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Stürmische Zeiten bei den Mailändern

Bei der AC Milan diskutiert die neu formierte Clubführung die Absetzung von Trainer Gennaro Gattuso. Nebenbei fädelt sie den Transfer von Juves Topskorer Gonzalo Higuain ein.
Gennaro Gattus (rechts), Trainer des AC Milan. (Bild: Keystone/Mike Nelson)

Gennaro Gattus (rechts), Trainer des AC Milan. (Bild: Keystone/Mike Nelson)

Milans Fussballer sind in diesen Tagen wahrlich nicht zu beneiden. Auf einem Road-Trip in den USA anlässlich des International Champions Cup müssen sich Trainer Gennaro Gattuso und seine Elf fast täglich mit Neuigkeiten rund um ihren Arbeitgeber auseinandersetzen. Zuerst der abrupte Abschied der Chinesen, dann die Ungewissheit um deren Nachfolger und schliesslich ein neu formierter Verwaltungsrat mit dem Brasilianer Leonardo als technischen Direktor. Dieser möchte den 40-jährigen Gattuso trotz Vertrag bis 2021 am liebsten gleich sofort durch Antonio Conte ersetzen.

«Ich habe gehört, dass mein Trainerposten in Gefahr sei. Das hält mich jedoch nicht davon ab, weiterhin seriös und entschlossen zu arbeiten», schnaubte der gebürtige Kalabrese gestern Mittwoch aus Minneapolis. Gattuso hatte letzte Saison in 24 Serie-A-Spielen als Nachfolger des im November entlassenen Vincenzo Montella 44 Punkte geholt und die Mannschaft um den Schweizer Internationalen Ricardo Rodriguez in den italienischen Cupfinal geführt. Die über 200 Millionen Euro schienen sich also doch bezahlt zu machen, welche der chinesische Besitzer Yonghong Li im Sommer 2017 ins Kader investiert hatte.

Chinesischer Gambler

Doch der 48-jährige chinesische Investor, welcher den Club im April 2017 für 740 Millionen Euro von Silvio Berlusconi übernommen hatte, blieb ein Mysterium. Selbst renommierte Wirtschaftsjournalisten aus China konnten über ihn wenig in Erfahrung bringen. Nun stellte sich heraus, dass der Geschäftsmann nicht nur ein Gambler, sondern auch ein Bluffer war. Um die Kontrolle über den 1899 gegründeten Mailänder Traditionsverein zu erhalten, hatte Li beim amerikanischen Hedgefonds Elliott ein Darlehen über zirka 300 Millionen Euro aufgenommen. Als Li aber Mitte Juli eine Ratenzahlung von 32 Millionen Euro als Garantie für eine erneute Kapitalerhöhung nicht begleichen konnte, verlor er wegen Zahlungsverzug die Kontrolle über den Verein. Nun hält der US-Fonds unter seinem Vorsitzenden Paul Elliott Singer mit 99,7 Prozent die Aktienmehrheit bei Milan, während die italienische Finanzpolizei gegen Li wegen Bilanzfälschung ermittelt.

Die Amerikaner krempelten die operative Leitung der Dom­städter vollständig um. Zum Präsidenten des Verwaltungsrats wurde Paolo Scaroni gewählt, ein 71-jähriger Manager mit Vergangenheit beim italienischen Energiekonzern ENI. Sportdirektor Marco Fassone wurde durch den ehemaligen Spieler Leonardo ersetzt. Ohne Elliotts Hilfe könnte Milan ab dem 20. September auch nicht an der Europa League teilnehmen. Die Uefa hatte die Italiener im Juni wegen Verstosses gegen das Financial-Fair-Play nämlich für eine Saison vom europäischen Wettbewerb ausgeschlossen. Mit dem Hedgefonds als Garantie annullierte das Internationale Sportgericht (TAS) in Lausanne jedoch den Entscheid der Uefa-Finanzkontrollaufsichtsbehörde. Um eine (mildere) Strafe, etwa in Form einer Geldbusse oder einer Beschränkung des Kaders im Europacup, werden die Mailänder aber trotzdem nicht herumkommen.

Kein Platz wegen Ronaldo

Dies hinderte das neue Management nicht daran, auf dem Transfermarkt einen der kontroversesten Wechsel dieses Sommers einzufädeln. Captain Leonardo Bonucci, vor einem Jahr für knapp 40 Millionen Euro mit viel Getöse von Juventus Turin in die Domstadt geholt, will wieder zum Rekordmeister zurückkehren. Im Tausch fordert Milan den 24-jährigen Stopper Mattia Caldara, der in den letzten beiden Saisons bei seinem Stammverein Atalanta Bergamo gespielt hat und dem auch in der italienischen Nationalmannschaft eine grosse Zukunft vorausgesagt wird. Der interessanteste Teil des Pakets beinhaltet allerdings die Rechte an Juves Mittelstürmer Gonzalo Higuain. Nach dem «Jahrhunderttransfer» von Cristiano Ronaldo hat es für den 30-jährigen Argentinier (111 Tore in fünf Serie-A-Saisons) in Juves Sturmzentrum keinen Platz mehr. Auch der Krösus der Serie A kann sich den Luxus nicht leisten, einen Spieler mit einem Jahressalär von 7,5 Millionen Euro auf der Ersatzbank vergammeln zu lassen.

Der Deal auf der Achse Turin–Mailand sieht vor, dass Gonzalo Higuain vorerst für eine Saison für 18 Millionen Euro an die Rossoneri ausgeliehen wird, um die Parameter der Uefa nicht zu verletzen. Danach soll Milan eine Kaufoption über 36 Millionen Euro wahrnehmen. Dieses Prozedere würde es den Turinern ermöglichen, die 90 Millionen Euro, welche man 2016 an Napoli für den Angreifer überwiesen hatte, zu amortisieren.

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