TALENTFÖRDERUNG: St. Gallen erfüllt fast alle Kriterien

Das Nachwuchsprojekt «Future Champs Ostschweiz» soll zu einem nationalen Leistungszentrum werden. Fast alle Bedingungen des Schweizerischen Fussballverbands sind erfüllt – nur bei der Trainingsanlage im Gründenmoos gibt es Abstriche.

Drucken
Teilen

Leistungszentren Die Schweiz gilt als Fussballland mit vorbildlichen Nachwuchs-Strukturen. Dennoch will der Schweizerische Fussballverband (SFV) weitere Weichen stellen, um im international immer härter geführten Kampf um Talente mithalten zu können. «Wir wollen, dass Schweizer Fussballer den Schweizer Weg gehen», sagt Laurent Prince, Technischer Direktor des SFV. Um die hiesigen Talente bei der Stange zu halten, will man das Niveau der Nachwuchsarbeit in der Schweiz weiter steigern. Konkret will der Verband sieben bis neun nationale Nachwuchsprojekte mit dem Label «Leistungszentrum SFV/SFL» ausstatten, diese finanziell stärker unterstützen – aber im Gegenzug noch mehr Professionalität fordern. Die Bedingungen für den Erhalt des Labels sind hoch. Unter anderem muss die Nachwuchsarbeit in Clubpartnerschaften organisiert und die gesamte Ausbildungsstruktur von der U15 bis zur U21 abgedeckt sein. Vorgaben gibt es seitens des SFV auch bezüglich personeller Besetzung und Infrastruktur. Letztlich mit einem Hauptziel: «Die Spieler müssen noch persönlicher betreut sein als bisher», sagt Prince. Im Bereich des individuellen Trainings und der engen Begleitung liege viel Potenzial brach.

Im Herbst 2017 soll definitiv bekannt sein, wer sich künftig «Leistungszentrum» nennen darf. Logisch, werden der FC Basel, die Young Boys, der FC Zürich und die Grasshoppers mit ihren weit gediehenen Nachwuchsprojekten dazu gehören. Und auch Lausanne, Servette und Luzern sollen gute Karten haben. Auch das Ostschweizer Projekt «Future Champs Ostschweiz» (FCO) mit den Trägervereinen FC Wil und FC St. Gallen ist gemäss Prince als Leistungszentrum vorgesehen, «auch aufgrund der professionellen Arbeit der vergangenen Jahre». Noch sind bei FCO aber einige Anpassungen nötig, bis es als Leistungszentrum durchgeht. Anpassungen, die gemäss FCO-Geschäftsführer Ferruccio Vanin bereits aufgegleist sind. Zum Beispiel muss das Amt des Talentmanagers und des Konditionstrainers neu als 100-Prozent-Stelle besetzt sein. Die Arbeit des Talentmanagers, bisher im Doppelamt vom U21-Trainer ausgeführt, wird von Kristijan Djordevic übernommen. Als vollamtlicher Konditionstrainer ist Harry Körner verpflichtet worden, der unter Giorgio Contini beim FC Vaduz seit 2013 diese Aufgabe inne hatte. Weiter muss FCO die medizinische Betreuung in den Nachwuchsteams verstärken.

Gespräche mit der Stadt sind im Gang

Knackpunkt dürfte in St. Gallen aber die Infrastruktur sein. Gefordert ist vom SFV ein Gelände, das exklusiv dem Nachwuchs zur Verfügung steht. Dies ist im Gründenmoos nicht der Fall. Zudem soll es Fragen zur Verfügbarkeit der Infrastruktur im Winter geben. Gespräche mit der Stadt sind laut den Verantwortlichen im Gang. Der SFV dürfte hier aber ohnehin eine Ausnahmebewilligung erteilen.

Sicher ist: Die Professionalisierung hat ihre Kosten. Offenbar wird das FCO-Budget von knapp 4 auf etwa 4,5 Millionen Franken steigen. Vom Verband werden zusätzlich zu den bisherigen Label-Geldern 100000 Franken für die Leistungszentren gesprochen. «Es zahlen und profitieren beide: der Verband und die Clubs», sagt Prince. Die Proficlubs und die Nationalmannschaft sollen so qualitativ einen weiteren Schritt machen. Dies sehen auch die Verantwortlichen in St. Gallen so. Wobei man aber letztlich finanziell an die Grenzen gehe.

Diese Geldfrage ist relevant: Die Beschaffung der Mittel für das FCO-Projekt ist seit Jahren beschwerlich. Der abgetretene Präsident Dölf Früh galt als wichtiger Netzwerker in der Geldsuche. Diese Arbeit übernehme er nicht mehr, sagte der Präsident bei seinem Rücktritt. FCO steht die finanzielle Reifeprüfung wohl erst noch bevor.44

Ralf Streule