Stöckli hofft auf Mancuso

Tina Maze wird nächsten Winter keine Rennen bestreiten. Ihr Schweizer Skihersteller Stöckli will nun Julia Mancuso verpflichten. Die US-Amerikanerin war zuletzt im Weltcup nicht mehr ganz vorne mit dabei – wäre aber trotzdem Gold wert.

Stefan Klinger
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Tina Maze (hinten) legt eine Pause ein, Julia Mancuso soll sie als Stöckli-Botschafterin ersetzen. (Bild: ap/Marco Trovati)

Tina Maze (hinten) legt eine Pause ein, Julia Mancuso soll sie als Stöckli-Botschafterin ersetzen. (Bild: ap/Marco Trovati)

SKI ALPIN. Wer sich die jüngsten Eintragungen von Tina Maze bei Facebook und Twitter anschaut, der erkennt, dass der Skirennsport für die 32jährige Slowenin im Moment weit weg ist. Zu lesen ist vom Besuch eines Fussballmatches bei NK Maribor, einem Ausflug ins Grüne, ihrem Gastauftritt beim Konzert der slowenischen Rockgruppe Sank Rock und ihrem Lehramtsstudium. Es gibt eben auch andere wichtige und schöne Dinge im Leben als der Skisport. Erst recht, wenn man 32 Jahre alt ist und alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt. Maze ist Gesamtweltcup-Siegerin, vierfache Weltmeisterin, zudem holte sie zweimal Olympiagold.

So verwundert es nicht, dass Maze gestern ganz offiziell verkündete, eine einjährige Pause einzulegen – mindestens. Ob sie überhaupt jemals wieder in den Skirennsport zurückkehrt, lässt sie offen. «Nach 16 erfolgreichen, aber auch anstrengenden Jahren im Skiweltcup, in denen ich jeweils in allen Disziplinen im Einsatz war, merke ich, dass mein Körper und Geist nun eine längere Pause als üblich benötigen», erklärte sie, «daher werde ich mir eine einjährige Auszeit nehmen und erst danach einen weiteren Entscheid über den Verlauf meiner Karriere fällen.» Sie werde zunächst ihr Studium beenden.

Mancuso für das US-Geschäft

Die Slowenin, die 2008 zu Stöckli wechselte, wird vorerst weiter als Repräsentantin bei Anlässen für das Luzerner Unternehmen auftreten. Zu anderen finanziellen Konditionen, versteht sich. Angesichts Mazes angeblichem Fixgehalt von 200 000 Franken pro Saison und ihrer Möglichkeit, durch Erfolgsprämien jeden Winter bis zu 500 000 Franken zusätzlich zu verdienen, eröffnet das Stöckli so einige Möglichkeiten. Das Ziel: einen Topstar zu verpflichten, der Stöckli regelmässig ins Rampenlicht rückt. Die Wunschkandidatin: Julia Mancuso. Die 31-Jährige, die unter anderem 2006 Olympiagold im Riesenslalom holte und fünf Weltcuprennen gewann, fuhr zuletzt zwar nicht mehr ganz vorne mit, dennoch ist sie eines der wenig verbliebenen schillernden Gesichter des Skirennsports. Mancuso böte dem Unternehmen, das 2014 bereits den US-Amerikaner Tim Jitloff verpflichtete, eine grosse Chance für den nordamerikanischen Markt.

Stöckli sagt Tina Weirather ab

Die Einigung scheint nur noch Formsache. Eine Alternative gibt es ohnehin nicht. Mit den wechselwilligen Lara Gut und Tina Weirather kam es zu keiner Einigung. Gut sagte Stöckli von vornerein ab. Weirather absolvierte Skitests, war vom Material angetan und nahm Vertragsverhandlungen auf. Weil sie aber zwingend ihren eigenen Servicemann mitbringen wollte, kam es nicht zum Vertragsabschluss. Denn für Stöckli ist klar: Die neue Athletin muss mit dem nun beschäftigungslosen Servicemann von Maze arbeiten. Es wird sich zeigen, was Mancuso davon hält.

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