St. Gallen wie in guten Zeiten

Der FC St. Gallen feiert mit dem 5:1 gegen Aarau den höchsten Saisonsieg und belegt eine Runde vor Schluss wieder Rang fünf. Mann des Spiels ist der vierfache Torschütze Goran Karanovic. Die Aargauer hingegen verabschieden sich in die Challenge League.

Patricia Loher
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Der 22jährige Michael Eisenring (rechts) gibt in St. Gallens Innenverteidigung ein vielversprechendes Début. (Bild: Benjamin Manser)

Der 22jährige Michael Eisenring (rechts) gibt in St. Gallens Innenverteidigung ein vielversprechendes Début. (Bild: Benjamin Manser)

FUSSBALL. Plötzlich waren all die Schwierigkeiten weit weg. Nach dem zwischenzeitlichen 1:1 in der 53. Minute spielte und kombinierte St. Gallen, als hätte es nie eine Krise gegeben. Die Zuschauer spendeten viel Applaus, Goran Karanovic, den Mann des Spiels, verabschiedeten sie mit einer stehenden Ovation. Karanovic war zwischen der 67. und 74. Minute gegen die überforderten Aarauer ein Hattrick gelungen: Er traf zum 2:1, zum 3:1 und zum 4:1. Bereits nach einer Viertelstunde hatte der Stürmer das 1:0 erzielt.

Mit neun Treffern ist der 27-Jährige nun St. Gallens bester Torschütze, obwohl er oft nicht der Startformation angehört hatte. Noch ist offen, wie es mit Karanovic weitergeht. Bezüglich seines Vertrages bestehen nach wie vor unterschiedliche Ansichten. Nach der Partie gegen Aarau machte der Spieler klar: «Ich beantworte nur Fragen zum Spiel.» Sein Trainer Jeff Saibene sagte: «Wir möchten ihn behalten. Ich denke nicht, dass Karanovic unbedingt weg will.»

«Das Beste herausholen»

Dank des zweiten Heimsiegs in Folge sind St. Gallens Chancen auf die Europa League eine Runde vor dem Saisonende und trotz einer insgesamt enttäuschenden Rückrunde nach wie vor intakt. Sion und Luzern sind um zwei beziehungsweise drei Punkte distanziert. In der letzten Runde treffen diese beiden Teams aufeinander, während St. Gallen am Freitag zu Meister Basel reisen muss. «Wir versuchen, das Beste herauszuholen», sagte Saibene. Auch ihm ist bewusst: Selbstverständlich ist es nicht, dass die Ausgangslage nach wie vor gut ist, um sich Rang fünf zu sichern. Dieser Platz wird zur Teilnahme an der Europa League berechtigen, wenn sich Basel nach dem Meistertitel auch den Cupsieg sichert. Im Cupfinal empfangen die Basler am 7. Juni den FC Sion.

Début von Michael Eisenring

Es gibt also doch auch Positives beim FC St. Gallen, auch wenn die Beurlaubung von Sportchef Heinz Peischl noch nachklingt. Zu den positiven Aspekten von gestern zählen nebst Karanovic und einer insgesamt tadellosen Mannschaftsleistung auch das praktisch fehlerlose Début des jungen Michael Eisenring. Der 22-Jährige bildete mit Pascal Thrier die zentrale Abwehr, nachdem Captain Stéphane Besle und Roy Gelmi gesperrt ausfielen, Daniele Russo verletzt war und Nisso Kapiloto auf der Ersatzbank hatte Platz nehmen müssen. Danijel Aleksic im zentralen Mittelfeld fiel durch gefährliche Pässe auf, seine präzise Flanke in der 16. Minute stand am Ursprung des 1:0 durch Karanovic. Ebenfalls auffällig agierte Everton, obwohl er sich erneut eine Verwarnung abholte. Zudem verlieh die Einwechslung von Marco Mathys in der 64. Minute neuen Schub. «Wir haben heute unser schönstes Gesicht gezeigt», sagte Saibene.

Aber natürlich vergassen sowohl er als auch Karanovic nicht zu erwähnen, dass sie mitleiden mit dem FC Aarau, der nach zwei Jahren in der Super League absteigt. Saibene verbrachte acht Jahre bei den Aargauern, Karanovic ist im aargauischen Dottikon aufgewachsen. «Meine Gefühle sind gemischt», sagte St. Gallens Stürmer. Für Aaraus Trainer Raimondo Ponte stand aber fest: «Wir sind nicht heute abgestiegen.»