Stürze verhindern Spitzenplatz

Der St. Galler Pablo Brägger und die Tessinerin Ilaria Käslin belegen am Swiss Cup Zürich den vierten Rang. Das Podest verpassen die beiden wegen Stürzen im Final. Den Sieg im Hallenstadion holen sich die Ukrainer.

Raya Badraun/Zürich
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TURNEN. Ein Raunen geht durch die Zuschauerreihen. Die Ehrendame mit dem roten Schleifchen um den Hals schlägt die Hände vors Gesicht. Vor ihr auf der Matte liegt Pablo Brägger. Nach einem Flugelement hat er sich am Reck nicht mehr festhalten können und ist gestürzt. Langsam steht der St. Galler auf und aus dem Raunen wird tosender Applaus. «Ich turnte am Limit», sagt Brägger. «Doch nach dem Sturz von Ilaria wollte ich alles geben.» Schliesslich ging es im Final der besten vier um einen Podestplatz. Dass Brägger und Ilaria Käslin den letzten Durchgang überhaupt erreichten, hatten sie vor allem dem Oberbürer zu verdanken. «Ich fühlte mich im Vorfeld sehr gut», sagt der 22-Jährige. Deshalb turnte er am Swiss Cup Zürich die gleichen Übungen wie an der WM in Glasgow. Vor allem seine Leistung in der Qualifikation am Reck stach heraus. Mit 15,650 Punkten holte er an seinem Lieblingsgerät seine bisher beste Note. Bei der Barrenübung erreichte er mit einer starken Leistung 15,100 Punkte. Nur am Boden vergab er bei einem Übertritt und einer unsauberen Landung Punkte.

Käslin mit mentalen Problemen

Die Tessinerin Käslin hingegen hatte einen schwierigen Tag. In der Qualifikation stürzte sie am Schwebebalken, im Halbfinal am Stufenbarren. Am Boden zeigte die 17-Jährige hingegen eine elegante Übung und holte 14,600 Punkte. Sie sei nach den vielen Wettkämpfen zwar etwas müde gewesen, dennoch habe sie sich fit gefühlt, sagt Käslin. Mental sei es jedoch schwierig gewesen. Auch anderen Athleten ging es nach dem Saisonhöhepunkt, der WM in Glasgow, ähnlich. So schied Deutschland I mit Elisabeth Seitz und Sebastian Krimmer, der für den kranken Fabian Hambüchen eingesprungen war, bereits nach der ersten Runde aus. Auch Mexiko, Frankreich und Japan verzeichneten Stürze. Schweiz I mit Claudio Capelli und Laura Schulte, die Giulia Steingruber ersetzte, turnte zwar sauber. Schulte zeigte im Gegensatz zur Konkurrenz jedoch zu einfache Übungen. Damit belegte das Duo Rang sechs.

So qualifizierten sich Käslin und Brägger als viertes Team für den Final. Dort musste die Tessinerin erneut am Schwebebalken antreten. Eigentlich ist es ihr bestes Gerät. Doch nach dem Sturz in der Qualifikation musste sie auch im Final das Gerät verlassen. «Pablo gegenüber habe ich ein schlechtes Gewissen», sagt Käslin. Brägger beruhigt sie mit seiner positiven Art jedoch rasch: «Du musst sicher kein schlechtes Gewissen haben. Ich bin schliesslich auch heruntergefallen.» Obwohl auch der Deutsche Andreas Bretschneider am Reck stürzte, hatte das Schweizer Duo keine Chance mehr auf einen Podestplatz.

Verniaiev holt 16,050 Punkte

Deutschland II mit Bretschneider und der WM-Dritten am Balken, Pauline Schäfer, belegte schliesslich den dritten Rang. Zweite wurden Larisa Iordache und Marius Berbecar aus Rumänien. Den ersten Rang holten sich die Ukraine mit Angelina Kysla und Oleg Verniaiev. Der Weltmeister am Stufenbarren von 2014 sicherte sich im Final mit 16,050 die beste Punktzahl des Tages. Über den verpassten Podestplatz ärgerte sich Brägger nicht. «Dafür, dass ich zum ersten Mal dabei bin, ist die Finalteilnahme sehr gut», sagt der St. Galler. «Zudem ist beim Sturz zum Glück nichts passiert.»