Streit um Karanovic spitzt sich zu

Stürmer Goran Karanovic fehlt weiterhin beim Training des FC St. Gallen. Er sagt, sein Vertrag sei bereits Mitte Juni ausgelaufen, und er habe nichts mehr vom Super-League-Club gehört. Der Verein seinerseits spricht von einer fehlenden Verhandlungsbasis.

Daniel Walt
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Goran Karanovic Zehnfacher Saisontorschütze (Bild: pd)

Goran Karanovic Zehnfacher Saisontorschütze (Bild: pd)

FUSSBALL. Es ist wohl die Personalie, welche die Anhänger des FC St. Gallen am meisten interessiert: Kann der Club in der neuen Saison noch auf die Dienste von Stürmer Goran Karanovic zählen? Zwischen dem Angreifer und dem Super-League-Vertreter ist ein juristisches Tauziehen zur Frage im Gang, ob Karanovic noch einen gültigen Vertrag hat. Nun hat Karanovic erstmals ausführlich seine Sicht erläutert.

«Immer alles gegeben»

Er habe zahlreiche Mitteilungen erhalten, wie es mit dem FC St. Gallen stehe und weshalb er das Training nicht aufgenommen habe, schrieb Karanovic in einer Stellungnahme auf seiner Website. Er erläutert, dass sein Vertrag beim FC St. Gallen «leider schon am 14. Juni 2015» ausgelaufen sei. «Wie ihr wisst, habe ich immer alles für den FCSG gegeben und mich auch immer professionell und fair verhalten», schreibt er. Was die Zukunft angehe, gebe es vorderhand nichts Neues zu berichten. Die Stellungnahme schliesst mit einem Dank an die Fans.

Unterschiedliche Ansichten

Daniel Last, Medienchef des FC St. Gallen, bestätigt, dass als Enddatum der 14. Juni 2015 in Karanovics Vertrag steht – wobei der Verein nach wie vor der Überzeugung ist, dass sich der Kontrakt des Angreifers aufgrund einer Klausel automatisch verlängert hat. «Wir haben Karanovic und seinen Berater informiert, dass der Spieler gemäss dem Vertrag zum Training zu erscheinen hat», so Last. Daraufhin sei die Antwort gekommen, dass man die vertragliche Situation anders interpretiere.

«Ehrliche Rückmeldung»

Last erklärt weiter, dass Karanovic dem Club vor einiger Zeit sein Interesse signalisiert habe, zu bleiben. «Dies, nachdem wir ihm angeboten hatten, den Kontrakt über die bestehende Vertragsdauer hinaus vorzeitig zu verlängern.» In den vergangenen Wochen sei die Gesprächsbereitschaft auf der Gegenseite aber nicht so gewesen, dass man das Gefühl habe, Karanovic wolle unbedingt bleiben.

Derweil erklärte Karanovic gestern auf Anfrage, der Verein habe ihm in einem Gespräch vor der Sommerpause angekündigt, ihm ein Angebot über mehrere Jahre zu machen. «Seit damals habe ich nichts mehr gehört und auch kein Angebot erhalten.» Last widerspricht dieser Darstellung: «Goran Karanovic und sein Berater haben von uns zu jenem Treffen eine klare, ehrliche Rückmeldung erhalten. Ihre und unsere Vorstellungen lagen derart weit auseinander, dass es schlicht keine Verhandlungsbasis gab. Nichtsdestotrotz haben wir für nächste Woche einen Termin für Vertragsverhandlungen eingeplant. Das sollte aussagekräftig genug sein für unsere Einstellung», sagt Last.

Fall dürfte vor Gericht landen

Persönlich geht Last tendenziell davon aus, dass die Frage, ob sich Karanovics Vertrag automatisch verlängert hat oder nicht, vor Gericht landen wird. «Wir wollen die Situation so rasch als möglich klären, um unnötige Unruhe zu vermeiden.» Auf die Frage, inwieweit der Rechtsstreit die Planungen erschwere, weil der Club nicht weiss, ob er mit dem Stürmer rechnen kann, erklärt er: «Heutzutage muss man immer mehrgleisig fahren. Es kann immer passieren, dass ein Spieler kurzfristig abgeworben wird.»

Greift die Klausel oder nicht?

Der Streit um Goran Karanovic schwelt seit Mai. Der bis Juni datierte Vertrag enthielt eine Option auf automatische Verlängerung, die greifen sollte, wenn Karanovic auf 50 Prozent der möglichen Einsatzzeit kam. St. Gallen bestand beim Verhandeln auf einer Klausel, die Verletzungspausen nicht in die Berechnung einschliesst. Der abgeschlossene Vertrag soll diese Klausel dann aber nicht enthalten haben – allerdings auch keine mit gegenteiligem Inhalt. Deshalb sind Karanovic und sein Berater überzeugt, dass der Vertrag ausgelaufen ist und die Verlängerungsoption nicht greift. Der Club sagt das Gegenteil.