St. Gallen darf durchatmen

Der FC St. Gallen reagiert auf die dürftige Leistung des Cup-Achtelfinals. Im zweiten Spiel innerhalb von vier Tagen gegen Luzern gewinnen die Ostschweizer dank eines Tores von Edgar Salli und einer kämpferisch tadellosen Leistung 1:0.

Patricia Loher
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St. Gallens Geoffrey Tréand (am Boden) gegen Luzerns Jérôme Thiesson. Hinten: Silvan Hefti. (Bild: Benjamin Manser)

St. Gallens Geoffrey Tréand (am Boden) gegen Luzerns Jérôme Thiesson. Hinten: Silvan Hefti. (Bild: Benjamin Manser)

FUSSBALL. Als sie überstanden waren, die ersten 90 Minuten nach der enttäuschenden Leistung gegen den selben Gegner im Cup, war es für die St. Galler eine Erleichterung. Sie hatten die Ärmel hochgekrempelt, sie hatten reagiert und den Gegner richtiggehend niedergekämpft. Ihr Trainer Joe Zinnbauer sagte: «Der Tüchtigere hat gewonnen.» Wenn sie weiterhin so kämpferisch und konzentriert auftreten würden, sei immer etwas zu holen, so der Deutsche.

Das 1:0 gegen die Zentralschweizer war St. Gallens erster Sieg seit fünf Pflichtspielen und dem 1:0-Heimerfolg gegen Thun am 22. September. Die drei Punkte gegen die auswärtsstarken Luzerner sind auch in der Tabelle Gold wert. Der Vorsprung auf den letztklassierten FC Zürich beträgt nun sechs Punkte. St. Gallen hat vor dem Auswärtsspiel am Sonntag in Thun bei seinem früheren Trainer Jeff Saibene wieder etwas Luft, um wenigstens für einen Moment durchzuatmen.

Packende zweite Halbzeit

Vor allem die letzten 30 Minuten hatten es gestern in sich und waren beim Stand von 1:0 für die Gastgeber nichts für schwache Nerven: Luzern drückte, es suchte den Ausgleich und traf nur die Latte. St. Gallen gelang es nicht, dem Ball Sorge zu tragen, um so der Druckphase der Gäste zu entkommen. Es konterte zwar, tat das aber oft zu wenig konsequent und scheiterte kurz vor dem Schlusspfiff zweimal hintereinander an Goalie David Zibung. St. Gallen, das schon vor Luzerns Aufbäumen zwei gute Chancen auf das 2:0 vergeben hatte, musste in der Schlussphase das Glück in Anspruch nehmen. Doch insgesamt ging der Sieg doch in Ordnung. Die Ostschweizer haben nebst dem Kampfgeist vor allem mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung überzeugt. Keiner fiel ab, alle traten engagiert auf.

Dabei waren die Voraussetzungen schwierig gewesen: Alain Wiss, bis anhin einer der konstantesten St. Galler, fiel verletzt aus. Der emsige Antreiber Everton musste gesperrt zuschauen. Hinzu kam die Ungewissheit, ob die ungenügende Leistung im Cup Spuren hinterliesse. Doch St. Gallen wehrte sich nach Kräften. Keiner seiner Spieler sei eingeschüchtert gewesen, so Zinnbauer. Sein Team kämpfte sich in dieses Spiel, die Körpersprache war eine andere als noch am Mittwoch: St. Gallen war präsenter und zweikampfstärker. Diese Ausstrahlung goutierte das Publikum früh. St. Gallens Beginn war zwar etwas unstrukturiert, doch je länger das Spiel dauerte, desto besser ordneten sich die Gastgeber. Luzern bekam jedenfalls kaum Raum und Zeit, um sich zu entfalten. St. Gallen rückte gut nach, war mehr in Bewegung als im Cup und trat kompakt auf. Eine beeindruckende Leistung gelang vor allem Martin Angha in der Innenverteidigung. Der Zürcher war kopfballstark und präsent. Er führte eine junge Abwehr an, ihr Durchschnittsalter betrug gerade einmal 20,75 Jahre. Zum erstenmal seit dem 1:0 im September gegen Thun blieb St. Gallen wieder ohne Gegentor. Angha sei überragend und seinen Teamkollegen eine grosse Stütze gewesen, sagte sein Trainer. Gut möglich, dass St. Gallen seinen Abwehrchef nun gefunden hat.

Tréands perfekte Vorarbeit

Initiativ waren auch Steven Lang und Geoffrey Tréand, der in den vergangenen fünf Pflichtspielen nicht mehr zum Einsatz gekommen war. Höhepunkt für den Franzosen war die Vorarbeit zum 1:0 von Edgar Salli in der 33. Minute. Tréand hatte einen Ball direkt in die Schnittstelle auf den wirbligen Kameruner Salli weitergeleitet. Luzerns Trainer Markus Babbel sagte: «St. Gallen hat uns den Schneid abgekauft. Dabei wussten wir, was nach dem Cupspiel auf uns zukommen würde. Da brauchte man sich ja nur in St. Gallens Lage zu versetzen.»

Mehr Bilder zum Spiel auf www.tagblatt.ch