St. Gallen benötigt Schub

Nach dem 2:2 beim FC Zürich empfängt St. Gallen in dieser Woche zweimal Luzern. Vor allem in der Meisterschaft brauchen die St. Galler einen Befreiungsschlag. Vor einem Jahr durften sie sich noch in eine andere Richtung orientieren.

Patricia Loher
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FUSSBALL. Viel Zeit bleibt St. Gallen nicht, um das in letzter Sekunde erkämpfte 2:2 beim letztklassierten FC Zürich aufzuarbeiten. Schon am Mittwoch empfangen die Ostschweizer im Cup-Achtelfinal den FC Luzern, vier Tage später gastieren die Zentralschweizer auch in der Super League in St. Gallen. Die Mannschaft von Trainer Joe Zinnbauer muss im zweiten Spiel gegen Luzern auf Everton verzichten. Der Brasilianer ist nach seiner achten gelben Karte gesperrt. Dafür kehrt Mario Mutsch zurück, der in Zürich aussetzen musste. Vor allem in der Meisterschaft wächst der Druck auf St. Gallen. Wenigstens wahrte es am Samstag den Vierpunktevorsprung auf Zürich.

Vor einem Jahr war alles anders

Vor einem Jahr durfte sich der Club noch in eine andere Richtung orientieren. St. Gallen, so unsere Zeitung damals, sei nun ein Spitzenteam. Es war so wie am Samstag ebenfalls die 13. Runde gewesen, die Ostschweizer hatten mit einem Unentschieden beim damaligen Leader FC Zürich Rang drei gefestigt. Sechs Siege, vier Unentschieden, drei Niederlagen: Es war eine gute Bilanz.

Ein Jahr später ist alles anders. Fast genau 365 Tage nach dem 1:1 im Oktober 2014 war die Begegnung zwischen dem FC Zürich und St. Gallen kein Spitzenspiel sondern eine Partie im Zeichen des Abstiegskampfs. Der FC Zürich ist nicht mehr Leader, sondern klebt am Tabellenende. Der Gegner aus St. Gallen läuft Gefahr, ebenfalls abzurutschen. Das Spiel endete 2:2. Glücklich waren nur die Ostschweizer, ihr Ausgleich durch Dzengis Cavusevic fiel in der Nachspielzeit. St. Gallens Bilanz in dieser Saison nach 13 Spielen: drei Siege, vier Unentschieden, sechs Niederlagen.

St. Gallen kommt auch nach dem Trainerwechsel nicht richtig vom Fleck. Dabei zeigt ein Vergleich der beiden Mannschaften von 2014 und 2015 auf den ersten Blick kaum gewichtige Veränderungen auf. Der Startformation in Zürich vor einem Jahr gehörten mit Roberto Rodriguez und Stéphane Besle bloss zwei Spieler an, die den Club unterdessen verlassen haben. Alle anderen sind noch immer da: Es spielten Cavusevic, Dejan Janjatovic, Marco Mathys, Yannis Tafer, Everton, Mickaël Facchinetti, Daniele Russo, Pascal Thrier und Daniel Lopar. Eingewechselt wurde Goran Karanovic, der das 1:1 erzielte. Bis anhin noch nicht kompensieren konnte St. Gallen vor allem, dass es die Hälfte seiner vier besten Torschützen verlor. Rodriguez und Karanovic waren, obwohl nicht regelmässig von Beginn an im Einsatz, für 16 Tore verantwortlich. Sie gehörten in der vergangenen Saison zu den vier erfolgreichsten St. Gallern. St. Gallens bester Skorer war Yannis Tafer. Er erzielte acht Tore und lieferte neun Vorlagen. Auch Cavusevic reihte sich unter den besten vier seines Teams ein.

Was passiert im Winter?

Nun aber fehlt St. Gallens Offensive der Schwung, ihr fehlt ein Antreiber. Es zeichnet sich ab, dass die Verantwortlichen wohl nicht darum herum kommen werden, im Winter zu handeln. Vielleicht wird plötzlich der Vaduzer Markus Neumayr wieder zum Thema. Sein Vertrag in Liechtenstein läuft Ende dieser Saison aus. St. Gallen zeigte bereits vor wenigen Monaten Interesse am Deutschen, sah danach aber von einer Verpflichtung ab.

Trotz zäher Auftritte gibt es sie beim FC St. Gallen auch, die Lichtblicke. Zu ihnen gehören Roy Gelmi und Silvan Hefti. Gelmi, der am Samstag zum Ostschweizer Fussballer des Jahres gewählt wurde, führt als erst 20-Jähriger seine Mannschaft als Captain. Und Hefti, der gestern seinen 18. Geburtstag feierte, lieferte im Letzigrund einen soliden Auftritt. Mit Martin Angha und Alain Wiss haben die St. Galler zudem zwei gute Transfers getätigt. In Zürich habe seine Mannschaft Moral gezeigt, sagte Trainer Zinnbauer. Vielleicht hilft Cavusevics Treffer, dass sich der Knoten bald löst.