St. Gallen ist Zürichs Strohhalm

Dem FC St. Gallen kommt im Abstiegskampf eine tragende Rolle zu. Sollten die Ostschweizer morgen in Lugano verlieren, steigt der FC Zürich ab. Im Fokus steht auch Vaduz' Armando Sadiku, der gegen die Zürcher nicht antreten will.

Patricia Loher
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FUSSBALL. Am Sonntag war Joe Zinnbauer angefressen. Immer wieder hatte sich St. Gallens Trainer in den vergangenen Wochen vor seine Spieler gestellt. Nach dem 1:4 gegen Luzern aber war Schluss damit. «Wenn fünf aus meiner Mannschaft mit angezogener Handbremse spielen, geht das nicht», sagte der Deutsche. Oder: «Wir haben einfach zugeschaut, welch schöne Tore die Luzerner erzielten.» Nach einer insgesamt guten ersten Halbzeit gelang es St. Gallen einmal mehr in dieser Saison nicht, das Niveau auch nach der Pause zu halten. Das erzürnte den Trainer.

Weil die Worte «Ferienmodus» oder «Freibad-Fussball» in der AFG Arena die Runde machten und die St. Galler von den vergangenen 13 Partien nur gerade zwei gewannen, bereitet der Zustand der Ostschweizer derzeit nicht nur Zinnbauer, sondern auch dem FC Zürich Sorgen. Morgen steht in der Super League die letzte Runde auf dem Programm und dem FC St. Gallen, der sich selber erst gerade vor einer Woche den Ligaerhalt gesichert hat, kommt im Abstiegskampf eine tragende Rolle zu. Die Ostschweizer gastieren in Lugano, das einen Punkt mehr auf seinem Konto hat als die Zürcher, die im Letzigrund den FC Vaduz empfangen.

«Hoffen auf den Fussball-Gott»

Der Traditionsclub aus Zürich, zuletzt 2009 Meister und am Sonntag im Cupfinal, kann den Ligaerhalt nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Sobald Lugano den FC St. Gallen bezwingt, nützt den Zürchern auch ein hoher Sieg gegen Vaduz nichts. Dann wäre der erste Abstieg des FC Zürich seit 28 Jahren besiegelt. Uli Forte, der die Zürcher seit zwei Spielen trainiert, sagte nach dem 2:2 in Sitten: «Wir müssen hoffen, dass der Fussball-Gott ein FC-Zürich-Fan ist.» Der frühere St. Galler Trainer schob nach: «Ich hoffe, dass sich die St. Galler sportlich verhalten, sie bis zum Schluss durchziehen und die Meisterschaft nicht verfälschen.» Er sei aber überzeugt, dass Zinnbauer seine Jungs so einstellen werde, «dass es für sie um etwas geht».

Sadiku: «Zu gefährlich»

Natürlich weiss auch Forte: Zuerst muss seine Mannschaft morgen Vaduz bezwingen, um überhaupt noch eine Chance auf den Ligaerhalt zu haben. Eine Personalie steht dabei besonders im Fokus. Armando Sadiku, den der FC Zürich im Winter nach Vaduz ausgeliehen hat, wird in der entscheidenden Direktbegegnung wohl nicht zum Einsatz kommen. Gegenüber dem «Blick» sagte er: «Ich will und werde nicht spielen. Es ist einfach zu gefährlich und es steht zu viel auf dem Spiel, ich werde den FC Zürich nicht abschiessen.» Vielmehr werde er zur albanischen Nationalmannschaft einrücken, so der 24jährige Stürmer, der in dieser Rückrunde für die Liechtensteiner sieben Tore erzielt hat. Sein Trainer Giorgio Contini sagte gegenüber dem «Liechtensteiner Vaterland», Sadiku trage schon länger einen Rucksack mit, wohl wegen Zürichs heikler Lage.

Sadikus Leihvertrag in Vaduz endet im Juni. In Zürich verfügt er noch über einen Kontrakt bis 2018. So wird dem Albaner wohl nicht zugemutet, morgen im Letzigrund auflaufen zu müssen. Für den FC Zürich ist das im spannendsten Abstiegskampf seit Jahren eine gute Nachricht. Weniger erfreut ob Sadikus Absage dürfte man in Lugano sein.