St. Gallens Schattenmann

Eine Woche nach dem Sieg gegen die Young Boys gastiert der FC St. Gallen heute ab 20 Uhr beim FC Zürich. Assistent Daniel Tarone hat im Letzigrund einen grossen Teil seiner Karriere verbracht – und war dort schon Chef.

Patricia Loher
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«Die Höhen und Tiefen der vergangenen Jahre haben uns zusammengeschweisst»: Daniel Tarone (hinten) über sein Verhältnis zu Jeff Saibene. (Bild: Urs Bucher)

«Die Höhen und Tiefen der vergangenen Jahre haben uns zusammengeschweisst»: Daniel Tarone (hinten) über sein Verhältnis zu Jeff Saibene. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. Den ersten Schritt als Cheftrainer hat Daniel Tarone schon gemacht. Vor zwei Jahren vertrat der 39-Jährige den gesperrten Jeff Saibene im Letzigrund an der Seitenlinie. Obwohl St. Gallen damals beim FC Zürich mit 3:1 gewann, sagt Saibenes Assistent: «Im Moment ist es gut so wie es ist.» Tarone hegt keine Ambitionen auf ein Amt als Cheftrainer. Er könne noch immer viel lernen, vor allem von Saibene, seinem Vorgesetzten.

Tarone, der Mann im Hintergrund, absolviert die Ausbildung zum Berufstrainer, ehe er sich die Uefa-Pro-Lizenz erwerben will. Seit bereits vier Jahren bilden der Zürcher und Saibene in St. Gallen das Trainergespann, die Höhen und Tiefen in dieser Zeit hätten sie zusammengeschweisst, so der Assistent. Saibene sagt gar, Tarone sei in den vergangenen Jahren zu einem «guten Freund» geworden. «Ich weiss, dass ich mich zu hundert Prozent auf ihn verlassen kann.»

«Befinden uns im Soll»

Die beiden machen mit ihrem Team, wie schon vor einem Jahr, eine schwierige Rückrunde durch: Das 3:1 heute vor einer Woche gegen die Young Boys war im neunten Spiel erst der zweite Sieg. Und im Cup-Halbfinal leistete St. Gallen dem Favoriten aus Basel weniger Widerstand als erhofft. Noch haben sich die Ostschweizer nicht definitiv erholt, ein einziger Sieg ist dafür zu wenig. Auch Tarone weiss, «dass wir den Erfolg gegen die Young Boys beim FC Zürich bestätigen müssen». Die Mannschaft von Trainer Urs Meier ist ebenfalls in eine Krise geraten, ihr Vorsprung auf die St. Galler beträgt bloss noch drei Punkte. Vor dem Start ins letzte Meisterschaftsviertel sagt Tarone: «Wir befinden uns trotz einiger enttäuschender Auftritte im Soll. Es ist noch vieles möglich.» Allerdings in beide Richtungen, dessen ist man sich auch in St. Gallen bewusst.

In Zürich haben die Ostschweizer heute die Möglichkeit, ihre Rückrunde neu zu lancieren. St. Gallen will die Fehler abstellen und sich defensiv weiter stabilisieren. «Die grösste Gefahr ist, dass wir weniger investieren als zuletzt. Dabei müssen wir noch eine Schippe drauflegen», so Tarone, der beim FC Abtwil-Engelburg bei den Senioren spielt. Zum Start in die Rückrunde hat St. Gallen zu Hause gegen die Zürcher 1:4 verloren.

Plan eines Unternehmens

Der dreifache Familienvater hat einen grossen Teil seiner Karriere beim FC Zürich verbracht. Zehn Jahre spielte er im Letzigrund, er trainierte unter Kurt Jara, Raimondo Ponte oder Lucien Favre. 2011 beendete er seine Karriere beim FC Wohlen.

Damals war es sein Plan, eine Firma aufzubauen, die Pizza-Automaten vertrieb. «Das ist noch immer eine Marktlücke», sagt Tarone, dessen Vater Italiener und die Mutter Spanierin ist. Alles war schon eingerichtet. Tarone hatte ein Büro und gute Aussichten auf viel Kundschaft. Doch dann rief Saibene an und bot ihm das Amt als Assistenztrainer in St. Gallen an. So hat der Zürcher seine Pläne auf Eis gelegt. «Es war nicht möglich, alles unter einen Hut zu bringen.» Ausgeschlossen aber sei es nicht, dass er dereinst wieder in dieses Projekt investieren werde – es sei eine «Herzensangelegenheit».

Tarone wirkt weniger zurückhaltend als sein Chef. Ist er im Training der Mann für die lauten Worte? Tarone sagt, auch Saibene könne ausrufen, vor allem dann, wenn er den Teamgedanken in Gefahr sehe: «Er weiss genau, wann er eingreifen muss», so der Assistent und fügt an: «Wir sind kein Streichelzoo.»

«Sicherheit ausstrahlen»

Eine von Tarones Aufgaben ist es, nach Partien mit jenen Spielern zu trainieren, die nicht zum Einsatz gekommen sind. Dabei ist psychologisches Geschick besonders gefragt. Als Assistent ist er sowohl Vertrauensperson der Spieler als auch Bindeglied zwischen Akteuren und Trainer. Und wenn es im Umfeld unruhig werde, sei vor allem eines wichtig: «Jeff und ich müssen Sicherheit ausstrahlen. Wir sind dann die Felsen in der Brandung.»