St. Otmars Befreiungsschlag

HANDBALL. St. Otmar besiegt Bern Muri in der Kreuzbleiche mit 38:34. Die St. Galler rehabilitieren sich nach dem schlechten Saisonstart und ziehen mit einer starken Leistung bis zur Pause auf 20:12 davon.

Rabea Huber
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Entschlossene St. Galler: Der neunfache Torschütze Martin Engeler lässt sich von der Berner Verteidigung nicht aufhalten. (Bild: ky/Regina Kühne)

Entschlossene St. Galler: Der neunfache Torschütze Martin Engeler lässt sich von der Berner Verteidigung nicht aufhalten. (Bild: ky/Regina Kühne)

Die Zuschauer in der Sporthalle Kreuzbleiche klatschten begeistert und feuerten St. Otmar in den letzten Spielminuten nochmals an. Erstmals seit langem war der Funke wieder auf das Publikum übergesprungen. Der Sieg gegen den direkten Konkurrenten Bern Muri war nach dem schlechten Saisonstart ein Befreiungsschlag. Vieles von dem, was in den Spielen zuvor nicht gepasst hatte, funktionierte nun plötzlich.

All jene Würfe, die in den bisherigen fünf Runden an die Latte gingen, fanden nun spektakulär den Weg ins Tor.

Eine Begründung, wieso nun alles klappte, fand St. Otmars Regisseur David Parolo nicht: «Wenn wir wüssten, woran es lag, könnten wir das nächste Mal einfach den Schalter umlegen.» Bei den St. Gallern scheint einfach der berühmte Knoten geplatzt zu sein. Das Quentchen Glück, das ihnen zuvor gefehlt hatte, erarbeiteten sie sich gestern hart. Praktisch jeder Wurf aufs Tor war auch ein Treffer.

Dabei machte es die Berner Verteidigung St. Otmar aber nicht gerade schwer.

Ebinger fehlte Bernern sichtlich

Die Miene von Antoine Ebinger wurde während des Spiels immer finsterer. Er sank auf seinem Stuhl wenige Meter neben der Ersatzbank immer tiefer und konnte kaum mehr hinschauen. Der Goalie von Bern Muri hatte sich am Samstag mit einem Gartenhäcksler in die Finger geschnitten und fiel deshalb gegen seinen ehemaligen Club aus. Und Ebinger fehlte den Gästen sichtlich.

Seine Kollegen Timo Heiniger und Nikola Portner hatten kein glückliches Händchen. Allerdings wurden sie von ihren Vorderleuten auch immer wieder im Stich gelassen.

Die St. Galler wussten die Lücken auszunutzen. In der ersten Halbzeit zogen sie von 4:4 auf 11:5 davon. Bis zur Pause führten sie sogar mit 20:12. Nach einem durchzogenen Saisonauftakt spielte St. Otmar gross auf. «Wir haben aufgezeigt, was wir leisten können, wenn von hinten bis vorne alles stimmt», sagte Parolo.

Der Regisseur trug acht Tore zum Erfolg seines Teams bei.

Nochmals spannend gemacht

Die St. Galler waren vor der Partie unter Druck gestanden. Mit einer weiteren Niederlage hätten sie den Anschluss ans Tabellenmittelfeld verloren. «Wir haben das vor der Partie nicht gross thematisiert. Jeder einzelne hat ganz genau gewusst, worum es gegen Bern Muri geht», so Parolo.

Einziger Wermutstropfen war aus seiner Sicht, dass es nach einer schwächeren Phase in der zweiten Halbzeit nochmals spannend wurde. Als St. Otmars Konzentration und vor allem die zuvor starke Chancenauswertung nachliessen, verkürzte Bern Muri vier Minuten vor Spielende auf 32:35. Doch dank zweier Unterzahl- Treffer des neunfachen Torschützen Martin Engeler und zwei abgewehrten Penalties von Thomas Isenrich liessen die St. Galler nichts mehr anbrennen.

Die Erleichterung war Parolo nach dem Erfolgserlebnis anzusehen. Ganz anders war der Gemütszustand bei Bern Muris Ebinger. «Es tat weh, das mit ansehen zu müssen», sagte der verletzte Goalie. «Der Sieg freut mich ja für die St. Galler. Aber ihr Knoten hätte ruhig an einem anderen Tag platzen dürfen.»