Stahlberg an der Ruder-WM

RUDERN. Nico Stahlberg vom RC Kreuzlingen rudert momentan an der Weltmeisterschaft in Frankreich im Männer-Doppelvierer. Er und seine drei Kollegen stehen nun sogar im Final.

Peter Koch
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Nico Stahlberg steht an der Ruder-WM auf dem Lac d'Aiguebelette in Frankreich im Einsatz. (Bild: pd)

Nico Stahlberg steht an der Ruder-WM auf dem Lac d'Aiguebelette in Frankreich im Einsatz. (Bild: pd)

Herr Stahlberg, welche Unterschiede zu anderen internationalen Regatten stellen Sie an dieser WM fest?

Nico Stahlberg: Ich war bereits je an drei Welt- und Europameisterschaften. Hier am Lac d'Aiguebelette in Frankreich wie auch vergangenes Jahr in Amsterdam ist die Begeisterung aller Beteiligten am Rudersport im gesamten Umfeld förmlich zu spüren. In Südkorea wurde die Freundschaft organisiert, es wirkte alles inszeniert. Wir bekamen damals bereits beim Eintreffen Geschenke, was ich als wenig authentisch empfand. Unterschiede gibt es auch in der Infrastruktur. Lieber rudere ich auf natürlichen Gewässern wie hier in Aiguebelette oder Sevilla, wo die natürliche Umgebung mehr stimuliert. Erstmals gibt es hier im «Athleten-Zeltdorf» eine riesige Leinwand und weitere Bildschirme. So sind wir immer auf dem Laufenden über die Aktivitäten unserer Konkurrenten.

Haben Sie Kontakt zu Athleten aus anderen Ländern?

Stahlberg: Wir sehen die Konkurrenten aus der gleichen Bootsklasse an jedem internationalen Event wieder und tauschen uns kurz und freundlich aus. Näheren Kontakt habe ich zu Radoje Deric aus Serbien. Er rudert im Vierer ohne Steuermann an dieser Regatta, und Kristof Wilke. Er stammt aus Radolfzell und ruderte im berühmten Deutschland-Achter. Wenn wir beide am Bodensee sind, führen wir manchmal ein gemeinsames Training durch. Engeren Kontakt pflege ich zu Athleten der gleichen Altersklasse. Wir sind uns über die Jahre immer wieder begegnet.

Tauscht man sich unter Konkurrenten über Trainingsmethoden und Renntaktiken aus?

Stahlberg: Kleinere Länder bilden manchmal Trainingsgemeinschaften, absolvieren die Trainings aber individuell. So trainierte einmal Emma Twigg aus Neuseeland, Weltmeisterin 2014 im Frauen-Skiff, mit uns gleichzeitig auf dem Sarnersee. Da jede Nation ihre eigene Philosophie hat, wird sehr wenig abgekupfert. Effektiv darüber gesprochen wird erst nach den Meisterschaften. Darum ist die abschliessende Ruderparty nach internationalen Events ein guter Anlass, wo offener über Methoden, Material und anderes diskutiert werden kann.

Welche Konsequenzen haben Tage an einer Regatta ohne Renneinsatz?

Stahlberg: Grundsätzlich ist man ja eine Runde weiter und muss nicht in die Hoffnungsläufe. Jedoch soll während dieser Tage die Spannung aufrechterhalten werden. Wir absolvieren darum ein bis zwei Trainings pro Tag, in denen wir auch einmal die halbe Streckenlänge (1000 statt 2000 Meter) unter Vollbelastung rudern. Wichtig ist der richtige Mix zwischen Anspannung und Entspannung, so dass wir am nächsten Renneinsatz genau gleich bereit sind wie alle anderen.