St. Otmars Handballer verschenken den Sieg im Spitzenspiel in letzter Sekunde

Der TSV St. Otmar zeigt sich gegen Pfadi Winterthur in der Toppartie der Runde auf der Höhe der Erwartungen, verliert aber in am Schluss unglücklich 29:30.

Fritz Bischoff
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St. Otmars Andrija Pendic zeigt seine Enttäuschung nach dem Schlusspfiff. (Bild: Benjamin Manser)

St. Otmars Andrija Pendic zeigt seine Enttäuschung nach dem Schlusspfiff. (Bild: Benjamin Manser)

Wenn sich in der fünften Runde der NLA-Meisterschaft der Tabellenvierte und der Tabellenfünfte im Direktvergleich gegenüberstehen und die beiden Teams mit je sechs Punkten auch noch zählermässig gleichauf sind, so ist eine ausgeglichene, umstrittene und umkämpfte Partie zu erwarten.

Genau so war es denn auch gestern Abend in der Sporthalle Kreuzbleiche vor 950 Zuschauern in der Partie zwischen dem gastgebenden TSV St. Otmar und dem Supercup-Gewinner Pfadi Winterthur. Von Beginn weg entwickelte sich eine spannende und attraktive Auseinandersetzung, die in der Schlussphase an Dramatik nicht zu überbieten war und mit dem 30:29-Siegtreffer der Winterthurer durch Michal Svajien ins leere Tor der Gastgeber endete.

Konsequent mit sieben Feldspielern

St. Otmar überraschte von der ersten Minute an damit, dass in der Offensive konsequent mit sieben Feldspielern angegriffen wurde; das heisst, dass der Torhüter während des Ballbesitzes immer auf der Auswechselbank Platz nahm. Wohl hatte Winterthurs Trainer Adrian Brüngger damit gerechnet, dass das Heimteam früher oder später zu dieser taktischen Variante greifen würde, doch dass dies von Beginn weg sein würde, war doch eher unerwartet. So benötigten die Zürcher eine gewisse Angewöhnungszeit an die Offensivtaktik des Gegners, was nach zehn Minuten zu einer 7:4-Führung St. Otmars führte.

Doch mit fortschreitender Spieldauer hatte sich Pfadi auf die sieben gegnerischen Feldspieler eingestellt und nutzte vermehrt die Möglichkeit bei einem Ballgewinn zu einfachen Treffern ins leere gegnerische Tor. Insgesamt sieben der 30 Treffer erzielte der Supercupsieger so, zielte aber auch noch fünf Mal neben das leere Tor. Auffallend war in den ersten 30 Minuten auch, dass die vier eingesetzten Torhüter keinerlei positiven Einfluss auf das Spielgeschehen hatten. St. Otmars Jonas Kindler und Aurel Bringolf wehrten zusammen drei Bälle ab, Winterthurs Matias Schulz und Simon Schelling gar nur einen einzigen. Doch zu Beginn der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild. Bringolf kam besser ins Spiel, wehrte einige Bälle ab und gab so die Initialzündung zur Führung seines Teams. St. Otmar lag in der 41. Minute 22:18 vorne, bekam das Spiel auch dank ausgezeichneter Defensivarbeit in den Griff und führte auch beim 29:26 in der 56. Minute immer noch mit drei Treffern. Der Sieg war greifbar nahe – aber nur nahe und nicht Wirklichkeit. Die Gäste steckten trotz des Rückstandes nicht auf. Es kamen die Schlussminuten für Kevin Jud. Zuerst traf er aus dem Spiel heraus zweimal zum 29:28-Zwischenstand, und danach verwertete er auch noch einen Penalty zum 29:29-Ausgleich, ehe Svajilen in der Schlusssekunde nach einem Fehler
St. Otmars der Siegtreffer gelang. «Das war sicher am Ende Glück, die zwei Punkte in einem doch recht seltsamen Spiel zu gewinnen», stellte Pfadis Trainer Brüngger fest. Mit dem seltsamen Spiel spielte er nicht nur auf den Spielverlauf an, sondern vor allem auch auf die St.-Otmar-Taktik mit den sieben Feldspielern bis zu den Schlusssekunden. Es stand die Frage im Raum, ob die St. Galler in der Schlussphase nicht auf die Herausnahme ihres Goalies hätten verzichten sollen, um auf Sicherheit zu spielen. «Mit den sieben Feldspielern gingen wir von Beginn weg volles Risiko und zogen dies bis am Ende durch. Wir waren überzeugt, nur so eine Siegchance gegen die Winterthurer zu haben», sagte Topskorer Tobias Wetzel.

Fehlende Cleverness

Gleichwohl hätte das Heimteam nicht seine zweite Saisonniederlage beziehen müssen. «Da mangelte es uns ganz klar an Abgeklärtheit und Cleverness. Diese bittere Niederlage ist absolut unnötig», bilanzierte Wetzel weiter. Diese Fortschritte sind bei St. Otmar defensiv wie offensiv unverkennbar. Der neue Spielstil unter Spielertrainer Bo Spellerberg ist ausgeprägt. Doch phasenweise schien das Team von den Vorgaben auch überfordert. Im Angriff konzentrierte sich zu viel auf Kreisanspiele, ergab sich in der Angriffsmitte eine Massierung. Zu selten wurde in die Breite über die Flügel agiert, zu selten wurden die Abschlüsse aus der zweiten Reihe versucht. Wenn es St. Otmar in den kommenden Partien gelingt, dies im Verbund mit den sieben Feldspielern zu verbessern, so sind die St. Galler auf dem Weg zum Spitzenteam, und die bittere 29:30-Niederlage von gestern Abend gegen den Co-Leader Pfadi kann auch ihren positiven Aspekt haben.