St. Gallen ist besser unterwegs als in der vergangenen Saison – zumindest, was die Punkte betrifft

Nach zwei Niederlagen des FC St. Gallen in Folge wird in Kommentarspalten Ursachenforschung betrieben. Die Chancenauswertung! Die fehlende Effizienz! Das Defensivverhalten! Vielleicht hilft der Vergleich mit der vergangenen Saison, den Ball vorerst flach zu halten.

Ralf Streule
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St. Gallen spielt, Basel jubelt: Der Sonntagabend, kurz zusammengefasst.

St. Gallen spielt, Basel jubelt: Der Sonntagabend, kurz zusammengefasst.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Sechs Runden sind gespielt, der FC St. Gallen steht auf dem zweiten Rang. Was nach einem grossartigen Resultat tönt, gilt es zu relativieren. Einerseits hatten die Ostschweizer als einziges Team der Liga bisher keine Spielausfälle zu beklagen. Anderseits dämpfen die zwei Niederlagen gegen Lugano und Basel die Euphorie, die zu Beginn der Saison schon wieder aufkeimte. Auch wenn das Spiel der St. Galler gegen Basel wiederum engagiert und lebendig war: Die Suche nach Mängeln hat in den Kommentarspalten begonnen. Offensiv zu wenig abgeklärt und effizient, finden die einen. Zu mutig und deshalb anfällig in der Defensive, die anderen. Immerhin: Der Corona-Blues scheint die Fans zumindest nicht davon abzuhalten, mit ihrem Team mitzufiebern.

In der «Super-Saison» hatten die St. Galler zum gleichen Zeitpunkt weniger Punkte

Ein Vergleich mit dem vergangenen Jahr könnte den Optimismus etwas zurückbringen. Damals hatten die St. Galler nach sechs Runden sieben Punkte auf dem Konto - diesmal sind es zehn. Dass der Anfang der vergangenen Saison eher harzig war, geht ob den Eindrücken der zweiten Saisonhälfte gerne vergessen. Niederlage gegen Luzern, Niederlage gegen Zürich, Niederlage gegen die Young Boys und nur ein Punkt in Neuenburg. Auch damals war die Rede von dominantem aber wenig effektivem Spiel - mit Ausnahme des Gastspiels in Basel, das 2:1 ausging.

Es war just nach Runde sechs, als die St. Galler 2019 ihren Höhenflug begannen. Zeidler stellte damals seine Taktik um: Von einem Dreiersturm wich er ab, zog einen Stürmer etwas zurück - und bildete so im Mittelfeld eine Raute, welche bis heute als Erfolgsmodell im St. Galler Spiel gilt.

Weitere Schritte sind denkbar, der grosse Sprung weniger

Wie stehen die Chancen, dass der Höhenflug auch in diesem Jahr mit Runde sieben beginnt? Sie sind kleiner als 2019. Nicht nur, weil der Gegner in der nächsten Runde Young Boys heisst (und dann, nach der Nationalmannschaftspause, Lausanne). Sondern auch, weil eine prägnante, Schwung bringende Taktikänderung wie vor einem Jahr nicht realistisch scheint. Denkbar sind aber immerhin «weitere Schritte», wie sie Peter Zeider angekündigt hat - also kontinuierliche Verbesserungen eines gut eingespielten Teams.

Sechs Tore pro 100 Abschlussversuche - diesbezüglich hat St. Gallen Luft nach oben

Ja, der FC St. Gallen hat sein Spiel gefunden - was aber gleichzeitig auch bedeutet, dass die Gegner ihre Taktik inzwischen besser auf die Ostschweizer auszurichten wissen. So war dies in den vergangenen zwei Spielen gegen Lugano und Basel zu sehen. Phasenweise zogen die Gegner einen Defensivriegel auf, der die St. Galler vermehrt zu Weitschüssen zwang. Dies treibt zwar die Schussstatistik nach oben, aber eben nicht die Torquote. Zehn Tore pro 100 Abschlüsse schafften die Ostschweizer Anfangs vergangener Saison - diesmal sind es zum gleichen Zeitpunkt sechs pro 100 Abschlüsse. In diesem Zusammenhang muss auch gesagt sein: Aus der Ferne waren die St.Galler vor einem Jahr weit treffsicherer. Zum Beispiel Jordi Quintillà per Freistoss.

Derzeit gelingt im Schnitt ein Treffer pro Spiel

In der Offensive war im Spiel gegen Basel dennoch der erwähnte Schritt nach vorne zu sehen: Kwadwo Duah ist inzwischen mehr eingebunden, die Laufwege stimmen, wie sich beim 1:1 zeigte. Und da ist Boris Babic, der in den ersten zehn Minuten zeigte, dass er über kurz oder lang wieder eine Teamstütze sein wird. Natürlich, Cedric Itten und Ermedin Demirovic werden vermisst. Der Toreschnitt der St. Galler liegt derzeit bei einem Treffer pro Spiel, vergangene Saison waren es bis zum Ende über zwei. Doch auch hier: Das Torfestival begann erst nach Runde sechs.