St. Gallen verpasst den Halbfinal

Der St. Galler Cuptraum ist ausgeträumt. Der souveräne Leader der Challenge League unterliegt dem FC Winterthur in einem attraktiven Viertelfinal 4:5 im Penaltyschiessen. Der Unglücksrabe ist Alberto Regazzoni, der nur den Pfosten trifft.

Markus Zahnd/Winterthur
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St. Gallens Oscar Scarione kann Winterthurs Torhüter Christian Leite nicht überwinden. (Bild: Urs Bucher)

St. Gallens Oscar Scarione kann Winterthurs Torhüter Christian Leite nicht überwinden. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. In Cupspielen geht es nur um eines: Gewinnen und in die nächste Runde einziehen. Den Viertelfinal zwischen den zwei Challenge-League-Clubs FC Winterthur und FC St. Gallen jedoch nur auf das Weiterkommen der Zürcher zu reduzieren, würde zu kurz greifen. Denn die 8400 Zuschauer auf der erstmals ausverkauften Schützenwiese sahen nicht einfach nur den Sieg eines Teams. Sie sahen 120 Minuten mitreissenden Offensiv-Fussball voller Spannung und Emotionen.

Beide Mannschaften trugen ihren Teil zur spektakulären Partie bei. Denn es schien, als hätten die Trainer ihren Spielern einzig den Weg nach vorne vorgegeben. Und die Akteure setzten die Anweisung konsequent um. Denn bereits in der dritten Minute jubelten die zahlreichen St. Galler Anhänger lautstark, doch Oscar Scariones Treffer wurde wegen Foulspiels aberkannt. Dennoch war diese Aktion der Startschuss in eine erste Halbzeit, in welcher die Zuschauer kaum nachkamen mit dem Zählen der Chancen – und zwar auf beiden Seiten.

Zwei Treffer innert zwei Minuten

Gerade als die Zürcher etwas im Vorteil zu sein schienen, konnten die St. Galler aber doch noch als erste jubeln: Der starke Marco Mathys setzte in der 17. Minute nach einem nicht gepfiffenen Foul an Manuel Sutter energisch nach und traf aus spitzem Winkel zum 1:0. Nur zwei Minuten später doppelte Sutter nach und erhöhte auf 2:0. Die Zürcher zeigten sich davon allerdings kaum geschockt. Sie stiegen einfach noch eine Spur härter in die Zweikämpfe – teilweise an der Grenze des Erlaubten –, vergassen dabei aber das Kombinieren nie. Und sie wurden dafür belohnt, Luca Radice erzielte in der 26. Minute den Anschlusstreffer.

Nun entwickelte sich eine ausgeglichene Partie. Die St. Galler, deren Trainer Jeff Saibene wieder auf ein 4-1-4-1-System setzte, erarbeiteten sich dabei zwar nicht mehr, aber die deutlich besseren Torchancen. Allerdings konnten sie diese nicht nutzen. So zielstrebig sie sich bei den ersten beiden Treffern zeigten, so umständlich oder nonchalant agierten sie vor dem Winterthurer Gehäuse.

Scariones vergebene Chance

Besonders deutlich wurde das in der 78. Minute: Nico Abegglen bediente Scarione, doch der erneut nicht überzeugende Regisseur vergab leichtfertig – und verpasste die Entscheidung zugunsten der Gäste. Zu locker war indes nicht nur Scariones Abschluss, sondern das Auftreten des gesamten Teams in der letzten halben Stunde. St. Gallen wurde immer passiver und überliess Winterthur immer mehr den Ball.

Die Zürcher nahmen das Angebot an. Sie wirkten zwar müde, doch aufgegeben haben sie nie. Dafür wurden sie belohnt. Patrick Bengondo erzielte in der 82. Minute den verdienten Ausgleich. Die Zürcher nahmen den Schwung in die Verlängerung mit. Sie kamen noch einige Male gefährlich vor das Tor, doch sowohl Goran Antic als auch Bengondo scheiterten.

Winterthurs bessere Nerven

So musste das Penaltyschiessen über Weiterkommen und Ausscheiden entscheiden. Nachdem sie also 120 Minuten lang die Nerven der Zuschauer arg strapaziert hatten, mussten nun die Spieler die Nerven behalten. Und wie bereits im Achtelfinal gegen die Young Boys zeigten sich die Winterthurer abgebrühter. Sie verwandelten sämtliche fünf Penalties souverän, St. Gallens Alberto Regazzoni hingegen traf nur den Pfosten – und beendete damit den St. Galler Cuptraum.