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Kommentar

FCSG oder Schweizer Nati? – Sportchef Alain Sutter bringt den FC St.Gallen in Bedrängnis

Analyse zur Situation um den künftigen «Supermanager» der Nationalmannschaft: Weil dies Alain Sutter sein könnte, ist der FC St.Gallen betroffen. Der Club stünde vielleicht von jetzt auf gleich ohne Sportchef da.
Christian Brägger
Alain Sutter bei der vergangenen Vorsaison-Pressekonferenz des FC St.Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Alain Sutter bei der vergangenen Vorsaison-Pressekonferenz des FC St.Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Nach der WM in Russland war klar: In ihrem Umfeld hat die Schweizer Nationalmannschaft Optimierungs- und damit Handlungsbedarf. Am 24. November präsentierte Bernhard Heusler in Bern die Erkenntnisse, die er mit seiner Firma HWH für den Schweizer Fussballverband SFV erarbeitet hatte. Neben anderen Verbesserungen müsse ein «Supermanager» als eine Art Sportchef für die A-Nationalmannschaft her, womöglich mit Entscheidungsmacht über alle Nachwuchsauswahlen.

Bis heute dauert die Evaluation der Kandidaten an, wobei die Swiss Football League SFL laut Statuten das Vorschlagsrecht hat. Ein Name, der mal mehr, mal weniger und jetzt definitiv auf der auf zwei Personen reduzierten SFL-Liste steht, ist: Alain Sutter, der Sportchef des FC St. Gallen. Sutter selbst betonte stets, sich nicht an diesen Gerüchten zu beteiligen. Die Wirkung war dann die:

Statt dass Ruhe einkehrte mit einem klaren Bekenntnis zum FC St.Gallen, schien er mit dem Amt zu kokettieren.

Heute ist erwiesen, dass der Sportchef der Ostschweizer Bewerbungsgespräche geführt hat mit der SFL und auch mit Heusler, der eruieren sollte, ob der Lebenslauf der Anwärter und deren Karriereplan die Arbeit beim Nationalteam überhaupt ermöglichten. Oder ob sie, wie bei YB-Sportchef Christoph Spycher der Fall, dem Amt eine Absage erteilen.

Die Liga dürfte Sutter kolportieren

Wenn die SFL Sutter nach dem Verzicht Peter Knäbels nun als ihren Topkandidaten – mit dem anderen Aspiranten Pierluigi Tami – nach ihrer Sitzung vom Donnerstag portiert, wird am Montagmorgen der tagende Zentralvorstand ZV gemäss SFV-Etikette darüber befinden. Der siebenköpfige ZV besteht aus dem Zentralpräsidenten (Dominique Blanc), den drei Abteilungspräsidenten (SFL, 1.Liga und Amateure) und je einem weiteren Mitglied dieser Kammern.

Christian Brägger, Sportredaktor St.Galler Tagblatt.

Christian Brägger, Sportredaktor St.Galler Tagblatt.

Hier hat Sutter einen gewichtigen Fürsprecher in SFL-Präsident Heinrich Schifferle, die beiden kennen sich aus Winterthurer Zeiten. Auch Claudius Schäfer, der CEO der SFL, soll Sutter mehr gewogen sein als zuvor Knäbel. Es müsste also vieles schiefgehen, würde Sutter nicht gewählt.

In dieser finalen Phase wird es Sutter kaum mehr möglich sein, sich zum FC St.Gallen zu bekennen und die Gespräche abzubrechen. Es ist anzunehmen, dass Sutter so lange im Rennen blieb, weil er ein wirkliches Interesse für das Amt hat. Das ist nicht gegen ihn auszulegen, zumal der Bümplizer ein Kind der Nationalmannschaft ist, früher als Spieler, danach als Fernsehexperte. Nicht selten stellte er sich vor dem TV vor die kritisierten Schweizer, weil er eine Innensicht hat. Das schätzen die Spieler bis heute.

Sutter würde Sulser mehr als ersetzen

Im Verband würde Sutter den scheidenden Delegierten Claudio Sulser ersetzen. Vor allem müsste er nicht wie in St.Gallen vieles neu aufgleisen, vielmehr an den richtigen Rädchen drehen, Prämien aushandeln, den Trainer Vladimir Petkovic führen, Ideen bis in die U21 hinein umsetzen. Die Frage ist: Wie verhält sich die ganze Angelegenheit mit seinem aktuellen Arbeitgeber, dem FC St.Gallen?

Präsident Matthias Hüppi verneint einen Loyalitätskonflikt, er sagt, er sei zu jedem Zeitpunkt über Sutters Vorgehen informiert gewesen, und bestätigt die Vorgänge.

«Das ist doch eine Würdigung von Alains Arbeit, wir dürfen solche Gespräche nicht verbieten.»

Für Hüppi ist klar, dass Sutter seinen Job in St.Gallen zu Ende bringt und der Sportchef den Verein niemals hängen lassen würde. In Hüppis Verständnis heisst das: Sutter soll und wird im Minimum mit Coach Peter Zeidler die Kaderplanung für die anstehende Saison sauber abschliessen.

Die Parteien suchten wohl eine gemeinsame Lösung

Der FC St. Gallen und der SFV würden wohl eine Lösung suchen, die für beide Seiten befriedigend ist. Ob der SFV Sutter aus dem noch zwei Jahre gültigen Vertrag herauskaufen müsste oder der Sportchef diesen wie jeder normale Arbeitgeber aufkündigen könnte, lässt Hüppi offen. «Wir wären in jedem Fall vorbereitet und hätten einen Plan B», sagt er.

Weil es zu einer umsichtigen Führung gehöre, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. «Vor allem im Fussball.» Dennoch wäre Sutters Weggang ein Rückschlag im Bestreben des Vereins, endlich Kontinuität in die Führung zu bringen nach früheren, eher turbulenten Jahren. Erst in der Vorwoche war Zeidlers Vertrag auch mit dieser Perspektive um ein Jahr vorzeitig bis 2022 verlängert worden.

Die Rede war ständig vom Dreizack Zeidler-Sutter-Hüppi, der alles in Harmonie mache. Zeidler lobte die Zusammenarbeit, und Hüppi pflegte zu sagen:

«Kein Blatt passt zwischen uns.»

Das Trio sprach stets von der grünweissen Einheit, die mit Menschlichkeit und wenig Budget etwas bewegen wolle. Dabei sind seine Ansichten und Wesen teils recht verschieden. Im Winter 2018 kam Sutter an Bord des FC St.Gallen, es gab einen Vertrag als Sportchef über 3,5 Jahre, dem Mann mit dem grossen Renommee wurde viel Verantwortung übertragen. Gleichwohl war er ein Neuling.

Erste Risse, und schon bricht es auseinander

Grundsätzlich leistete Sutter gute Arbeit, das Team für die Saison 18/19 war trotz knappem Budget so schlagkräftig, dass es auf die Europa League schielte; aktuell lässt sich selbiges nicht behaupten. Natürlich gab es Kritiker, die sich an Sutter störten. Sie monierten den Umgang mit Spielern, die nicht seiner Gnaden waren. Und die Kommunikation, beispielsweise in der Causa Wittwer. Nach aussen wurden erste Risse innerhalb des Dreizacks sichtbar, die das Trio nie wahrhaben wollte. Und nun, kaum geht die erste Türe auf, bricht es auseinander?

War das stressige Tagesgeschäft doch nicht vereinbar mit Sutters Charakter? Offen ist, wie St.Gallen eine allfällige Lücke schliessen würde. Mit Fredy Bickel oder Heinz Moser, der als Sportchef schon einmal im Gespräch war? Oder mit einem Gremium, dem auch Zeidler und ein Kaderplaner angehörten? Das ist Zukunftsmusik. Noch ist Sutter da. Er hätte in St.Gallen eigentlich noch zu viel zu tun.

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