Strahlefrau und Sorgenkind

Für die Schweizer Langläuferinnen und Langläufer sind die Weltcuprennen in Lenzerheide vor begeistertem Publikum eine Motivationsspritze. Nur Curdin Perl gibt Rätsel auf.

Jörg Greb/Lenzerheide
Merken
Drucken
Teilen

SKI NORDISCH. Welch ein Kontrast: Wind, Schnee und eine tiefe Loipe in Oberhof, Sonnenschein und eine zauberhafte Winterlandschaft in Lenzerheide. Und Schweizer Resultate, welche die Absenz des rekonvaleszenten Dario Cologna zwar nicht vergessen, aber immerhin verschmerzen liessen. Denn: Der vierte Rang von Laurien van der Graaff im Sprint gehört zum Besten, was die Schweizer Langläuferinnen in der Geschichte dieser Sportart erreichten. Zu diesem Exploit gesellten sich in den beiden Schweizer Rennen zwei weitere beachtliche Ergebnisse bei den Männern: Rang zwölf von Eligius Tambornino im Sprint sowie Rang 16 von Jonas Baumann im Distanzrennen.

Ein begeistertes Publikum – 8000 an Silvester beim Sprint, gar 12 000 bei den Massenstartrennen am Neujahrstag – war für einen Sonderschub verantwortlich. «Wir wurden euphorisch empfangen und über die Strecke getragen», sagte nicht nur Van der Graaff, die mit ihrem vierten Schlussrang für das Glanzresultat des Wochenendes aus Schweizer Sicht verantwortlich war. Darauf will die 26jährige Davoserin aufbauen – nicht in der Tour de Ski, sondern im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Sotschi. Mit dem Selbstvertrauen dieses Resultats wird sie sich an die Feinjustierung für den Saisonhöhepunkt machen. Ihr hoch angesetztes persönliches Ziel – Olympiafinal der besten sechs – ist realistisch.

Baumann direkt hinter Northug

Der Olympiaqualifikation einen weiteren Schritt näher gekommen ist auch Tambornino mit seinem zwölften Rang. Erst einmal, vor zwei Jahren mit einem elften Platz, war er besser klassiert gewesen. Und im Vergleich zu Teamkollegin Van der Graaff – auch Tambornino trainiert in der privaten Sprintgruppe des einstigen Leichtathletik-Nationalcoachs Christoph Schmid – zeigte sich deutlich, wo seine Defizite gegenüber den Weltbesten liegen: «Im Halbfinal verfügte ich nicht mehr über genügend Energie.»

Das erstaunlichste Ergebnis bei den Schweizer Männern gelang aber am zweiten Tag Baumann. Dem erst 23-Jährigen glückte mit Rang 16 sein bestes Ergebnis auf höchster Stufe. Wie stark dieses ist, zeigt ein Blick auf das Klassement: Unmittelbar vor ihm ist der Norweger Petter Northug klassiert und nur einen weiteren Rang besser der aktuelle Tourleader Martin Johnsrud Sundby aus Norwegen. «Ich wusste zwar, dass meine Form stimmt, aber damit, dass ich derart gut würde mithalten können, rechnete ich nicht.» Lediglich elf Sekunden büsste er auf den kasachischen Sieger Alexej Poltoranin ein. Auf den Zehnten Ilja Tschernoussow waren es gar nur 2,1 Sekunden. «Heute ging es von A bis Z auf», so Baumann, der sein Flair für die Klassisch-Technik bewies. Und im Gegensatz zu Van der Graaff sieht Baumann nun die Perspektive auf eine Top-30-Klassierung im Schlussklassement. Derzeit belegt er Zwischenrang 20.

Perls Forfait

Im Hinblick auf das Gesamtklassement dürfte das heutige Langdistanzrennen von Toblach nach Cortina d'Ampezzo mit Jagdstart vorentscheidend werden. Die Vorgabe scheint günstig. Unmittelbar hinter Baumann starten die exzellenten Skater Matti Heikkinen, Devon Kershaw und Sjur Røthe.

Aber es gab auch ein Rätsel: Curdin Perl. Statt des erhofften Aufwärtstrends brach der einstige Tour-de-Ski-Gesamtvierte ein. Als 66. war er nach dem Massenstartrennen ratlos und gab auf. «Ich werde die Langlaufski einige Tage in den Keller stellen, um abzuschalten», sagte er, ohne einen Grund nennen zu können, wieso er überhaupt nicht auf Touren kommt.