Studie: Sportmuffel kommen wegen Corona in Bewegung, Sportler machen weniger

Gemäss einer Studie war die Schweizer Bevölkerung in der Coronakrise weniger sportlich aktiv als zuvor. Dies trifft aber nicht auf alle zu.

Simon Leser
Drucken
Teilen
Gemäss einer Studie machte die Schweizer Bevölkerung während der Coronakrise weniger Sport.

Gemäss einer Studie machte die Schweizer Bevölkerung während der Coronakrise weniger Sport.

Keystone

Die Corona-Restriktionen haben das Bewegungsmuster der Schweizer Bevölkerung verändert. Doch sind die Menschen sportlicher geworden? Oder hat sich die sportliche Betätigung wegen verbotener Vereinstrainings auf ein Minimum reduziert? Diese Fragen stellt eine internationale Studie, die von der Universität Potsdam initiiert wurde. Für die Datenerhebung in der Schweiz sind Wissenschafter der Universität Bern verantwortlich. Die Erhebung läuft noch bis am Montag, doch vorläufige Tendenzen sind bereits erkennbar. Von den über 2000 Schweizer Teilnehmern der Studie haben 40 Prozent ihre sportliche Betätigung während des Lockdown gegenüber der Zeit zuvor nicht verändert. 20 Prozent betrieben mehr, 40 Prozent weniger Sport. «Bei den Befragten nahmen tendenziell die Intensität und die Dauer der Sporteinheiten ab», sagt Valentin Benzing, Sportwissenschafter der Uni Bern und Mitverantwortlicher der Studie.

Aktive Sportler reduzieren ihr Pensum teilweise stark

Zwischen den Personengruppen gibt es Unterschiede. Ein Teil der inaktiven Personen, die normalerweise maximal einen Tag pro Woche sportlich tätig sind, wurden aktiver. «Für sie ist die aktuelle Situation eine Chance, weil sie sonst mit Angeboten schwierig zu erreichen sind», sagt Benzing. Kreative Lösungen wie Online-Challenges oder Homefitness erleichtern ihnen den Zugang zu sportlicher Aktivität.
Die Restriktionen bergen aber auch Risiken. Aktive Sportler, die normalerweise an mindestens vier Tagen aktiv sind, reduzierten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ihr Sportpensum. Ihre Betätigung lässt sich zwar einfacher reduzieren, weil sie zuvor viel Sport betrieben. Es fällt aber auf: 10 Prozent der Aktiven wurden nach der Einführung der Restriktionen inaktiv, bewegten sich also sportlich nur noch an maximal einem Tag in der Woche. Benzing überrascht dieser Wert und sieht darin Gefahren: «Inaktivität kann einen negativen Einfluss auf die physische und psychische Gesundheit haben.»

Der Wissenschafter vermutet, dass besonders Menschen, die auf ein angeleitetes Trainingsangebot angewiesen sind, in der Coronakrise inaktiver wurden. Den Lockerungsmassnahmen ab Montag sieht Benzing deswegen positiv entgegen. «Die Hoffnung ist, dass ein Teil der Zunahme der Inaktivität dadurch reduziert wird», sagt er.

Ein weiterer Bewegungsindikator sind die Daten der Krankenkassen. Bewegungsdaten der CSS-Versicherung zeigen, dass die Schrittzahlen in den ersten zwei Wochen des Lockdown deutlich sanken. Anschliessend stieg der Wert zwar wieder an. Doch rund 10 Prozent der Kunden, die ihre Bewegungsdaten teilen, haben während der Restriktionen weniger Schritte gemacht. Die Coronakrise birgt für die sportliche Betätigung Chancen und Risiken. Inaktive werden tendenziell aktiver, Aktive werden hingegen inaktiver.