Sutter und Hüppi: Von der Stunde null zum Wintermeister?

Am Anfang war nicht das Feuer. Vielleicht Matthias Hüppi. Zumindest war er die Initialzündung.

Christian Brägger
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Alain Sutter (links) und Matthias Hüppi betraten in St. Gallen Neuland.

Alain Sutter (links) und Matthias Hüppi betraten in St. Gallen Neuland. 

Gian Ehrenzeller, Keystone

Um den Erfolg des FC St. Gallen zu begreifen, muss man auf die Sensationsmeldung von vor zwei Jahren und zwei Tagen zurückblicken: Der TV-Moderator wechselt das Studio, verlässt die warmen Räumlichkeiten von Leutschenbach und schaut im kalten Beton des Kybunpark künftig als Präsident auf das Rasengeschehen des FC St.Gallen, seines FC St. Gallen.

Man war kaum ins 2018 gerutscht, da folgte die nächste Schlagzeile aus der Ostschweiz mit dem Zuzug von Alain Sutter als Sportchef. Auch er, der frühere Fussballer Bayern Münchens, verliess eine Komfortzone als bücherschreibender Mentalcoach und TV-Experte, der zur besten Sendezeit neben Hüppi über die Nationalmannschaft referierte.

Das Duo war wieder vereint – und fortan sollte der FC St. Gallen trotz grosser Hürden nicht mehr das sein, was er einmal war: eine graue Maus.

Hoffnungsträger mit Aufräumarbeiten

So schnell Sutter und noch mehr Hüppi zu Hoffnungsträgern einer ganzen Region wurden, so schnell waren sie mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Hüppi sagt:

«Die Veränderungsquote war in der Tat hoch. Es war eine Knochenbüez.»

Konsequent verfolgten die beiden Neulinge ihren Weg, verbannten vorrangig den Geist des Spielervermittlers Donato Blasucci und damit viel Unruhe aus dem Verein, wechselten Spieler und Trainer aus.

Im Sommer 2018 sortierte sich der FC St. Gallen neu mit dem charismatischen Peter Zeidler an der Seitenlinie und dessen Offensivfussball, den Salzburg, Leipzig oder Gladbach heute mit Erfolg zelebrieren. Hüppi seinerseits startete die «Espen on Tour» und damit die grünweisse Charmeschiene, mit der er den von der Basis entfremdeten Club dem Volk wieder näherbrachte. Während der 61-Jährige zur euphorisierenden Werbefigur des Clubs wurde, bediente Sutter den nüchternen, unaufgeregten Gegenpol.

«Kämpfe, wie ein Löwe»

Nach einer Übergangssaison mit konträren Gefühlswelten ging St. Gallen abermals mit einem runderneuerten Jungteam, nicht aber vom Feld null in diese Saison. Da verkam Sutters Flirt mit dem Amt des Nationalteamdirektors zur Randnotiz, nicht aber Zugänge wie Lukas Görtler (kam über Zeidler), Ermedin Demirovic (Zufall) oder Jordi Quintillà (Sutter). Einzig der chronischen Geldsorgen konnte sich der FC St. Gallen trotz massiver Einsparungen Sutters und Verkaufsbemühungen Hüppis («Kämpfe, wie ein Löwe») nicht entledigen. Auch deshalb soll das Aktienkapital aufgestockt werden.

Dem sportlichen Lauf tat dies keinen Abbruch, im Gegenteil – und heute ist Zeidler das Gesicht, ja die Figur des FC St. Gallen. Und morgen? Morgen ist er mit etwas Glück Wintermeister.