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Steiniger Weg zur Glückseligkeit: Bayern-Trainer Kovac schafft die Wende

Viele Fans hatten Niko Kovac im Herbst schon abgeschrieben. Doch mittlerweile hat der Trainer des FC Bayern München die Kurve gekriegt – mit mutigen Entscheidungen.
Jürgen Knappenberger, München
Die Bayern-Profis müssen weiter nach seiner Pfeife tanzen: Coach Nico Kovac. (Bild: Sebastian Widmann/Getty, München, 25. Januar 2019)

Die Bayern-Profis müssen weiter nach seiner Pfeife tanzen: Coach Nico Kovac. (Bild: Sebastian Widmann/Getty, München, 25. Januar 2019)

Genussvoll marschierten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeness an den Journalisten vorbei. Sie sagten kein Wort, strahlten aber mit jeder Faser ihres Körpers grösste Zuversicht aus. Soeben hatten der Vorstandsvorsitzende und der Präsident des FC Bayern München auf der Tribüne in Hoffenheim den Rückrundenauftakt ihres FC Bayern gesehen. Und sie waren beeindruckt. Damit waren sie mit Sicherheit nicht die Einzigen im Stadion. Beim 3:1-Auswärtssieg hatten die Münchner vor allem in der ersten Halbzeit ihren Gegner dermassen dominiert, dass man fast schon Mitleid mit den Hoffenheimern bekommen konnte.

Und niemand, der diese Demonstration gesehen hatte, konnte glauben, dass es sich um das gleiche Team handelte, das in der Liga so hilflos durch den Herbst geirrlichtert war. Und erst recht nicht, dass es sich um denselben Trainer handelt.

Aber dort an der Seitenlinie steht noch immer Niko Kovac, auch im Spiel im Süd-Gipfel gegen den VfB Stuttgart. Noch vor einigen Wochen lautete die allgemeine Prognose: Der Kroate wird der Trainer mit der kürzesten Amtszeit in der Bayern-Historie. Und kein Wettbüro der Welt hätte zum damaligen Zeitpunkt dagegengehalten. Die Mannschaft punktete nicht, die Spieler murrten, Interna wurden im Tagestakt den Medien gesteckt, das Umfeld lästerte, die Zuschauer pfiffen – und die Verantwortlichen schmiedeten Notfallpläne.

Hitzfeld lobt: «Kovac macht einen hervorragenden Job»

Doch statt der Entlassung kam: die Wende. Holprig zwar, aber immerhin. Zunächst stimmten vor allem die Ergebnisse, danach kamen peu à peu auch die Sicherheit und die Souveränität zurück. Stück für Stück eroberte sich Kovac die Mannschaft, die Fans, die Verantwortlichen zurück. Und aus der Winterpause kam dann wieder der FC Bayern, den die Fans lieben und die Gegner fürchten. «Er macht einen hervorragenden Job. Er hat bei den Bayern ein kleines Erdbeben überstanden. Das ist bewundernswert», lobte ihn zuletzt Ottmar Hitzfeld.

Aber was hat Kovac gemacht? Er hat sich flexibler gezeigt, Ratschläge angenommen und an mehreren Stellschrauben gedreht. Er hat die Mannschaft defensiv stabiler gemacht, indem er statt auf einen auf zwei Sechser setzt. Er sorgt für Überraschungsmomente wie zuletzt in Hoffenheim, wo er Leon Goretzka überraschend auf die Zehn gestellt hat. Und er hat die Rotation weitgehend gestoppt und sich knallhart für eine (erweiterte) Stammelf entschieden. Ohne Rücksicht auf Namen. Das funktioniert. Bis jetzt.

Doch der Weg zur puren Glückseligkeit ist steinig. Denn Erfolg allein reicht nicht. Kovac soll so ganz nebenbei noch den Umbruch einleiten. Die Mannschaft verjüngen und verdiente Spieler langsam aussortieren. Aber bitte ohne zu viele Nebengeräusche. Die verdienten Spieler, das sind vor allem Arjen Robben, Franck Ribéry, Jérôme Boateng und Mats Hummels. Und wer diese vier Alphatiere kennt, der weiss, dass es einfacher ist, einen halben Liter Wasser mit blossen Händen einmal quer durch die Sahara zu tragen.

Entscheide und Situationen mit Pulverfass-Potenzial

Ribéry zum Beispiel ignoriert hartnäckig, dass für ihn am Saisonende Schluss sein soll in München. Nach jedem guten Spiel kokettiert er mit einer Vertragsverlängerung und übt öffentlichen Druck aus. Robben hat sich zwar damit abgefunden, dass es seine letzte Saison in der bayerischen Metropole ist, aber jeder weiss, was dennoch passieren wird, wenn er fit ist und nicht spielen darf. Dann wird aus dem an sich sympathischen Holländer eine Furie und ein Unruheherd.

Pulverfass-Potenzial hat auch die Entscheidung von Kovac, Niklas Süle öffentlich als Nummer eins in der Innenverteidigung auszurufen. Denn um die Stelle neben dem 23-Jährigen buhlen die zwei Weltmeister Boateng und Hummels. Diese beiden sind sich zwar nicht ganz grün, aber in einem völlig gleich: Das Ego ist riesig, das Selbstverständnis lautet, unangefochtener Stammspieler zu sein – und die Bereitschaft, öffentlich zu stänkern, wenn dieses Selbstverständnis leidet, ist immer da.

Trotzdem kann es Bayern schaffen, die Dortmunder noch abzufangen, den deutschen Pokal zu gewinnen und in der Champions League weit zu kommen. Wenn dies aber wirklich gelingt und Kovac «nebenbei» noch ein neues Team formt, dann hat er am Ende der Saison nicht nur ein kleines Erdbeben überstanden – sondern fast sämtliche Naturgewalten, die der deutsche Fussball zu bieten hat, besiegt.

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