St. Otmars steiniger Weg zum Titel

St. Otmar startet heute als Aussenseiter in den Playoff-Final gegen Kadetten Schaffhausen. Der Schaffhauser Titelverteidiger stellt zwar das teuerste NLA-Team. Dennoch gibt es Gründe, die für einen St. Galler Meistertitel sprechen.

Christof Krapf
Drucken
Teilen
Topskorer Tomas Babak (rechts) war mit erst 21 Jahren massgeblich an St. Otmars erster Finalqualifikation seit 14 Jahren beteiligt. (Bild: Peer Füglistaller)

Topskorer Tomas Babak (rechts) war mit erst 21 Jahren massgeblich an St. Otmars erster Finalqualifikation seit 14 Jahren beteiligt. (Bild: Peer Füglistaller)

HANDBALL. Die Aufgabe wird für St. Otmar im Playoff-Final nicht einfach. Das liegt vor allem am Gegner: Kadetten Schaffhausen war in den vergangenen fünf Jahren viermal Meister und zog zweimal in den Achtelfinal der Champions League ein. Die Schaffhauser verfügen über das grösste Budget der Liga. Nach Club-Angaben stehen zwei Millionen Franken zur Verfügung – inoffiziell dürften es deutlich mehr sein; ein Grossteil der Schaffhauser Ausgaben berappt Kadetten-Präsident Giorgio Behr. Die St. Galler lassen sich ihre Mannschaft mit 1,4 Millionen Franken deutlich weniger kosten. «Wir sind krasser Aussenseiter», sagt St. Otmars Trainer Predrag Borkovic. Dies auch, weil ihm nur vier Rückraumspieler zur Verfügung stehen. Schaffhausen hingegen ist auf jeder Position doppelt besetzt. Hinzu kommt, dass den St. Gallern nach dem Halbfinalsieg gegen Pfadi Winterthur nur ein Tag zur Erholung blieb – die Schaffhauser waren eine Woche spielfrei. Trotzdem gibt es Gründe, dass St. Otmar sich in der Best-of-5-Serie durchsetzt und den achten Meistertitel holt.

Goalies: Im Tor hat St. Otmar einen Vorteil. Der tschechische Nationalgoalie Martin Galia ist der beste NLA-Torhüter. Im Halbfinal gegen Pfadi Winterthur machte er bei den St. Galler Heimsiegen den Unterschied aus. Schaffhausen verfügt auf dieser Position mit dem 21jährigen Schweizer Nikola Portner sowie dem 20jährigen Deutschen Jonas Maier über viel Talent. In entscheidenden Situationen wie einem Playoff-Final könnte dem Duo aber die Routine fehlen.

Verteidigung: Seit Borkovic im Januar Jan Filip als Cheftrainer abgelöst hat, entwickelte sich die Defensive zum Prunkstück im St. Galler Spiel. Die Schaffhauser sind zudem bekannt dafür, dass sie Mühe bekommen, wenn der Gegner in der Verteidigung hart zupackt. Zuletzt hat sich dies Wacker Thun vor drei Jahren zunutze gemacht: Die Berner Oberländer besiegten Schaffhausen im Cupfinal dank einer starken und aggressiven Deckung. Thuns Abwehrchef hiess damals Jakub Szymanski. Heute spielt der Tscheche bei St. Otmar.

Schaffhausens System: Die Kadetten verteidigen in einem defensiven 6:0. Dies ist ein System, das St. Otmars Rückraum mit den wurfstarken Szymanski, Tomas Babak und Vedran Banic entgegenkommt. «Im Angriff wird die Sache im Final einfacher. Wir spielen besser gegen ein 6:0 als gegen eine offensive Deckung wie jene von Pfadi im Halbfinal», so Trainer Borkovic.

Trainer: Kadetten-Trainer Markus Baur wurde 2007 mit Deutschland als Spieler zwar Weltmeister. Als Trainer hat der 44-Jährige bisher aber nicht überzeugt. Man munkelt gar, dass nur sein grosser Name den Deutschen im vergangenen Dezember von einer Entlassung bei Schaffhausen bewahrt hat. Bei St. Otmar hingegen geht es seit Borkovics Amtsantritt aufwärts. Der 53-Jährige gilt als Taktikfuchs, der sein Team akribisch auf einen Gegner einstellt.

Druck: St. Otmar kann in der Best-of-5-Serie, die heute um 19.30 Uhr in der Schaffhauser BBC Arena beginnt, befreit aufspielen. Für die St. Galler bedeutete schon die Final-Qualifikation eine Überraschung, für die Kadetten hingegen wäre alles andere als die Titelverteidigung eine bittere Enttäuschung.

Statistik: Dass die Kadetten gegen St. Otmar gewinnen können, müssen sie im Final zuerst beweisen. Dies ist ihnen in dieser Saison noch nie gelungen. In den vier Begegnungen in der Haupt- und Finalrunde gingen immer die St. Galler als Sieger vom Feld.