St. Gallens Erfolgstrainer Peter Zeidler vor dem Spiel beim FCL: «Ich strahle mehr Ruhe aus»

Peter Zeidler spielt mit seinem jungen St.Galler Team attraktiven und erfolgreichen Fussball. Am Sonntag (16.00) ist er zu Gast in Luzern.

Daniel Wyrsch
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Hat St.Gallen in die Top 3 geführt: Peter Zeidler.

Hat St.Gallen in die Top 3 geführt: Peter Zeidler.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Wie haben Sie es geschafft, nach einer ersten Saison mit Höhen und Tiefen, den FC St.Gallen im zweiten Jahr in den Top 3 zu etablieren?

Peter Zeidler: Von etablieren möchte ich nicht reden, es ist noch unter Beweis zu stellen, dass wir unter den besten drei Mannschaften der Liga etabliert sind. Zu den Leistungen: Wir können unter anderem vom fantastischen Abschied von Tranquillo Barnetta am Ende der vergangenen Saison profitieren, er erzielte in seinem letzten Spiel für St.Gallen beim 4:1-Heimsieg über Meister YB ein Tor. Da zeichnete sich ab, dass wir in der laufenden Saison angreifen können. Die Spieler tragen zum Erfolg einen wichtigen Teil selber mit ihren Ideen bei. Ausserdem profitieren wir von unserer tollen Beziehung zum Publikum. Die Fans helfen uns sehr. Trotzdem bin ich immer noch vorsichtig.

Trauen Sie dem Erfolg nicht?

Schauen Sie, wir werden mit Lob überschüttet. Ich wehre mich nicht gegen die Euphorie, aber wir müssen zuerst beweisen, dass wir über längere Zeit konstant sind. Darum bin ich vorsichtig. Auswärts wackeln wir hin und wieder noch. Dank hervorragendem Teamgeist blieben wir die letzten Monate allerdings von Rückschlägen verschont.

Immer wieder fällt auf, mit welchem Enthusiasmus Sie bei der Sache sind. Wie gelingt es Ihnen, dass dieses Feuer ständig brennt?

Ich habe mich auch verbessert, strahle mehr Ruhe aus. Weniger Gestik am Spielfeldrand ist manchmal mehr. Dem Team tut es gut, wenn ich mehr Gelassenheit zeige. Feuer habe ich natürlich, das muss ein Trainer besitzen. Ich habe die Begeisterung wahrscheinlich noch in diesem Masse, weil ich erst vor zehn Jahren Vollzeit-Profitrainer geworden bin. Zuvor war ich daneben im Teilpensum Lehrer. Trotz meinen 57 Jahren bin ich noch fast ein Frischling. Als Spieler war ich nie Profi, wohl darum habe ich mir diese Freude, Begeisterung und Frische am Fussball bewahrt.

Aufgefallen ist Ihre enorme Begeisterung auch beim EM-Quali-Tor Ihres Spielers Cedric Itten zum 1:0-Sieg über Georgien in St.Gallen.

Viele Leute haben mich darauf angesprochen. Es ist schon verrückt, was mit Cedric passiert ist. Zuerst war er gar nicht vorgesehen fürs Nationalteam, dann kommt er ins Spiel, weil sich Seferovic verletzte. Und niemand hätte gedacht, dass die Partie so verläuft – und schliesslich schiesst er das wohl entscheidende Tor zur EM. Da muss man sich freuen dürfen – auch als Nichtbeteiligter. Wobei ich natürlich zu Cedric Itten eine enge Beziehung habe. Schon bis September des Vorjahres war er ein wichtiger Stürmer für uns, ehe er sich schwer verletzte. Wir haben mit ihm darauf hingearbeitet, dass er jetzt wieder in dieser starken Verfassung ist.

Am Sonntag geht’s zum FC Luzern. Was erwarten Sie?

Sie kennen die Geschichte (die letzten zehn Liga-Partien hat der FCL gegen St.Gallen gewonnen; Anm. der Red.). Mit jedem Spiel wird die Chance grösser, dass die Serie endet. Luzern hat zuletzt oft verloren, doch Ndiaye und Schürpf sind gefährliche Angreifer, Müller ein überragender Torwart. Dass Eleke gesperrt ist, muss kein Nachteil sein. Wir haben Respekt, aber sicher auch unsere Chance.