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SWISS INDOORS: Basler Leckerli

Träume, Sehnsüchte, Erfolge, erste Gehversuche, Entspannung – das alles beinhaltet das ATP-Turnier in Basel. Vier Geschichten zeigen, wie jeder Tennisprofi hier seinen ganz eigenen Leckerbissen suchen kann. Und auch findet.
Christian Brägger, Basel
Von links oben im Uhrzeigersinn: Roger Federer, Marc-Andrea Hüsler, Nenad Zimonjic, Juan Martin del Potro. (Bild: Keystone, Swiss Tennis, Imago, AP)

Von links oben im Uhrzeigersinn: Roger Federer, Marc-Andrea Hüsler, Nenad Zimonjic, Juan Martin del Potro. (Bild: Keystone, Swiss Tennis, Imago, AP)

Christian Brägger, Basel

Vielleicht hat sich sogar schon Roger Federer in der St.-Jakobs-Halle verirrt. Denn das Schmuckstück der Basler wird bis 2018 in drei Umbauphasen für 100 Millionen Franken renoviert, davon sind bisher zwei Etappen über die Bühne gegangen. Vieles ist neu, grosszügiger, entspannter – bis Federer auftritt. Und vieles ist mit Ausnahme der beiden Courts an einem anderen Ort, auch die Bezeichnung der Himmelsrichtungen wurde getauscht. Weshalb im Mantelbereich der Halle und in den Wandelgängen sogar von Swiss-Indoors-Aficionados Cleverness gefordert ist.

Del Potro: Mate-Tee am Rhein

Nicht verlaufen hat sich Juan Martin del Potro. Den Argentinier hätte wohl selbst dieser Umstand kaum aus der Fassung gebracht, er ist ein gemütlicher Mensch. Der 29-Jährige ist gut in Form, hat in der Vorwoche den 250er-Event in Stockholm gewonnen. Das bringt den US-Open-Sieger 2009 in der Weltrangliste weiter nach vorne, als Nummer 19 im ATP-Ranking hat er plötzlich noch Chancen auf den Saisonfinal in London. Das Masters schiebt Del Potro dennoch weit von sich, er sagt: «Ich kämpfe nicht mit allen Mitteln um die Teilnahme.» Vielmehr wolle er Basel und die Swiss Indoors geniessen, auch wenn der Ort hier nicht so warm sei wie der argentinische Sommer. Del Potro schlenderte denn auch bereits durch die Stadt, setzte sich irgendwo am Rheinufer hin und trank Mate-Tee, der besonders in Südamerika weit verbreitet ist. Als er diese Episode erzählt, lächelt er verlegen, ein wenig scheu. Heute greift Del Potro gegen den Portugiesen Joao Sousa (ATP 60) ins Turniergeschehen ein, die Sympathien des Basler Publikums werden ihm natürlich zufliegen, wie dies oft der Fall ist, wenn er irgendwo auf der Welt antritt. Wobei der zweifache Swiss-Indoors-Sieger gar nicht so richtig weiss, warum er auf allen Plätzen so beliebt ist. «Aber es ist ein schönes Gefühl», sagt er.

Hüsler: Der Anfang ist schwer

Er ist ein Nobody, und vielleicht wird Marc-Andrea Hüsler dies auch immer bleiben. Dabei wäre der gross gewachsene Zürcher im Vorjahr beinahe Schweizer Meister geworden, hätte er den Matchball im Final verwertet. Profi ist der 21-Jährige seit knapp zwei Jahren, nach der Matura am Sportgymnasium. Vorwiegend spielt der Linkshänder ITF- und Challenger-Turniere, heuer hat er für Gstaad und nun Basel Wildcards erhalten, beide Male scheiterte er in der ersten Qualifikationsrunde. Die Nummer 715 der Welt im Einzel ist dennoch in der Doppelkonkurrenz im wahrsten Sinne des Wortes ins Tableau gerutscht, da Rafael Nadal passen musste: Es ist Hüslers Début an einem Turnier der ATP-Tour, das er an der Seite von Nenad Zimonjic sogar gewinnt, und er sagt: «Es war sehr speziell für mich, ich habe noch nie an einem so grossen Event gespielt. Ich bin glücklich, und ich muss zugeben, dass ich nervös war. Ich wusste ja nicht so recht, was auf mich zukommt. Aber ich habe gut gespielt.» Ein wenig überrumpelt sei er vom ziemlich grossen Zuschaueraufmarsch gewesen, vom Samstag und der verlorenen Qualifikationspartie gegen den Franzosen Nicolas Mahut auf dem Centre Court habe er dieses Gefühl aber bereits gekannt. Der Jungspund sieht seine Zukunft nicht nur im Doppel, er hat es noch nicht aufgegeben, auch im Einzel irgendwann auf der Tour Fuss zu fassen. Mit Federer, seinem Vorbild, hat er schon trainiert, «es ist Wahnsinn, was der alles macht», sagt Hüsler. «Ich konnte von ihm sogar ein wenig profitieren, auch wenn unsere Spielweise verschieden ist. Aber jedem das Seine.»

Zimonjic: Der Star im Doppel

Hüslers temporärer Doppelpartner hat derweil schon viel erlebt, seit 1995 ist Nenad Zimonjic Profi. Der 41-Jährige könnte Hüslers Vater sein. Im Einzel besiegte der Serbe einst in St. Pölten Andre Agassi, der Karriere-Bestwert als Nummer 176 ist dennoch bescheiden. Besonders im Doppel aber kennt er den Erfolg, dort war er schon Erster der Weltrangliste und gewann drei Grand-Slam-Turniere. Sowie den Davis-Cup, mit Novak Djokovic. Zimonjic kennt das Leben abseits der grossen Bühnen, seit zehn Jahren spielt er fast nur noch Doppel. Und dennoch bereitete ihm der Erstrundensieg in Basel nach gewonnenem Champions Tiebreak gegen Benoît Paire und Adrian Mannarino Spass, er sei ja nach dem Turnier in Stockholm extra früh in die Schweiz gekommen, um mit Hüsler zu trainieren. «Ich freue mich sehr, dass ich meinem Partner helfen konnte, den ersten Erfolg auf der Tour zu feiern. Das hat für ihn in etwa den Stellenwert wie für mich ein Turniersieg.» Solange der Körper die Strapazen mitmacht, denkt Zimonjic nicht ans Aufhören. Und so will er auch im nächsten Jahr wieder nach Basel kommen, zumal er an die Swiss Indoors eine besondere Erinnerung hat: Hier hat er im Jahr 2001 sein erstes Einzel auf der ATP-Tour überhaupt gewonnen, ehe die zweite Runde und ein gewisser Andy Roddick Endstation bedeuteten.

Federer: Kurzarbeit

Und dann war er an der Reihe, das grösste Leckerli des Abends. Wegen ihm hatten sich die Reihen in der Doppelpartie längst gelichtet, alle wollten ihn bestaunen, weil sie ja eigentlich nur wegen ihm gekommen waren: Roger Federer. Wobei es letztlich nicht viel vom Tennisgiganten zu sehen gab, exakt nach 61 Minuten war der erste Auftritt Federers bei seiner 17. Swiss-Indoors-Teilnahme bereits wieder beendet: 6:1 und 6:3 wies der Basler seinen 19-jährigen Kontrahenten Francis Tiafoe (ATP 76) in die Schranken. Federer wirkte frisch, spielte perfekt, gewann bei seinem ersten Service alle Punkte, stets behielt er die Kontrolle, auch bei den langen Ballwechseln. Anschliessend sagt der strahlende Federer an der Pressekonferenz: «Solange ich gewinne, ist immer alles gut.» Zudem habe er gespürt, dass er hier in Basel einen Heimbonus habe. Und Tiafoe hätte das auch gefühlt. «Das Publikum suggeriert wohl dem Gegner, dass er mich hier gar nicht schlagen darf», sagt Federer. Der nächste Rivale an seinem Heimturnier wird Benoît Paire sein. Der Franzose (ATP 40) ist um die Aufgabe nicht zu beneiden.

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