STRICHKAMPF: Zwei angeschossene Löwen

In der Eishockey-NLB peilen Thurgau und Winterthur erbittert den letzten Playoff-Platz an. Er würde für beide die Saison retten. Heute um 20 Uhr kommt es in Weinfelden zur Direktbegegnung.

Matthias Hafen
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Matthias Hafen

Schon lange hat die Symbolik der Wappentiere nicht mehr so gepasst wie in diesem Fall. Wenn heute Abend in der Eishalle Güttingersreuti Hockey Thurgau und der EHC Winterthur aufeinandertreffen, dann ist es tatsächlich so, als würde man zwei angeschossene, wild gewordene Löwen in die Arena lassen.

Winterthur, zu Beginn der Saison überraschender Leader der NLB, ist längst vom Thron gestürzt und praktisch durch die ganze Tabelle gereicht worden. Als Neunte liegen die Zürcher mittlerweile fünf Punkte hinter Thurgau und Platz acht zurück. Wobei sie ein Spiel weniger ausgetragen haben als die Ostschweizer. Dennoch: Die Mannschaft von Trainer Michel Zeiter befindet sich in einem monumentalen Tief. Aus den vergangenen 30 Begegnungen resultierten für Winterthur lediglich fünf Siege.

Just im letzten Moment scheinen die Zürcher nun aber den freien Fall stoppen zu können. In den vergangenen vier Runden gewann das Partnerteam des NLA-Clubs Kloten wieder zwei Heimspiele, und zwar 5:2 gegen Visp sowie 6:1 gegen Martigny. Es sind Resultate, die Hockey Thurgau aufhorchen lassen sollten. Denn zuletzt hatte man von den Winterthurern vor allem das Bild einer Mannschaft, die auswärts seit dem 27. November und dem 3:0 gegen die GCK Lions nicht mehr gewinnen konnte.

Winterthur kommt praktisch ohne Fouls aus

Auch wird Winterthur heute nur schwerlich über die sogenannten Special Teams, also Überzahl und Unterzahl, zu bezwingen sein. Die Löwen aus dem Züribiet sind auf dem Eis normalerweise viel zahmer als ihre Antipoden aus dem Thurgau. Lediglich 374 Strafminuten sammelte Winterthur bislang. Das ist hinter Martigny Platz zwei in der NLB. Die Ostschweizer stehen derweil mit 542 Strafminuten zu Buche, was ihnen den zweitletzten Platz im «Fairness-Ranking» einbringt.

Hockey Thurgau tut gut daran, im heutigen Sechs-Punkte-Spiel vor eigenem Publikum auf seine eigenen Stärken zu vertrauen. Diese haben sich in den vergangenen Runden akzentuiert. Die Mannschaft von Trainer Stephan Mair steht bei drei Siegen de suite – eine Erfolgsserie, wie es sie in dieser Saison von dieser Mannschaft noch nicht gegeben hat. Aus den vergangenen zehn Begegnungen gingen die Thurgauer sechsmal als Sieger hervor. Und zwar meist dann, wenn sie das Spiel selber in die Hand genommen hatten und über den Kampf den Erfolg suchten. Genau das verlangt Mair auch heute von seinen Spielern. «Ich glaube, die Mannschaft hat den Ernst der Stunde erkannt», sagt Mair.

Schwendener verleiht der Mannschaft Ruhe

Entscheidend zu Thurgaus Aufstieg auf Platz acht hat auch Janick Schwendener beigetragen. Der von Rapperswil-Jona bis Ende Saison übernommene Goalie strahlt mit seinem Stellungsspiel die Ruhe aus, die Kevin Huber und Sascha Rochow zuvor nicht auf die Vordermannschaft übertragen konnten. Es würde deshalb überraschen, stünde heute nicht wieder Schwendener zwischen den Pfosten.