Streitpunkte bei der Sicherheit

Die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga stimmen heute in Frankfurt an der Versammlung der Deutschen Fussball Liga über das Konzept «Sicheres Stadionerlebnis» ab. Einige der 16 Anträge sind allerdings weiter sehr umstritten.

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Fanprotest in Dresden gegen das Sicherheitskonzept der Liga. (Bild: epa/Thomas Eisenheut)

Fanprotest in Dresden gegen das Sicherheitskonzept der Liga. (Bild: epa/Thomas Eisenheut)

FUSSBALL. Wenn die Bundesliga der Premier League nacheifere, sterbe die deutsche Fankultur, sagt Andrew Walsh, der General Manager des FC United of Manchester. Der Club der siebthöchsten englischen Liga ist der Zufluchtsort für alle, die sich vom modernen Fussball verraten fühlen. Nachdem 1989 bei der Hillsborough-Katastrophe 96 Besucher ums Leben gekommen waren, mussten auf Anweisung der britischen Regierung die Stehplätze in den Stadien abgeschafft werden. Die teuren, personalisierten Sitzplätze konnten und wollten sich Walsh und Seinesgleichen nicht mehr leisten. «Die Clubs der Premier League nahmen uns nicht mehr wahr, keiner sprach mit uns», sagte Walsh gegenüber dem deutschen Nachrichtenmagazin «Spiegel».

Ähnliches befürchten nun Anhänger in Deutschland. An drei Spieltagen protestierten sie deshalb mit ihrer Aktion «12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung». Während den ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden blieben sie im Stadion jeweils still. Bei der Deutschen Fussball Liga (DFL) und den Vereinen ist man sich aber einig, dass in Sachen Sicherheit etwas geschehen muss. Sollten heute die 16 Anträge des Konzepts «Sicheres Stadionerlebnis» an der Ligaversammlung durchfallen, läge das an Detailfragen oder am Termindruck. So klagte etwa Hamburgs Präsident Carl-Edgar Jarchow, dass sie zu wenig Zeit gehabt hätten, um das Konzept mit den Fan-Vertretern zu besprechen.

Angst vor Totalüberwachung

Die Innenminister von Bund und Ländern hatten die Vereine allerdings aufgefordert, das Konzept zu verabschieden und umgehend umzusetzen. Streitpunkte unter den 16 Anträgen sind etwa die Verschärfungen der Überwachung und der Eintrittskontrollen. So soll die Polizei mehr Kompetenzen bei der Videoüberwachung bekommen. Die Anhänger wehren sich gegen eine «Totalüberwachung», und einige Vereine sehen Mehrkosten auf sie zukommen. Auch bei der Durchführung der Körperkontrollen ist man sich nicht einig. Die Anhänger befürchten Ganzkörperkontrollen in speziell dafür errichteten Zelten, wie sie kürzlich vor dem Spiel Bayern München gegen Eintracht Frankfurt durchgeführt wurden. Die DFL, deren Vorstand und Clubs sind uneins darin, ob diese strengen Kontrollen vorgeschrieben oder jeweils lageabhängig angeordnet werden sollen.

Nach eigenen Regeln

Finanzschwache Clubs wehren sich auch gegen den Antrag, dass Fernsehgelder zweckgebunden für Fanarbeit und Sicherheitsmassnahmen an die Vereine ausbezahlt werden, wenn diese wiederholt die Massnahmen des Konzepts nicht erfüllten.

Die Anhänger der Bundesliga-Clubs wollen die Proteste fortsetzen und gar verschärfen, falls das Sicherheitskonzept von der DFL heute beschlossen wird. Offen bleibt ihnen, es Walsh und den 2800 Mitgliedern des FC United of Manchester gleich zu tun und einen Verein zu gründen, in welchem für sie keine Regeln gelten ausser die eigenen. (tw)

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