Stinkefinger als Wendepunkt

Mitte November war Kevin Fiala am Tiefpunkt angelangt. In der Partie gegen die Lake Erie Monsters zeigte der talentierte Ostschweizer aus Frust den Stinkefinger und wurde für zwei Spiele gesperrt. Dies öffnete ihm die Augen.

Sascha Fey (sda)
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Kevin Fiala während einer Trainigssession in Prag an der WM im Mai 2015. (Bild: KEYSTONE)

Kevin Fiala während einer Trainigssession in Prag an der WM im Mai 2015. (Bild: KEYSTONE)

EISHOCKEY. Kevin Fiala hat eine steile Karriere hingelegt. Im Januar 2014 debütierte er im Alter von 17 Jahren für HV71 Jönköping in der schwedischen Elitserien und überzeugte auf Anhieb. In der Folge erhielt er ein Aufgebot für die A-WM in Minsk, nachdem er zuvor schon an der U20− und U18-WM teilgenommen hatte. Ende Juni wurde er von den Nashville Predators als Nummer 11 gedraftet. Auch nach seinem Wechsel im Januar 2015 von HV71 in die American Hockey League zu den Milwaukee Admirals benötigte er kaum Anlaufzeit. Am 24. März 2015 kam er bereits zum Debüt in der NHL.

Beste Liga der Welt
Insofern war für Fiala klar, dass in dieser Spielzeit nur die beste Liga der Welt gut genug für ihn ist. Ende der vergangenen Saison fragte er im Gespräch mit Predators-Headcoach Peter Laviolette und General Manager David Poile, was er tun müsse, um in der NHL aufzulaufen. Er wolle nicht mehr nach Milwaukee zurückgehen. Er verbrachte den Sommer in Nashville, legte gut acht Kilogramm an Muskelmasse zu. Dennoch verpasste er im Trainingscamp den Sprung ins NHL-Team. «Es hat mich traurig gemacht», beschrieb Fiala seine damaligen Gefühle.

Nach dem Rückschlag fiel der begnadete Techniker in ein Loch, blieb er in den ersten elf Partien bei Milwaukee ohne Torerfolg und musste sich mit fünf Assists begnügen. Der Frust war dermassen gross, dass er sich am 11. November gegen die Lake Erie Monsters zur obszönen Geste hinreissen liess, worauf er für zwei Spiele gesperrt wurde. «Ich habe gar nicht realisiert, was ich gemacht habe. Das war dumm», erklärte Fiala. «Ich entschuldige mich dafür. Das wird nicht mehr vorkommen.» Selbst seine schwedische Freundin fragte ihn, was mit ihm los sei. «Sie hat keine Ahnung vom Eishockey, ist ansonsten immer positiv. Also muss man mir die Missstimmung wirklich angemerkt haben», so Fiala.

Aussetzer als Wendepunkt
Tatsächlich entpuppte sich der Aussetzer als Wendepunkt. Hatte er sich bis dahin zurückgezogen (Fiala: «Das war ein Fehler»), fing er nun an, mit den Trainern und Eltern zu reden. «Es haben mir alle geholfen. Du musst den Eltern vertrauen, auch wenn es schwierig ist in diesem Alter. Manchmal nerven sie, aber sie meinen es nur gut. Sie waren auch mal 19, wissen wie mit was umzugehen.»

Seitdem sich Fiala geöffnet hat, ging es mit ihm aufwärts. Im zweiten Spiel nach der Zwangspause erzielte er sein erstes Tor in dieser Saison. Mittlerweile hat er zehn Treffer auf dem Konto − in den letzten sieben Partien war er dreimal erfolgreich. Insgesamt brachte er es in 44 Begegnungen auf 29 Punkte, womit er die Nummer 3 bei den Admirals ist. Allerdings weist er die klar schlechteste Plus-Minus-Bilanz (-18) im Team aus. Das zeigt, dass er insbesondere das defensive Verhalten noch verbessern muss.

Lektion gelernt
Mitte Januar wurde Fiala nach Nashville geholt, wo er zunächst gar in der ersten Linie an der Seite von Ryan Johansen und James Neal stürmte. Gleich im ersten Einsatz erzielte er seinen ersten Treffer in der NHL. «Viele wollen in der NHL spielen. Wenn du dann noch ein Tor schiesst, ist das ein Bonus. Ein grosser Traum ist wahr geworden», sagte Fiala. Nach fünf Partien musste er dennoch zurück in die AHL. Was hat er aus der Zeit bei den Predators mitgenommen? «Als ich hierher gekommen bin, dachte ich, dass die besten Spieler sicher etwas arrogant sind. Sie sind es aber am wenigsten. Das kann ich von ihnen lernen. Natürlich kann ich auch auf dem Eis von ihnen profitieren. Es gibt in der NHL keinen, der schlecht ist, auch in der vierten Linie nicht.»

Es scheint, dass Fiala seine Lektion gelernt hat. Jedenfalls ist dessen Trainer bei Milwaukee, Dean Evason, mit der Entwicklung zufrieden. «Er hat sich in vielen Bereichen verbessert», so Evason. Vor allem sei er reifer geworden. Er mache Fortschritte, auf dem Weg ein Profi zu werden.

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