St. Gallen behält die Nerven

Der FC St. Gallen erzwingt im Schlüsselspiel in Bellinzona das Glück. Die Ostschweizer besiegen ebenbürtige Tessiner mit 3:1. Drei Runden vor Saisonende und vor dem Heimspiel gegen Luzern schliesst St. Gallen gar zu Rang acht auf.

Patricia Loher/Bellinzona
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Mit letztem Einsatz: St. Gallens Goalie Daniel Lopar rettet vor Bellinzonas Torschütze Mauro Lustrinelli. (Bild: ky/Samuel Golay)

Mit letztem Einsatz: St. Gallens Goalie Daniel Lopar rettet vor Bellinzonas Torschütze Mauro Lustrinelli. (Bild: ky/Samuel Golay)

Fussball. Spiele des FC St. Gallen sind in dieser Saison nichts für schwache Nerven. So wie schon beim 2:2 gegen den FC Zürich musste er auch im Schlüsselspiel in Bellinzona im denkbar ungünstigsten Moment ein Gegentor hinnehmen – zwei Sekunden nach dem 1:1 durch Mauro Lustrinelli pfiff der Schiedsrichter die erste Halbzeit ab. Vieles deutete auf die nächste Wiederholung unglücklicher Ereignisse hin, zumal St. Gallen nach der Pause wankte. Doch erstmals überhaupt in dieser Meisterschaft haben sich die Ostschweizer das Glück erzwungen. Die Entscheidung fiel, als der herauseilende St. Galler Torhüter Daniel Lopar in der 74. Minute anstatt des Balls Frank Feltscher traf, dafür allerdings von Schiedsrichter Jérome Laperrière weder mit einem Penalty noch mit einem Platzverweis bestraft wurde.

Der Penalty zum 2:1

St. Gallen war im Glück, atmete dreimal tief durch und fast im Gegenzug erhielten die Ostschweizer zugesprochen, was Bellinzona zuvor verweigert worden war: Das Foul an Alberto Regazzoni war penaltywürdig gewesen – Oscar Scarione traf zehn Minuten vor dem Ende zum 2:1. Der Schiedsrichter tat sich in der Folge schwer, in der hitzigen Atmosphäre den Überblick zu behalten. Der Abstiegskampf war hektisch und giftig. Erholen konnte sich Bellinzona nicht mehr, nach 86 Minuten erzielte Regazzoni das entscheidende 3:1.

Es wird in der Ostschweiz niemanden kümmern, dass sich Bellinzona den Sieg ebenso verdient hätte, weil St. Gallen zumeist zu wenig getan hatte, um auszustrahlen, unbedingt in dieser Liga bleiben zu wollen. Phasenweise waren die Gäste in der zweiten Halbzeit komplett von der Rolle: Nachdem Bellinzona schon in der ersten Halbzeit lediglich den Pfosten getroffen hatte, setzten die Tessiner auch beim Stand von 1:1 einen Kopfball an den Pfosten. Den Unterschied machte wohl, dass die St. Galler trotz der Ausgangslage und vieler Fehler länger geduldig blieben und länger einen kühlen Kopf bewahrten als die Tessiner. So brachten die Ostschweizer trotz Schwächephasen zu einem guten Ende, was sie schon positiv begonnen hatten.

Owona trifft erneut

St. Gallen war auf bestem Weg, das so wichtige 1:0 in die Pause zu bringen. Nach 15 Minuten hatte Brice Owona sein persönliches Fussballmärchen weitergeschrieben, als er seine Mannschaft nach einem Freistoss aus einem Getümmel in Führung brachte. Es war die erste wirklich gute Chance der Gäste gewesen. Sie konnten ihre Nervosität nur selten verbergen. Zudem gelang es ihnen nie, Kontermöglichkeiten wenigstens mit einer guten Möglichkeit zu Ende zu bringen. Bellinzona agierte zielstrebiger und lange war St. Gallen das Glück hold, bis wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff Lustrinelli das verdiente 1:1 erzielte. St. Gallen hatte zu wenig unternommen, um eine Vorentscheidung herbeizuführen. Am Ende allerdings braucht sie das nicht zu kümmern, müssen sie sich lediglich bewusst sein, dass sie am Samstag zu Hause gegen Luzern die Bestätigung folgen lassen müssen. Dann sieht die Welt noch nicht perfekt, aber definitiv schon wieder deutlich besser aus.

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