Saisonvorbereitung
FCSG-Trainer Peter Zeidler nach der 0:3-Niederlage im Testspiel gegen Stuttgart: «Nun sind wir wieder auf dem Boden der Realität»

Im dritten Testspiel der Saisonvorbereitung kassieren die Ostschweizer die erste Niederlage. Die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler verschläft beim Bundesligateam des VfB Stuttgart den Start in die zweite Halbzeit und muss innert vier Minuten durch den gleichen Spieler drei Gegentore hinnehmen.

Patricia Loher
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St.Gallens Euclides Cabral (Mitte) wehrt sich gegen einen Angriff der Stuttgarter. Rechts: Captain Lukas Görtler.

St.Gallens Euclides Cabral (Mitte) wehrt sich gegen einen Angriff der Stuttgarter. Rechts: Captain Lukas Görtler.

Bild: Manuel Nagel

Während der ersten 45 Minuten hielt sich St.Gallen beachtlich gegen den Bundesliga-Neunten der Vorsaison. Natürlich waren die Ostschweizer deutlich mehr gefordert als noch eine Woche davor beim 3:1-Erfolg gegen Altach.

Allerdings liess die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler im eigenen Strafraum lange nur sehr wenig zu und verteidigte gegen dominante Stuttgarter gut. Im dritten Testspiel bildeten Leonidas Stergiou und Basil Stillhart zum dritten Mal die Innenverteidigung.

Serie-A-Klub will offenbar Stergiou

Ob das schliesslich auch in der Meisterschaft so sein wird, ist ungewiss. Anscheinend bekundet Genua aus der Serie A Interesse am 19-jährigen Stergiou, wie verschiedene Medien berichten. St.Gallen soll für den Schweizer Nachwuchs-Internationalen, der noch über einen Vertrag bis 2024 verfügt, fünf Millionen Euro verlangen. Die Italiener scheinen derzeit jedoch nicht bereit, diese Summe in die Ostschweiz zu überweisen.

St.Gallens beste Phase vor der Pause

Stuttgart wurde erst in der 23. und 30. Minute richtig gefährlich, aber die Abschlussversuche des Niederländers Mohamed Sankoh verfehlten das Tor. Danach folgte St.Gallens beste Phase der ersten Halbzeit: Die Gäste wurden aufsässiger, zweikampfstärker und setzten Stuttgart, das sich erst seit eineinhalb Wochen wieder im Training befindet, vermehrt unter Druck.

Thody Élie Youan (links) gewinnt gegen einen Stuttgarter Verteidiger ein Kopfballduell.

Thody Élie Youan (links) gewinnt gegen einen Stuttgarter Verteidiger ein Kopfballduell.

Bild: Manuel Nagel

In der 36. Minute ging ein Abschluss von Thody Élie Youan aus 18 Metern an den Pfosten. Es war die beste Möglichkeit der ersten 45 Minuten. Bis zur Pause bestimmte St.Gallen die Partie, tat sich jedoch schwer, sich im Strafraum mehr Präsenz zu erarbeiten.

Hattrick für Al Ghaddioui

Nach der Pause riss der Faden und St.Gallen liess sich von einer neu zusammengesetzten Stuttgarter Mannschaft innert vier Minuten auseinanderdividieren. Die Ostschweizer waren auf einmal derart unsortiert, dass der eingewechselte Hamadi Al Ghaddioui zwischen der 47. und 51. Minute mit einem Hattrick auf 3:0 stellte. St.Gallen machte es dem Gegner in jener Phase viel zu einfach. «Wir wurden richtig ausgespielt», sagte Trainer Zeidler hinterher.

Beim VfB war Zeidler von 1984 bis 1992 Nachwuchstrainer. Später arbeitete er als Co-Trainer der Amateure

St.Gallens Basil Stillhart (vorne) gegen Stuttgarts dreifachen Torschützen Hamadi Al Ghaddioui.

St.Gallens Basil Stillhart (vorne) gegen Stuttgarts dreifachen Torschützen Hamadi Al Ghaddioui.

Hansjürgen Britsch/Freshfocus

St.Gallen fing sich in der Folge wieder, Zeidler wechselte im Verlauf der zweiten Halbzeit komplett durch. Auffällig war bei seinem ersten Einsatz für St.Gallen Salzburg-Leihgabe Ousmane Diakité: Der 20-Jährige aus Mali, der zuletzt wegen einer schweren Knieverletzung 20 Monate ausgefallen war, überzeugte mit Ballsicherheit, Dynamik und physischer Präsenz.

Drei gute Chancen für Besio

Das Spiel wurde wieder ausgeglichener. St.Gallen kam dank Boris Babic und vor allem Alessio Besio einem Tor immer näher. Nachdem der 17-jährige Besio in der 63. Minute eine gute Chance vergeben hatte, lenkte Stuttgarts Torhüter den Abschluss des jungen St.Gallers kurz vor Spielende über die Latte, ehe Besio mit der letzten Aktion des Spiels noch die Latte traf.

Zeidler sagte, in Bezug auf die Spielanlage habe er einen Klassenunterschied ausgemacht. «Wir waren nicht gnadenlos unterlegen, aber fussballerisch, taktisch und technisch müssen wir in den nächsten Wochen noch besser werden.» Ihr Ziel sei es gewesen, mehr Kontrolle zu haben, selbst gegen ein Bundesligateam. «Nun sind wir wieder auf dem Boden der Realität», so der Trainer, der noch anfügte: «Dieses Spiel gibt uns Motivation für die nächsten Wochen.»

In den kommenden Tagen soll sich entscheiden, wie es mit Testspieler Michael Kempter weitergeht. Der 26-jährige Linksverteidiger kam in Stuttgart nach der Pause zum Einsatz und war offensiv auffälliger als noch zuletzt gegen Altach.

Das letzte Testspiel vor dem Saisonstart bestreitet St.Gallen in einer Woche im Kybunpark gegen Athletic Bilbao. Sieben Tage später beginnt mit der Partie in Lausanne die Meisterschaft.

VfB Stuttgart – St.Gallen 3:0 (0:0)
Robert-Schlienz-Arena, Stuttgart – 1300 Zuschauer.
Tore: 47. Al Ghaddioui 1:0. 50. Al Ghaddioui 2:0. 51. Al Ghaddioui 3:0.
Stuttgart: Müller; Mavropanos (46. Meyer), Anton (46. P. Stenzel), Ito (46. Kempf); Massimo (46. Mack), Karazor (46. Cissé), Ahamada (46. Nartey), Mola (46. Coulibaly); Förster (46. Klement), Beyaz (46. Didavi); Sankoh (46. Al Ghaddioui).
St.Gallen: Zigi (46. Watkowiak); Cabral (59. Lüchinger), Stergiou (59. Nuhu), Stillhart (80. Sutter), Traorè (46. Kempter); Fazliji (46. Diakité); Görtler (59. Staubli), Ruiz (72. Jacovic), Youan (59. Schmidt); Duah (59. Babic), Schubert (46. Besio).
Bemerkungen: St.Gallen ohne Guillemenot, Kräuchi, Witzig (verletzt/krank), Abaz, Gonzalez, Kamberi, Campos (nicht im Aufgebot), dafür mit Testspieler Kempter.

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