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Stan Wawrinka stürzt Justin Gimelstob: Jetzt gerät Novak Djokovic in Erklärungsnot

Der wegen schwerer Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilte Justin Gimelstob tritt per sofort als Spielervertreter aus dem ATP-Board aus. Der Amerikaner galt als aussichtsreichster Kandidat auf die Nachfolge als Präsident der ATP. Doch die Situation bleibt verworren.
Simon Häring
Novak Djokovic setzte auf den falschen Freund. (Bild: Imago Images /PanoramiC)

Novak Djokovic setzte auf den falschen Freund. (Bild: Imago Images /PanoramiC)

Noch am Dienstag kämpfte Justin Gimelstob einen Kampf, den er nicht gewinnen konnte. Über seinen Anwalt informierte er die Vertreter in den Führungsgremien der ATP über die «ganze Wahrheit». Er verstrickte sich dabei in juristische Wortklaubereien, die seiner Glaubwürdigkeit wenig zuträglich waren. Demnach habe er nur nicht auf «nicht schuldig» plädiert, um den Fall nicht in die Länge zu ziehen. Als Schuldeingeständnis wollte er das nie verstanden haben.

Der 42-jährige Amerikaner hatte in der Halloween-Nacht 2018 seinen Nachbarn Randall Kaplan mit über 50 Schlägen gegen den Kopf traktiert. Kaplan ist bis heute nicht arbeitsfähig. Seine damals schwangere Frau, die tatenlos zuschauen musste, hatte in der Folgewoche aufgrund des traumatischen Erlebnisses eine Fehlgeburt erlitten. Das Urteil: Drei Jahre Haft auf Bewährung, 60 Tage gemeinnützige Arbeit und eine Therapie zur Aggressionsbewältigung.

Das Schreiben von Justin Gimelstobs Anwalt

Rückhalt von Djokovic und Pospisil

Justin Gimelstob ist einer von drei Spielervertretern im ATP-Board und damit mitverantwortlich dafür, dass der Ende Jahr auslaufende Vertrag des bei vielen Spielern beliebten Präsidenten Chris Kermode nicht verlängert wird. Bisher galt Gimelstob als einziger und aussichtsreichster Kandidat auf die Nachfolge. Er genoss auch den Rückhalt von Novak Djokovic, dem Präsidenten des Spielerrats, und anderen Mitstreitern im Players Council.

Als Reaktion auf das Urteil hatten aber sich zahlreiche Spieler dezidiert gegen Gimelstob ausgesprochen. Am deutlichsten wurde Stan Wawrinka: «Wir Spieler müssen uns auflehnen. Justin Gimelstob wurde wegen Körperverletzung verurteilt. Es kann nicht sein, dass wir solches Verhalten tolerieren.» Der Romand forderte die Absetzung Gimelstobs durch den Spielerrat. «Wir müssen diese beschämende Schauspiel in unserem Sport beenden.»

Tritt per sofort zurück: Justin Gimelstob. (Bild: Jean Catuffe/Getty (New York, 7. September 2015))

Tritt per sofort zurück: Justin Gimelstob. (Bild: Jean Catuffe/Getty (New York, 7. September 2015))

Sofortiger Rücktritt aus dem ATP-Board

Nun zog Gimelstob überraschend selbst die Konsequenzen und tritt per sofort von seinem Amt zurück. Er wolle damit das Tennis aus der Schusslinie nehmen, sagte er telefonisch zur «New York Times»: «Ich übernehme die Verantwortung für meine Fehler und das, was in der Halloween-Nacht geschehen ist.» Er ziehe deshalb seine Kandidatur für die Wahlen vom 14. Mai zurück und gebe sein Amt vorzeitig ab, um seine persönliche Situation zu klären.

Gimelstob befindet sich derzeit in Madrid, wo er seinen engen Vertrauten Novak Djokovic persönlich über seine Entscheidung informierte. Der Serbe gilt als Drahtzieher hinter der Absetzung Kermodes und wollte Gimelstob als verlängerten Arm in der Machtzentrale des Tennis installieren. «Ich wollte Novak in die Augen schauen und ihm die beiden wichtigsten Dinge mitteilen: Ich wollte ihm danken für sein Vertrauen und mich entschuldigen.»

Klärungsbedarf mit Federer und Nadal

Der zweifache Grand-Slam-Sieger im Mixed vertritt die Region Nordamerika seit 2008 im ATP-Board. Eine weiter Kammer mit drei Mitgliedern besteht aus den Turnierdirektoren. Gimelstob hat sich in seiner Amtszeit bei der Erhöhung von Preisgeldern verdient gemacht und genoss deshalb bei vielen Spielern ein hohes Ansehen. Viele Spieler wie Vasek Pospisil, der ebenfalls im Spielerrat sitzt, gewichteten diese Verdienste höher als die persönlichen Verfehlungen.

Mit seiner Entschuldigung bei Novak Djokovic bestätigte Gimelstob auch, was bisher als offenes Geheimnis galt: den Machtanspruch des Serben. Im Gegensatz zu Wawrinka und Andy Murray hat sich Djokovic nicht zum Urteil geäussert. Mit seiner Loyalität zu Gimelstob und der Opposition gegen Kermode hat der Serbe nicht nur Spielerkollegen wie Rafael Nadal und Roger Federer gegen sich aufgebracht, sondern hat nun auch eine Führungskrise zu verantworten.

Novak Djokovic als grosser Verlierer

Trotz des Rücktritts bleibt die Situation um den umtriebigen und gut vernetzten Gimelstob verworren. So wurde bekannt, dass Gimelstob zwar sein Amt als Kommentator beim «Tennis-Channel» niederlegt, mit der Firma «Without Limits Productions» aber die Produktionsrechte an der Sendung «ATP Uncovered» hält. Es erscheint zumindest fragwürdig, wie das mit seiner Rolle als Offizieller in einem Führungsgremium der Profi-Spielervereinigung vereinbar ist.

Rafael Nadal und Roger Federer fühlten sich in der Causa Kermode mehrfach übergangen. (Bild: KEYSTONE/EPA/MARTIN DIVISEK)

Rafael Nadal und Roger Federer fühlten sich in der Causa Kermode mehrfach übergangen. (Bild: KEYSTONE/EPA/MARTIN DIVISEK)

Limits Productions» aber die Produktionsrechte an der Sendung «ATP Uncovered» hält. Es erscheint zumindest fragwürdig, wie das mit seiner Rolle als Offizieller in einem Führungsgremium der Profi-Spielervereinigung vereinbar ist.

Inzwischen haben zahlreiche Kandidaten ihr Interesse an einer Nachfolge im ATP-Board angemeldet. Unter ihnen die Ex-Profis Brad Gilbert und Tim Mayotte. Auch der Venezolaner Dani Vallverdu, ehemaliger Trainer von Andy Murray, Tomas Berdych und Grigor Dimitrov, gilt als Anwärter. Die Entscheidung über die Verteilung der Ämter fällt wohl am 14. Mai anlässlich des Masters-Turniers in Rom. An Gesprächsbedarf dürfte es in dieser Causa nicht mangeln.

Neben Justin Gimelstob geht Novak Djokovic als grosser Verlierer aus der Posse hervor. Er hatte über Monate und gegen den heftigen Widerstand von Roger Federer und Rafael Nadal die Absetzung Kermodes und die Installierung Gimelstobs orchestriert. Zudem verweigerte er als Präsident des Spielerrats mehrfach den Dialog mit den beiden Tennis-Ikonen. Djokovic, der seit Monaten in einer sportlichen Baisse steckt, dürfte in Madrid in Erklärungsnot geraten.

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