SUPER LEAGUE: Der Jahrmarkt ist vorbei, die Achterbahnfahrt des FC St.Gallen geht weiter

Der FC St.Gallen hatte in sechs Partien nur eine Niederlage kassiert, ehe er gegen Lausanne 0:4 verlor und damit eine bessere Ausgangslage vergab. Zuletzt war es für die Ostschweizer ein Auf und Ab.

Patricia Loher
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Wenn Marco Aratore nicht trifft, springen zu selten andere in die Bresche. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY (St. Gallen, 22. Oktober 2017))

Wenn Marco Aratore nicht trifft, springen zu selten andere in die Bresche. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY (St. Gallen, 22. Oktober 2017))

Patricia Loher

Ein Drittel der Meisterschaft ist absolviert. Noch immer wissen St.Gallens Anhänger aber nicht so richtig, woran sie bei ihrer Mannschaft sind. Einmal überzeugt sie, wie beim 2:2 zu Hause gegen die Young Boys, um dann bloss vier Runden später vom selben Gegner ein 1:6 mit auf den Heimweg zu bekommen. Ein anderes Mal erkämpft sie sich, mit etwas Glück zwar, ein 2:1 in Sitten und damit die verlockende Aussicht, sich in der Spitzengruppe festzusetzen, verliert dann aber zu Hause gegen Lausanne mit 0:4. Es war St.Gallens höchste Heimniederlage seit dem 0:7 gegen Basel im April 2016.

Die Ostschweizer hatten das Spiel zwar bestimmt, lange war es gar ein gefälliger Auftritt gewesen. Und alltäglich ist es nicht, dass ein Team nach einem Cornerverhältnis von 8:2 dem Gegner so deutlich unterliegt. Doch Lausanne hatte St.Gallen wie aus dem Lehrbuch ausgekontert. Die Ostschweizer waren dem Gegner vor eigenem Publikum klassisch ins Messer gelaufen. Ihr Trainer Giorgio Contini sagte: «Ich bin keiner, der nach einem Sieg euphorisch wird. Ebenso wenig werde ich jetzt alles schlecht reden.»

Vor einem Jahr auf dem letzten Platz

St.Gallen ist mit 18 Punkten noch immer an vierter Stelle klassiert, zwischenzeitlich gelang es den Ostschweizern gar, in sechs Spielen nur einmal zu verlieren. Es war eine kleine Serie, die Hoffnung machte auf mehr Konstanz. Dank ihr haben sich die St.Galler in einer Tabelle mit kleinen Abständen ein Polster geschaffen, um nicht gleich bei jeder Niederlage in den Abstiegskampf zu geraten. Noch vor einem Jahr sah das ganz anders aus: Nach der zwölften Runde und einem 0:3 in Luzern belegten die St.Galler mit lediglich zehn Punkten den letzten Rang. Die Diskussionen um den umstrittenen Joe Zinnbauer erreichten ihren Höhepunkt. In dieser Saison haben die Ostschweizer unter dem neuen Coach Contini bis anhin acht Zähler mehr gewonnen und sechs Tore mehr erzielt als zum selben Zeitpunkt in der vergangenen Meisterschaft. Es sind also durchaus Fortschritte erkennbar. Keine Steigerung hingegen ist bei den Gegentoren zu verzeichnen. Goalie Daniel Lopar hat in der vergangenen Saison nach zwölf Runden sogar einmal weniger hinter sich greifen müssen als in der aktuellen Spielzeit.

St.Gallen befindet sich noch immer auf der Suche nach Stabilität und Balance. So stellen sich Fragen: Wozu ist diese Mannschaft in der Lage? Kann sie sich tatsächlich in den Top Fünf platzieren, wie sich Trainer Contini das wünscht und es sich auch der neue Präsident Stefan Hernandez vorstellt? Kann St.Gallen die Qualifikation zur Europa League schaffen? Nach dem Verkauf von Albian Ajeti an den FC Basel muss beim FC St.Gallen wohl alles zusammenpassen, damit er seine Ziele erreicht. In der Offensive lastet fast die ganze Verantwortung auf Marco Aratore, St.Gallens bestem Torschützen. Wenn der Mittelfeldspieler nicht trifft, springen zu selten andere in die Bresche. Hinzu kommt, dass mit Toko noch immer der Aggressivleader verletzt ausfällt. Laut Contini muss damit gerechnet werden, dass der 26-jährige Toko in dieser Vorrunde nicht mehr zum Einsatz kommt. Zurück sind dafür Tranquillo Barnetta und Peter Tschernegg.

Der nächste Prüfstein lässt nicht lange auf sich warten. Nach dem Cup-Achtelfinal vom nächsten Donnerstag bei Delémont empfängt St.Gallen am Sonntag die Grasshoppers. Die Zürcher dürften ähnlich auftreten wie die Lausanner. Abwartend und blitzschnell im Umschaltspiel. Unter dem neuen Trainer Murat Yakin haben die Grasshoppers in sechs Runden kein Spiel verloren.