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Manager Ilja Kaenzig schielt mit Bochum Richtung Bundesliga

Seit knapp einem Jahr führt der Surseer Manager Ilja Kaenzig den VfL Bochum. Der Zweitligaverein steht im Ruhrpott im Schatten von Dortmund und Schalke. Doch Bochum hat sich eine Nische geschaffen.
Nicola Berger
Bochum-CEO Ilja Kaenzig. (Bild: Imago (Duisburg, 11. August 2018))

Bochum-CEO Ilja Kaenzig. (Bild: Imago (Duisburg, 11. August 2018))

Der Lebenslauf von Ilja Kaenzig liest sich wie eine Liebeserklärung an den Fussball. Kaenzig (45) hat viel erlebt in der Branche, positiv wie negativ, seit er in den 1990er-Jahren als Kolumnist bei der NZZ begann. Er arbeitete in diversen Funktionen in der Schweiz, in Deutschland und Frankreich. An Erfahrungen mangelt es ihm nicht, doch schafft es sein Arbeitsort immer wieder, den Manager zu überraschen.

Seit knapp einem Jahr arbeitet Kaenzig als Geschäftsführer des Zweitligisten VfL Bochum, beheimatet im Ruhrpott, einer der fussballverrücktesten Gegenden Europas. Auf kleinstem Raum tummeln sich dort etliche Traditionsclubs: Borussia Dortmund, Schalke 04, der MSV Duisburg, Bochum, dazu abgestürzte frühere Granden wie Rot-Weiss Essen, Rot-Weiss Oberhausen, Wattenscheid 09. Eines der vielen Bücher über die Region hat den Titel: «Im Land der tausend Derbys».

Staunen über die Wichtigkeit des Fussballs

Kaenzig sagt: «Es ist unglaublich, welche Bedeutung der Fussball hier hat. Er ist Stammtisch­gespräch und identitätsstiftend. Wenn ich mich durch die Stadt bewege, sehe ich kaum ein Auto ohne VfL-Aufkleber. Man kann das mit der Schweiz fast nicht vergleichen, hier schlägt der Puls ­höher, sobald es um Fussball geht.» So viel Anteilnahme verpflichtet, Kaenzigs Aufgabe ist diffizil. Bochum positioniert sich als Top-25-Klub des Landes und schielt in Richtung 1. Bundesliga. Doch der Markt ist umkämpft, viele Clubs buhlen um die gleichen Sponsoren. Kaenzig sagt, das Ziel sei es, das Budget auf 40 Millionen Euro zu erhöhen – Transfererlöse und zusätzliche TV-Einnahmen nicht eingerechnet. Das Langzeitprojekt ist die Suche nach einem Investor, es ist etwas, worauf sich Kaenzig einst mit seiner eigenen Firma «Boutique Football» spezialisierte, die Geldgeber und Vereine zusammenführen sollte. Er sagt: «Das ist ein Generationenprojekt und muss sehr sorgfältig geplant sein. Es gibt mit Investoren auch negative Beispiele. Es muss alles passen, damit wir das machen.»

Auch Kaenzig machte mit Investoren nicht nur gute Erfahrungen: Beim französischen Zweit­ligisten Sochaux war er als CEO de facto der Statthalter der chinesischen Besitzer, denen plötzlich das Geld ausging, worauf Kaenzig den Verein im Winter 2017 verliess. Er sagt: «Es ist schade, dass es nicht geklappt hat. Frankreich ist mit dem neuen, 2020 in Kraft tretenden TV-Vertrag ein wahnsinnig spannender Markt.»

Bochum mag solcher Glamour fehlen, aber der Klub weist alleine in Deutschland 13 Millionen Sympathisanten aus – und ist in der heutigen Form eine Art Gegenentwurf zum modernen Fussball mit dem vielen Geld.

Vor jedem Heimspiel ertönt Grönemeyers «Bochum»

Das Ruhrstadion hat in den ersten beiden Ligen ein Alleinstellungsmerkmal, weil es diesen Namen tatsächlich noch verdient, Stadion, und keine multifunktionale, schicke, sterile Arena ist. Vor jedem Heimspiel erklingt ­darin das Lied «Bochum» des Sängers Herbert Grönemeyer, des neben dem VfL wichtigsten Botschafters der Stadt. Der Verein hat etwas Familiäres und steht für Bodenständigkeit – was hilft, sich eine Nische zu schaffen: Der Club ist eine Anlaufstelle für jene Sponsoren, denen es lieber ist, einen grösseren Auftritt in einem kleineren Verein zu haben, als viel Geld in Dortmund oder auf Gelsenkirchen zu lassen.

Das wichtigste Verdienst des Luzerners ist, Ruhe in den Verein gebracht zu haben. Vor seiner ­Anstellung verschliss Bochum innert kürzester Zeit drei Trainer und einen Sportmanager, zwei Aufsichtsräte und ein geschäftsführender Vorstand traten zurück. Unter dem bis 2021 gebundenen Kaenzig und Coach Robin Dutt hat sich Bochum stabilisiert; in der heute mit dem Derby gegen Duisburg beginnenden Rückrunde will der Verein sich nach vorne orientieren, der Rückstand auf den zur Teilnahme an der Relegation berechtigenden dritten Platz beträgt sieben Punkte. ­Ilja Kaenzig gibt sich hoffnungsvoll. Ein Aufstieg fehlt im Lebenslauf des Surseers noch.

2. Bundesliga, 19. Runde. Dienstag, 18.30 Uhr: Bochum – Duisburg. – 20.30: Greuther Fürth – Ingolstadt. Darmstadt – St. Pauli. Magdeburg – Erzgebirge Aue.

Morgen, 18.30: Jahn Regensburg – Paderborn. – 20.30: Dynamo Dresden – Arminia Bielefeld. Hamburger SV – Sandhausen. Heidenheim – Holstein Kiel. – Donnerstag, 20.30: Union Berlin – Köln.

Rangliste (je 18 Spiele): 1. Hamburger SV 37. 2. Köln 36. 3. St. Pauli 34. 4. Union Berlin 31. 5. Holstein Kiel 30. 6. Heidenheim 30. 7. Paderborn 28. 8. Bochum 27. 9. Regensburg 26. 10. Dresden 25. 11. Fürth 24. 12. Aue 22. 13. Darmstadt 19. 14. Bielefeld 18. 15. Sandhausen 13. 16. Duisburg 13. 17. Magdeburg 11. 18. Ingolstadt 10.

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