SUPER LEAGUE: «Es ist gut, waren wir weg»

Seit zwei Monaten ist Giorgio Contini der Trainer des FC St.Gallen, in gut zwei Wochen beginnt die Saison. Der 43-Jährige über seine Ideen, den geplatzten Ajeti-Transfer und die Unruhen im Umfeld.

Patricia Loher
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Giorgio Contini ist seit Mai Trainer des FC St. Gallen. Sein Vertrag läuft bis Sommer 2018. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Giorgio Contini ist seit Mai Trainer des FC St. Gallen. Sein Vertrag läuft bis Sommer 2018. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Interview: Patricia Loher

Giorgio Contini, vor wenigen Tagen erreichten uns aus dem Schwarzwald Bilder eines Paddelanlasses Ihres Teams. Die Stimmung schien ausgelassen. Wie nehmen Sie die Atmosphäre war?

Wir sind nun erstmals, seit ich in St.Gallen Trainer bin, einige Tage zusammen. Wir reden viel, analysieren viel. Wir werden von Training zu Training besser. Das merken auch die Spieler, die Stimmung ist sehr positiv.

Sie befinden sich mit Ihrem Team also im Fahrplan?

Wir brachten einige neue Ideen ein. Wir haben Prinzipien ausgearbeitet, an die wir uns halten. Die Spieler wissen, was wir wollen. Sie lernen, wann sie ein Pressing aufziehen können und wann nicht, wann sie sich zurückfallen lassen können und wann nicht. Dass sie im Spielaufbau flexibel bleiben müssen. Dass die Kommunikation auf dem Platz stimmt. Und natürlich mussten sich auch die neuen Harry Körner als Konditionstrainer und Markus Hoffmann als Assistent einleben, was ihnen sehr gut gelungen ist.

Ihnen geht es vor allem auch um Selbstverantwortung auf dem Platz?

Die Prinzipien haben wir auf Papier festgehalten. Diese müssen die Spieler verinnerlichen. Sie haben viele Informationen erhalten. Und trotzdem brauchen sie im Spiel eine gewisse Freiheit. Vor allem offensiv dürfen sich die Spieler bewegen, wie sie wollen. Da dürfen sie frei und mutig sein. Wichtig ist aber auch die defensive Disziplin, zu der alle beitragen müssen. Da dürfen wir keine Risiken eingehen.

Nun müssen Sie aber einen Rückschlag verkraften, Toko fällt drei Monate aus.

Das ist eine Hiobsbotschaft. Wir haben Tokos Belastung in der Vorbereitung dosiert und rechneten nicht damit, dass er so lange ausfällt. Nun geht es darum, dass andere Spieler die Lücke schliessen. Natürlich ist das schwierig, Toko ist ein Aggressivleader, der die Zweikämpfe nicht scheut. Möglicherweise müssen wir uns nochmals auf dem Transfermarkt umsehen.

Sie brauchen auch einen Captain.

Der neue Captain wird aus dem Spielerrat kommen, je nachdem, wer aufläuft. Tranquillo Barnetta, Daniel Lopar, Alain Wiss oder Karim Haggui können die Captainbinde tragen.

Wie sieht es mit Albian Ajeti aus, der an einer Entzündung im Knie leidet?

Er hat noch kein einziges Training mit der Mannschaft absolviert. Albian Ajeti befindet sich im Aufbau und trainiert indivi­duell. Er dürfte zum Saisonstart noch nicht in bester Form sein. Wir müssen aufpassen, dass für ihn die Belastung in der Vorbereitung nicht zu gross wird.

Haben Sie mit Ajeti über den geplatzten Transfer zum FC Basel geredet?

Wir waren immer im Kontakt. Albian Ajeti weiss: Es gehört zum Sport, dass gewisse Dinge klappen und andere nicht. Er weiss aber auch, was er in St.Gallen hat und er sich hier nochmals beweisen kann. Er ist da absolut klar im Kopf. Ich habe bei ihm keine Enttäuschung festgestellt.

Es scheint, als habe St.Gallen eine gute Mannschaft zusammen. Stört es Sie, dass nach dem Rücktritt von Christian Stübi und der Trennung von Simon Storm vor allem über die Unruhen im Umfeld geredet wird?

Mich stört, dass der Fokus nicht auf den Fussball gelegt wird. Es ist normal, dass es Veränderungen gibt. Christian Stübi hat mich zusammen mit Dölf Früh verpflichtet. So hatte ich eigentlich erwartet, dass der Sportchef mit mir das Ding nun durchziehen würde. Es gibt derzeit viele Nebenschauplätze und es ist gut, waren wir eine Woche weg. Man darf nicht überall nach Leichen suchen. Die Mannschaft hat es verdient, dass vermehrt wieder über Fussball geredet wird.

Warum musste Storm gehen?

Wir haben beschlossen, uns nicht dazu zu äussern. Aber wir wollten einen uneingeschränkten Neuanfang. Und es ist nicht so, dass wir nun allein entscheiden können, wer sein Nachfolger wird. Der Nachfolger wird in Absprache mit unseren Medical Partnern bestimmt.