Super League
Dem FC Basel fehlt im Spiel gegen den FC St.Gallen das halbe Kader – mehr Verletzungen gibt es wegen des Corona-Spielplans aber nicht

Der FC Basel muss in St.Gallen auf 15 Spieler verzichten, obwohl die stressige Corona-Saison mit vielen Spielen und kurzer Winterpause eigentlich nicht zu mehr Verletzungen in der Super League führt, wie unsere Datenanalyse ergeben hat. Aber woran liegt es dann? Eine Spurensuche.

Céline Feller und Jakob Weber
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Der FCB hat die Verletzungshexe. Nicht nur Valentin Stocker muss in diesen Tagen wegen Verletzungen pausieren.

Der FCB hat die Verletzungshexe. Nicht nur Valentin Stocker muss in diesen Tagen wegen Verletzungen pausieren.

Bild: Freshfocus

Silvan Widmer, Eray Cömert, Elis Isufi und Jorge in der Viererkette. Ein Mittelfeld mit Taulant Xhaka, Fabian Frei und der offensiven Dreierreihe Afimico Pululu, Valentin Stocker und Julian von Moos. Und im Sturm spielt Ricky van Wolfswinkel. Nur ein Torhüter fehlt dieser Elf, die am Samstag gegen den FC St. Gallen ausfällt. Auch die Ausfall-Ersatzbank wäre prall gefüllt. Dort sitzen Amir Abrashi, Yannick Marchand, Raoul Petretta, Andrea Padula und Kaly Sene.

Eigentlich unglaublich, aber gleich 15 von 31 Kaderspielern fehlen dem FCB aktuell. Cömert und Frei sind gesperrt, der Rest verletzt oder angeschlagen. Teilweise fallen sie langfristig aus, teilweise sind sie auch einfach nicht voll belastbar und deshalb keine Option für FCB-Trainer Ciriaco Sforza. Aber woran liegt diese Häufung an Ausfällen? «Die meisten Verletzungen sind Pech. Es sind keine gröberen muskulären Probleme, sondern Unfälle. Damit musst du im Fussball leben. Dass jetzt gerade alle miteinander ausfallen, ist halt so», sagt Sforza mit einem anschliessender Seufzer.

Tatsächlich hat die Corona-Saison keinen Einfluss auf die Anzahl verletzter Spieler in der Liga. Fünf Teams haben in dieser Saison mehr Ausfälle zu beklagen, fünf weniger.

Insgesamt steigt die Ausfallrate nur minimal an. Der dichte Kalender und die kurze Winterpause sind bislang offenbar kein Treiber von Verletzungen. Umso schwerer fällt die Erklärung, warum der FCB gerade jetzt so viele Verletzte hat.

Eine Häufung von Verletzungen gab es in Basel unter Urs Fischer schon einmal. Damals fielen innert kürzester Zeit zwölf Spieler mit Muskelverletzungen aus. Die Reaktion war die Verpflichtung von Werner Leuthard als Leiter Fitness, woraufhin die Muskelverletzungen wieder schwanden. Dieses Mal aber variieren die Blessuren. Wie Sforza richtig analysier hat, gibt es kein Muster, das erkannt und behoben werden kann. Diesmal resultieren die Blessuren beispielsweise aus Schlägen in Spielen (Pululu, van Wolfswinkel, Abrashi, Xhaka), sind ohne Fremdeinwirkung zustande gekommen (Petretta, Jorge), sind fast schon chronisch (Marchand) oder sind wohl die Konsequenz vorhergehender Blessuren (Widmer).

Torreño, Unternährer, Suarez und neue Strukturen

Der schnellste Schluss, dass im medizinischen Team des FCB etwas nicht stimmt, ist daher ein falscher. Zwar wurde auf das neue Jahr hin eine personelle Veränderung vorgenommen. Aber alles an der Freistellung Nacho Torreños festzumachen, wäre zu einfach. Denn statt dem vor drei Jahren als Retter nach Basel zurückgekehrten Spanier steht jetzt ein anderer Rückkehrer wieder in Basel unter Vertrag: Nicolas Unternährer, der bereits zwischen 2009 und 2019 beim FCB war. Aber: Unternährer – der von zusammen mit Petra Platteau-Waldmeier – zum FCB zurückgekehrte ist nicht der Ersatz für Torreño.

Nacho Torreño ist vom FCB freigestellt worden.

Nacho Torreño ist vom FCB freigestellt worden.

Bild: Freshfocus

Die Strukturen sind angepasst geworden. War Torreño seit seiner Rückkehr im Januar 2019 Leiter Physio und Leiter Athletik in Personalunion, so wurden diese zwei Bereiche nun aufgeteilt. Unternährer und Platteau-Waldmeier bilden die Co-Leitung der Physioabteilung. Luis Suarez, der damals zusammen mit Torreño zum FCB gekommen war, verantwortet den Athletikbereich. Torreño seinerseits ist aktuell freigestellt. Im Hintergrund werden Lösungen gesucht, um die definitive Trennung bestmöglich vollziehen zu können. Die finanzielle Komponente ist eine der Haupt-Punkte angesichts der langen Rest-Vertragslaufdauer.

Nicolas Unternährer ist zum FCB zurückgekehrt.

Nicolas Unternährer ist zum FCB zurückgekehrt.

Bild: Freshfocus

Doch das Geschacher im Hintergrund hat definitiv keinen Einfluss auf die Verletzungen auf dem Platz. Dort muss der FCB in den kommenden Spielen trotzdem antreten und die Aufgaben sind schwer. Nach dem Auswärtsspiel in St.Gallen kommt YB ins Joggeli. Beide Teams haben aktuell nur drei Verletze zu beklagen und wären auch für den FCB in Bestbesetzung eine harte Nuss. Zum Abschluss der englischen Woche in der Super League geht es dann nach Genf. Doch Sforza will auch ohne eine ganze fehlende Mannschaft den zweiten Rang verteidigen.