St. Galler Aufschwung in Raten

Das dritte 1:1 in Folge bringt den verunsicherten FC St. Gallen nicht vom Fleck. Dennoch gab es am Samstag im Spiel gegen die Young Boys Lichtblicke: Das herausragende Tor, die aufsässige Spielweise – und der Siegeswille zum Schluss.

Ralf Streule
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Stéphane Besle klärt mit dem Kopf gegen Michael Frey. (Bild: Urs Bucher)

Stéphane Besle klärt mit dem Kopf gegen Michael Frey. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. Plötzlich war die Leichtigkeit zurück. Nicht für allzu lange Zeit zwar, aber dennoch: Der FC St. Gallen hatte am Samstag im Spiel gegen die Young Boys eine Phase, in der sich Selbstbewusstsein und Überzeugung der Hinrunde wieder zeigten. Die Phase begann in der 25. Minute mit einem Pass in die Tiefe, wie man ihn von Muhamed Demiri im Dress der Ostschweizer bisher nicht gesehen hatte. Stéphane Nater, zwei Tage zuvor noch mit einer Angina im Bett, zog los, zauberte den Ball und sich selber am Berner Junggoalie Yvon Mvogo vorbei und schob ein. 1:1, das kurz zuvor nach einem Corner erzielte Tor der Berner war ausgeglichen. Bis zur Pause schienen die Ostschweizer gelöst, waren aufsässig, suchten plötzlich die schwierigen, aber Gefahr bringenden Pässe, schienen Freude am Spiel zu bekommen.

Zwei verunsicherte Teams

In der Startphase dagegen war den St. Gallern die Verunsicherung nach dem schwachen Saisonstart anzusehen gewesen. Das Heimteam profitierte davon, dass die Berner zuletzt ebenso wenig Moral getankt hatten und deshalb ebenfalls zurückhaltend in die Partie stiegen. Die erste Grosschance des Spiels hatte immerhin ein St. Galler: Matias Vitkieviez scheiterte nach zwanzig Minuten alleine vor Mvogo. Dennoch musste das Team von Trainer Jeff Saibene den Bernern in der ersten Halbzeit ein Chancenplus zugestehen. Josef Martinez scheiterte zweimal am hervorragenden Daniel Lopar.

Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit zog sich der FC St. Gallen zunächst wieder in die eigene Platzhälfte zurück – kein Vergleich mit der überragenden, offensiven Partie gegen den gleichen Gegner noch vor einem halben Jahr. Just, als die St. Galler den Sieg wieder deutlicher anzustreben versuchten, kam ihnen Moreno Costanzo, der ehemalige St. Galler in Diensten der Berner, mit einem übermotivierten Einsteigen und der zweiten gelben Karte zur Hilfe. Nach seinem Platzverweis übernahmen die Ostschweizer das Spieldiktat. Zu mehr als einem Lattenschuss von Marco Mathys in der Nachspielzeit reichte es aber nicht.

Keiner kann zufrieden sein

Die Grosschance zum Schluss liess Saibene nach dem Spiel von fehlendem Glück sprechen, Uli Forte hingegen zeigte sich «den Umständen entsprechend» zufrieden mit dem 1:1. Unter dem Strich ist es ein Resultat, das beide Teams zwar nicht weiter verunsichert, aber auch kaum weiter bringt. Die Berner verlieren weiter Boden auf die Tabellenspitze, die St. Galler schafften es nicht, das Steuer überzeugend herumzureissen.

«Drei von neun Punkten aus den vergangenen drei Spielen, das ist zu wenig», sagte Saibene. Die Ostschweizer bleiben das deutlich schwächste Team der Rückrunde, nach drei 1:1 in Folge gegen Luzern, Basel und die Berner kommen sie weiterhin nicht vom Fleck. Saibenes Feststellung, man habe immerhin dreimal hintereinander nicht verloren, ist zwar richtig – ist aber des positiven Denkens etwas allzu viel.

«Der Weg stimmt»

Dennoch haben sich aus St. Galler Sicht Lichtblicke gezeigt. Ein Gewinner des Spiels war Demiri, der nicht nur beim Zuspiel überzeugte, sondern das Spiel aus dem defensiven Mittelfeld lenkte. Die Minuten vor der Pause haben zudem gezeigt, dass die für dieses Team so wichtige Lockerheit noch in der Mannschaft steckt. Auch die Schlussphase macht Mut, in der die St. Galler das Heft in die Hand nahmen – so, wie sie es vor nicht langer Zeit meist getan hatten. «Der Weg stimmt», sagt Lopar. Auch wenn St. Gallen ihn noch im Kriechgang begeht.