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TALENT: Das nächste grosse Ding

Ryan Sessegnon von Fulham gilt als die grösste Nachwuchshoffnung des englischen Fussballs. Der 17-Jährige absolviert seine zweite Saison als Stammspieler – und ist bester Torschütze des Teams.
Sergio Dudli
Dank 13 Saisontoren macht Ryan Sessegnon die Spitzenclubs auf sich aufmerksam. (Bild: Richard Sellers/KEY)

Dank 13 Saisontoren macht Ryan Sessegnon die Spitzenclubs auf sich aufmerksam. (Bild: Richard Sellers/KEY)

Sergio Dudli

Am 21. Mai 2000 durfte sich der FC St. Gallen nach 96 Jahren es langen Wartens wieder als Schweizer Meister betiteln. Kultfiguren wie Charles Amoah, Marc Zellweger und Jörg Stiel stemmten auf dem Marktplatz den Pokal in die Höhe. Noch heute kann jeder eingefleischte Anhänger die Spieler der Meistermannschaft aufzählen. Drei Tage vor diesem grossen Triumph erblickte Ryan Sessegnon in London das Licht der Welt. Während die St. Galler knapp 18 Jahre später weit vom nächsten Titel entfernt sind, steht der Spieler von Fulham aus der zweithöchsten englischen Liga in den Notizblöcken zahl­reicher Scouts der europäischen Spitzenvereine.

Seine ersten Gehversuche im Profiteam von Fulham machte Sessegnon im Alter von 16 Jahren und 81 Tagen, als er im Cup auf der Position des linken Aussenverteidigers zum Einsatz kam. Nur eine Woche später lief er erstmals in der Liga auf, wiederum vier Tage später erzielte er in der Championship, der zweithöchsten Liga Englands, seinen ersten Treffer. Somit war Sessegnon der erste Spieler mit Jahrgang 2000, der sich in einer der vier Profiligen auf der Insel als Torschütze feiern lassen konnte. In der Spielzeit 2016/2017 absolvierte er 25 Spiele, erzielte fünf Tore und schaffte den Sprung in das Team der Saison. «Sessegnon ist wahrscheinlich der talentierteste Spieler des Landes. Es ist mir eine Ehre, den Beginn einer grossen Karriere mitzuverfolgen», so Fulham-Trainer Slavisa Jokanovic.

Die Topclubs stehen Schlange

Bis heute hat der 17-Jährige 59 Spiele in der Championship bestritten. Am vergangenen Wochenende erzielte er beim 2:0-Sieg des Tabellenfünften Fulham gegen den Spitzenreiter aus Wolverhampton seinen 13. Saison­treffer im 34. Einsatz. Damit ist er bester Torschütze der Londoner – und das, obwohl er bis zum Jahreswechsel als linker Aussenverteidiger zum Einsatz gekommen war. «Es ist fast etwas unheimlich, wie gut er schon ist», so Team­kollege Matt Targett, der erst vor wenigen Wochen vom Premier-League-Club Southampton zu Fulham stiess und Sessegnons Part in der Verteidigung übernahm. Durch Targetts Verpflichtung konnte der Nachwuchs-Internationale eine Position nach vorne auf den Flügel rücken. Sessegnon selber sagt zu seiner neuen Rolle: «Ich spiele gerne weiter vorne, weil ich dort mehr Einfluss nehmen kann. Aber wo ich spiele, ist mir egal. Solange ich auf dem Feld stehe, bin ich glücklich.» Dass er tatsächlich mehr Einfluss nimmt, zeigt ein Blick in die Zahlen: Im neuen Jahr traf er in neun Spielen achtmal. Bei solchen ­Werten geraten die Teamkollegen ins Schwärmen. «Ich bin mir zu 99 Prozent sicher, dass er einer der besten Spieler auf der linken Aussenbahn wird. Und zu 100 Prozent spielt er bald bei einem grossen Club», so Fulham-Mittelfeldmann Stefan Johansen. Der Lohn für Sessegnons gute Leistungen war die Auszeichnung zum Spieler des Monats Januar in der Championship.

Dass Sessegnon überhaupt noch die linke Seite der Nordlondoner bearbeitet, ist keine Selbstverständlichkeit: Im Winter ­stritten sich Tottenham und ­Manchester United um seine Unterschrift. Die Clubs boten rund 30 Millionen Franken. Zum Vergleich: Der gesamte Kader des FC St. Gallen ist rund 17 Millionen wert. Doch die Verantwort­lichen bei Fulham blockten alle Angebote ab. «Er ist ein wichtiger Bestandteil meiner Pläne, wir brauchen ihn hier», sagte Trainer Jokanovic. Fulham stieg im Sommer 2014 aus der Premier League ab, gehört nun aber zu den besten Teams der Championship. Den Aufstieg wollen sie mit Sesse­gnon schaffen – in der Hoffnung, ihn so halten zu können. «Aber ich bin mir bewusst, dass wir im Sommer wieder die gleichen Diskussionen um ihn haben werden. Nur werden die genannten Ablösesummen noch höher sein als jetzt im Winter», so Jokanovic. Auch bei den englischen Fussballexperten steht Sessegnon hoch im Kurs. Am kürzesten formulierte es Alan Shearer, der ­Rekordtorschütze der Premier League: «Der Junge ist einfach brillant.» Generell ist man auf der Insel überzeugt: Sessegnon wird «the next big thing» – das nächste grosse Ding.

«Fulham ist mein Club»

Neben dem Platz gilt der 17-Jährige als zurückhaltend. Interviews gibt er selten, auf seinem Twitter-Profil schreibt er nach jedem Sieg praktisch denselben Satz: «Ein weiterer Sieg und wichtige drei Punkte. Gratulation an das Team. Weiter geht’s!» Auch die Millionen, die für ihn geboten werden, bringen Sessegnon nicht aus der Ruhe. In einem Gespräch mit dem hauseigenen «Fulham TV» sagte er kürzlich: «Es war auf­regend, mit solchen Clubs in ­Verbindung gebracht zu werden. Aber Fulham ist mein Club, ich will hier den Aufstieg schaffen.»

Seit Sessegnon acht Jahre alt ist, spielt er für Fulham. Sein Zwillingsbruder Steven debütierte ebenfalls schon in der ersten Mannschaft der Londoner. Im vergangenen Sommer gewann der 1,78 Meter grosse Ryan mit dem U19-Nationalteam den EM-Titel. Auch hier zeigte der gelernte Aussenverteidiger, dass er über einen ausgeprägten Torriecher verfügt: Mit drei Treffern wurde er Torschützenkönig. Sollte Fulham den Aufstieg verpassen, darf die Fussballwelt gespannt sein, zu welchem Club es Sessegnon im Sommer treibt – vorausgesetzt, er verlässt «seinen Club» trotz Vertrag bis 2020.

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