Stahlbad FC St. Gallen

Das letztklassierte St. Gallen empfängt heute um 17.45 Uhr Leader Luzern. Die ungemütliche Lage und der Erfolgsdruck prägen auch die Arbeit mit den jungen Spielern. «Wir sollten von ihnen keine Wunderdinge erwarten», so Trainer Uli Forte.

Patricia Loher
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St. Gallens Ivan Martic versucht, «trotz allem» befreit aufzuspielen. (Bild: Ralph Ribi)

St. Gallens Ivan Martic versucht, «trotz allem» befreit aufzuspielen. (Bild: Ralph Ribi)

Fussball. St. Gallen bleibt in der Bredouille. Nach dem 1:2 gegen die Young Boys am Mittwoch rutschten die Ostschweizer einen Tag später und wegen des Erfolgs von Xamax in Sitten wieder auf den letzten Rang ab. Um den Anschluss ans hintere Tabellen-Mittelfeld nicht zu verlieren, muss die Mannschaft heute zu Hause gegen Leader Luzern gewinnen. Der Druck bleibt gross, die Unzufriedenheit der Anhänger auch. Der Ärger verstärkt sich durch die Vorfälle rund um die Gesellschaften der AFG Arena. Schneller als in früheren Jahren ertönen Pfiffe – selbst gegen eigene Spieler.

Vieles läuft derzeit schief. Es ist Feuer im Dach, obwohl die Ostschweizer sportlich zuletzt eine Aufwärtstendenz erkennen liessen und sie vor allem defensiv an Stabilität gewonnen haben.

Von aussen herangetragen

Der FC St. Gallen weiss in dieser ungemütlichen Situation auch um eine andere Gefahr. Die jungen Spieler gehen durch ein Stahlbad, es droht, dass sie verheizt werden. Seit Jahren gehörten dem Kader des Clubs nicht mehr derart viele eigene Nachwuchsakteure an.

Der Uzwiler Ivan Martic hat sich in seiner ersten Super-League-Saison als rechter Aussenverteidiger in die Mannschaft gekämpft, der Rickenbacher Philipp Muntwiler ist der Captain. Mit dem Arboner Tunahan Cicek wurde am Mittwoch ein 18-Jähriger eingewechselt, mit dem 19jährigen Vorarlberger Manuel Sutter kam ein Spieler, der die letzten Schritte vor dem Sprung ins Kader in der St. Galler Nachwuchsabteilung machte. Michael Lang, Nico Abegglen und Sven Lehmann sind Nachwuchsnationalspieler.

«Die Gefahr, junge Spieler zu verheizen, besteht, wenn man glaubt, sie würden einem die Kohlen aus dem Feuer holen», sagt Trainer Uli Forte. «Wir sollten von ihnen keine Wunderdinge erwarten. Doch solches wird eher von aussen an sie herangetragen», so Forte. Wenn er, beispielsweise, Cicek einwechsle, «darf man nicht das Gefühl haben, dass er nun unser Spiel reisst». Cicek wurde fast direkt aus dem U18-Team in der ersten Mannschaft aufgenommen.

Martic wechselte mit 14 Jahren in die Nachwuchsabteilung des FC St. Gallen. Im vergangenen Winter wurde er an den FC Schaffhausen in die Challenge League ausgeliehen, wo er sich, allerdings in offensiverer Rolle, gleich einen Stammplatz erkämpfte. Seit seiner Rückkehr zum FC St. Gallen vor dieser Saison kam der 20-Jährige viermal zum Einsatz, zuletzt in der Meisterschaft zweimal in Folge und auch im Cup in Flawil von Beginn weg.

Mehrere Optionen

Forte verschweigt nicht, dass Martic über seine neue Rolle als Verteidiger zuerst nicht eben begeistert war. Martic selber sagt: «Ich spiele dort, wo mich der Trainer aufstellt. Aber er weiss, dass er mit mir mehrere Optionen hat.» Als ein junger Mann, der in Uzwil geboren wurde, weiss er um die Bedeutung des FC St. Gallen in der Region, wie hoch die Wogen gehen können, wenn es dem Club auf mehreren Ebenen nicht gut geht. Er versuche, «trotz allem» unbekümmert aufzuspielen, sagt Martic.

«Der Trainer nimmt uns den Druck. Er sagt, wir müssten einfach versuchen mitzuhelfen.» Es geht in diesem Alter auch immer noch um die Entwicklung und darum herauszufinden, wohin der Weg im Spitzenfussball führen kann. «Man muss genau abwägen, wann die jungen Spieler eine Verschnaufpause benötigen, wann es Zeit ist, sie auszuwechseln», sagt Forte.

Andy Egli schrieb vor wenigen Wochen in unserer Zeitung: «Wo die Clubphilosophie durch die eigenen Kräfte definiert wird, ist Geduld der wichtigste Wert überhaupt.»