Super League
Der FC St.Gallen steht nach einem knappen Drittel der Saison auf dem Barragerang – eine Spurensuche mit Zahlen

Statistiken versuchen, das, was auf dem Spielfeld passiert, wiederzugeben. Was sagen sie über die bisherige Saison der St.Galler?

Renato Schatz Jetzt kommentieren
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Die St.Galler erarbeiten sich Chancen, nutzen sie aber zu selten.

Die St.Galler erarbeiten sich Chancen, nutzen sie aber zu selten.

Bild: Martin Meienberger/freshfocus

Der Fussball ist voller Zahlen. Wer die Eins trägt, ist Goalie. Ein Neuner ist ein Stürmer. 4-3-3, vier Verteidiger, drei Mittelfeldspieler, drei Angreifer. Zahlen und Bedeutungen. Ungleich komplizierter sind Statistiken. Sie sind der Versuch, das, was auf dem Rasen passiert, mit Zahlen wiederzugeben. Vielleicht ist es manchmal auch der Versuch, etwas zu erklären, was eigentlich gar nicht zu erklären ist.

Es gibt verschiedenste Statistiken, banale etwa wie die Anzahl Torschüsse. Inzwischen wird aber auch mit den «Expected Goals» diskutiert und argumentiert, den erwartbaren Toren, die sich aus Abertausenden Spielszenen berechnen. «Die Wahrheit liegt auf dem Platz», soll die deutsche Trainerlegende Otto Rehhagel jedoch einmal gesagt haben. Die Wahrheit ist gegenwärtig schmerzhaft für den FC St.Gallen. Er belegt nach elf Runden den Barragerang. Warum eigentlich? Was sagen die Statistiken?

Viele Ballgewinne, viele Ballverluste

Vorderhand fällt auf, dass der FC St.Gallen noch immer einen ähnlichen Fussball spielt wie vor zwei Jahren, als er um die Meisterschaft kämpfte. Das weiss das Unternehmen Instat, das unzählige Fussballdaten erhebt. Instat mass zum Beispiel, dass der FC St.Gallen vorletzte Saison die meisten Konterangriffe fuhr und das in dieser Spielzeit noch immer tut. Die St.Galler erobern ausserdem mit die meisten Bälle – wie sie in der Saison 2019/20 mit die meisten Bälle erobert haben. Und sie verlieren noch immer mit die meisten Bälle – wie sie vor zwei Jahren mit die meisten Bälle verloren haben.

Dass das Passspiel von keinem Super-League-Team in dieser Saison unpräziser ist, ist deshalb kein Grund zur Sorge. Das war schon in der Vizemeister-Saison so. Dass nur 78 Prozent der Zuspiele der St.Galler ankommen, liegt daran, dass sie nach Balleroberungen häufig sofort nach vorne spielen. Also dorthin, wo es gefährlich ist, aber auch dorthin, wo viele Verteidiger stehen, wo es eng ist.

Das zahlt sich aus, denn zu Chancen kommen sie ja, die St.Galler. Einzig die Young Boys, der FC Basel und der FC Zürich haben sich in der laufenden Spielzeit mehr Chancen erarbeitet als der FC St.Gallen. Nur: Vor zwei Jahren nutzte er ganze 31 Prozent seiner Chancen, was Bestwert war, in dieser Saison aber nur 20 Prozent, der tiefste Wert von allen Mannschaften.

Anfällig nach Ecken und in der Schlussviertelstunde

Neuner von der Klasse eines Ermedin Demirovic oder Cedric Itten haben die St.Galler jedenfalls nicht mehr in ihren Reihen. Das ist nicht das einzige Problem, St.Gallen hat Schwierigkeiten hinten und vorne. Denn auch die Abwehr liefert besorgniserregende Zahlen. Der FC St.Gallen hat 26 Gegentore kassiert, das sind die meisten in der Super League. Acht davon fielen nach einem Eckball. Rekord. Er kassierte überdies acht Gegentore in der Schlussviertelstunde, ebenfalls zweifelhafter Spitzenwert.

Fehlt den St.Gallern in der Schlussphase jeweils die Kraft? Nutzen sie sich im Spiel derart ab, dass in den letzten Minuten etwas fehlt? Sie führen die zweitmeisten Zweikämpfe, auch bei den Tacklings sind die St.Galler führend. Das war aber schon vor zwei Jahren so.

Die Zahlen in dieser Saison ähneln jenen vor zwei Jahren, als der Klub mit seinem schnellen, geradlinigen Fussball begeisterte. Wurde der Code nun also entschlüsselt? Sind die vielen Ballgewinne und Ballverluste durchschaut worden? Oder ist das Schwarzmalen nach Zahlen? Am Ende geht es nur um zwei Zahlen: um die Anzahl Tore, die man in einem Spiel erzielt, und um die Anzahl Tore, die man in einem Spiel kassiert. Das Resultat eben. Und die Resultate sind nicht gut.

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