STEIGERUNG: Ordnung auf dem Pausenplatz

Ohne grosse Umstellungen gelingt den Schweizern eine Leistungssteigerung. Gegen Norwegen gewinnen sie mit 3:0. Morgen kommt es damit zum wegweisenden Spiel gegen Frankreich.

Klaus Zaugg, Paris
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Cody Almond, Damien Brunner und Pius Suter (von links) feiern das 3:0 von Suter. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Cody Almond, Damien Brunner und Pius Suter (von links) feiern das 3:0 von Suter. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Klaus Zaugg, Paris

Dieses 3:0 (0:0, 2:0, 1:0) gegen Norwegen zählt nicht zu den hundert besten Momenten in der Geschichte des Hockeys. In dieser offiziellen Liste, vom internationalen Verband (IIHF) zum Hundert-Jahre-Jubiläum erstellt, hat bisher erst ein Schweizer Spiel Aufnahme gefunden. Der Triumph der Schweizer beim olympischen Turnier von 2006 über die kanadischen NHL Profi (2:0). Aber im Rückblick könnte sich sehr wohl zeigen, dass dieser Sieg gegen Norwegen der bisher wichtigste in der Ära von Nationaltrainer Patrick Fischer ist.

Die Kritik am Niveau, am spielerischen Gehalt dieser Auseinandersetzung ist nicht angebracht. Nach dem verstörenden 5:4 nach Penaltys gegen Slowenien mit einer in knapp 17 Minuten vergeigten 4:0-Führung zählte gestern nur noch eines: ein Sieg nach 60 Minuten. Die erste Voraussetzung dazu war die Rückkehr zur taktischen Ordnung. Zur Einfachheit. Zu den Ursprüngen des Hockeys. Ein Ende des wilden «Pausenplatz-Hockeys». Und tatsächlich ist es Patrick Fischer und seinem schwedischen Taktiklehrer Tommy Albelin endlich, endlich gelungen, die Ordnung auf dem Pausenplatz wiederherzustellen.

Unverändert zur Leistungssteigerung

Sie hatten dazu zwei Möglichkeiten: sie konnten alles umkrempeln und die Mannschaft neu zusammenstellen. Mit dem erheblichen Risiko, so noch mehr Unruhe zu stiften. Oder sie konnten alles so lassen wie es ist und die Gemüter beruhigen. Sie wählten die zweite Variante. Die Schweizer spielten in der genau gleichen Aufstellung wie beim Startspiel gegen Slowenien. Nur die Torhüter wurden ausgetauscht. Jonas Hiller, der ein gerüttelt Mass an Verantwortung für die Wende von 4:0 zum 4:4 trägt, ging. Für ihn kam SCB-Meistergoalie Leonardo Genoni.

Die taktische Rechnung ist aufgegangen. Die Schweizer spielten intensiv, einfach, geradlinig und fanden die richtige Balance zwischen Offensivdrang und defensiver Absicherung. Sie reduzierten das Tempo, aber dominierten das Spiel (35:20 Torschüsse), sie hatten die Hoheit in den Zweikämpfen und entlang der Banden und das Risiko im Griff. Bezeichnenderweise sind die zwei Treffer von Reto Schäppi (33.) und Cody Almond (34.) nicht spektakulär herausgespielt, sondern herausgearbeitet worden. Erst das 3:0 im Powerplay (Suter, 50.) war dann doch noch ein spielerisches Highlight.

Perfektes Spiel auf tiefem Niveau

Den Schweizern gelang, auf tiefem Niveau zwar, ein nahezu perfektes Spiel. Die Norweger, ein Zwerg mit 6629 registrierten Spielern (Schweiz 26 898) und Position elf in der Weltrangliste (Schweiz auf dem siebten Platz), hatte nicht die spielerischen Mittel, um sich gegen das sorgsame Defensivspiel der Schweizer durchzusetzen. Ein Spektakel konnte sich so nicht entfalten und ein Drama erst recht nicht. Aber alles was zählt ist der Sieg. Wer gewinnt, macht alles richtig.

Mit diesem Sieg haben sich die Schweizer für das «Endspiel» um die Viertelfinal-Qualifikation gegen Frankreich eine gute Ausgangslage erarbeitet. Die Franzosen haben zwar gestern zum ersten Mal in ihrer Geschichte an einer WM gegen Finnland gewonnen, und dies gleich mit 5:1. Doch dieser Sieg wird nutzlos sein, wenn die Gastgeber morgen abend um 20.15 Uhr gegen die Schweiz verlieren. Andersherum: mit einem Sieg über Frankreich steht die Schweiz trotz eines mühseligen Startes schon beinahe mit einem Bein in Köln im Viertelfinale.