Strafaktion als Retourkutsche?

Die Sperre von Lara Gut für die Weltcuprennen Ende Dezember in Semmering löst Diskussionen im Umfeld des Schweizer Frauenteams aus. Welche Rolle spielt Cheftrainer Mauro Pini, der frühere Privatcoach der 19jährigen Tessinerin?

Urs Huwyler
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Lara Gut (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Lara Gut (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Ski alpin. Dierk Beisel, der Chef Spitzensport von Swiss Ski, kommunizierte, aus drei Gründen sei Lara Gut für den Riesenslalom und Slalom in Semmering gesperrt worden: Wegen der öffentlichen Kritik an ihrem ehemaligen Privattrainer und jetzigen Chef Mauro Pini, dem respektlosen Umgang mit Beisel bei der Anhörung und wegen des wiederholten Verstosses gegen die Kleidervorschriften. Die Strafaktion erinnert an eine Retourkutsche der beleidigten Chefetage gegen eine aufmüpfige 19-Jährige. «Der Eindruck täuscht. Wir wissen mit Kritik umzugehen. Aber sie darf nicht unter die Gürtellinie gehen», sagt Beisel. So deftig schienen die Vorwürfe von Gut allerdings nicht. «In den internationalen Medien war das anders. Wir konnten das nicht einfach hinnehmen und mussten reagieren. Bei jeder anderen Läuferin hätten wir gleich reagiert», so Beisel.

Sponsoren ohne TV-Präsenz

Für Swiss Ski spielte anscheinend auch die Missachtung der Kleidervorschriften eine wichtige Rolle. «Wir haben Lara mehrmals auf die Verfehlungen hingewiesen. Ohne Erfolg. Doch wir sind den Sponsoren gegenüber zu korrekten Auftritten verpflichtet», so Beisel. Die Sponsoren werden sich am 28. und 29. Dezember aber möglicherweise in die Fernbedienung beissen. Wegen des Einschreitens zu ihrem Wohl werden sie zur besten Fernsehzeit nun gar nicht vertreten sein. Ob das in ihrem Sinne ist? «Der Einwand ist richtig. Wir haben lange über alle Varianten diskutiert», so Beisel. Präsident Urs Lehmann sagt, es habe nicht nur den Vorfall mit den Interviews gegeben. «Bisher haben wir erfolglos versucht, die Vorfälle auf gütliche Art zu regeln. Nun mussten wir einen Schritt weiter gehen.» Dass die Tessinerin nicht bereits in Val d'Isère zurückgezogen wurde, hat rechtliche Gründe: Gut kann innerhalb von zehn Tagen eine zweite Anhörung verlangen.

Öffentlich angeprangert

Durch Mails bestätigte Verfahren lassen vermuten, dass Guts früherer Privatcoach Pini Probleme mit Fahrerinnen hat, die in einem Privatteam trainieren. Rabea Grand, die sich mit dem Toggenburger Hans-Ueli Bösch vorbereitet hatte, wurde vom Chef vor dem ersten Weltcup-Slalom öffentlich wegen ihrer veralteten Technik angeprangert. Ihr wurde nahegelegt, ins Team zurückzukehren. Dass Grand in jenen Läufen, die sie beendete, die Kaderathletinnen dominierte, wurde nicht erwähnt. Grand aber erhielt für Levi kein Aufgebot. Jessica Pünchera, auch sie privat unterwegs, darf morgen immerhin die Ausscheidung für den nächsten Slalom bestreiten. Die Ende Saison aus dem Kader gestrichene Aita Camastral – sie fährt nach Aussagen von nicht involvierten Regionaltrainern nach ihrer Rückenoperation vor sechs Monaten auf hohem Niveau – zog die Konsequenzen und trat zurück. Am Ende einer Fülle von Selektionsvorgaben lockte ein Weltcup-Start. Vorgabe: Top 20. Hätte sie das Ziel erreicht, wäre sie für den nächsten Weltcup «in Frage gekommen». Wenn nicht: Fertig Weltcup und Europacup.

Kolleginnen tingeln dagegen seit Jahren mit Plazierungen jenseits der Top 30 durch die Welt. Ob Gut im Interview mit dem Hinweis, Pini habe als Chef Fehler begangen, den Umgang mit den Fahrerinnen aus den Privatteams gemeint hat?

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