwuchsteams oben mitzuspielen, damit Abgangs-Gelüste kleiner würden. «Und es müssen Junge den Sprung in den Profifussball schaffen, damit andere sehen, dass etwas geht.» In den eigenen Händen habe FCO aber nicht, ob Talente abwandern. «Es hängt auch von der Stärke der ersten Mannschaft ab», so Gülünay.

Erfolg der ersten Mannschaft und viele Einsatzminuten der Talente: Das sind zwei Vorgaben, die sich derzeit noch widersprechen. Die sportliche Leitung des FC St. Gallen setzte zuletzt meist auf die erfahrenen Spieler, um die Substanz zu wahren. Spieler wie Marco Franin oder Ivan Martic kamen meist nur bei personellen Engpässen zum Einsatz.

Dass sich dies in den kommenden Jahren ändert, ist man bei FCO überzeugt. Das Ziel sei es, selbsttragend zu werden, erklärt Gülünay. In einem ersten Schritt hoffe man, durch eigene Talente das Budget der ersten Mannschaft schonen zu können, später wolle man eigene Spieler gewinnbringend verkaufen. Transfereinnahmen sollen so viel Geld einspielen, dass damit das Nachwuchsprojekt finanziert werden kann. Vielleicht sind ja der 16jährige Boris Babic und der 18jährige Marsel Stevic die nächsten Exportschlager. Die beiden St. Galler Talente trainieren seit vergangener Woche mit der ersten Mannschaft.

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