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Kolumne

Sport muss man nicht immer verstehen

Die Kommentatoren, Sportler und Trainer, die uns ein Spiel, einen Riesenslalom oder eine Bobfahrt am TV erklären, sprechen im Normalfall unsere Sprache. Trotzdem verstehen wir manchmal nur «Bahnhof» – wie ist das möglich?
Rene Bühler
Kolumnist René Bühler (Bild: Benjamin Manser)

Kolumnist René Bühler (Bild: Benjamin Manser)

Wenn Simon Ammann von der Wichtigkeit seiner neuen Schuhe und Ski erzählt, ist das fast wie eine Fremdsprache. Das Skispringen ist so komplex, dass man nicht verstehen kann, wieso ein Schuhwechsel einen solch grossen Einfluss haben soll. Sind das denn wirklich die entscheidenden Faktoren für die fehlenden Meter? Eine perfekte Telemarklandung wird dem Toggenburger, egal mit welchem Schuh, wohl nicht mehr gelingen. Die Erklärungen von Simon Ammann sind eine Art Kreuzworträtsel ohne Lösungswort, es fehlt aber auch das Wissen, um die Erklärungen zu verstehen.

Spürt der Schwinger, wenn dem Gegner die Puste ausgeht?

Spannend wird es auch, wenn die Schwinger im Sägemehl von Taktik reden, dabei ist man schon froh, wenn man versteht, was ein «Wyberhaagge» oder ein «Kurz» ist. Garantiert wird der «Buur» nicht nur von Bauern geschwungen und der «Brienzer», den es in diversen Varianten gibt, kommt nicht aus Brienz. In einem Interview sprach kürzlich ein Festsieger davon, dass er geduldig sein wollte und auf seine Chance gewartet habe. Man fragt sich dann, welche Chance er denn wohl gemeint hat: Spürt der Schwinger vielleicht, wenn dem Gegner die ­Puste ausgeht? Es macht Spass Sportarten nicht zu verstehen. Man kann sie trotzdem mögen.

Fragezeichen gibt es für den Amateur auch im Eiskunstlauf. Wenn eine Läuferin einen dreifachen Toeloop nicht stehen kann, gibt es Abzüge – das kann man nachvollziehen. Aber war es nun ein Salchow, ein Toeloop, ein Flip oder doch ein Rittberger? Auf Wikipedia sind die Sprünge gut beschrieben, aber die Unterschiede danach im Stadion oder am TV zu erkennen, ist wieder eine andere Sache. Auch im Skirennsport versuchen wir zu sehen, wo denn die Hundertstelsekunden liegen geblieben sind.

Man darf daran teilhaben, ohne Spezialist zu sein

Die versierten Co-Kommentatoren können oftmals erklären, warum jetzt einer im untersten Abschnitt noch so viel Zeit herausgeholt hat. Tröstlich ist es dann, wenn auch die Fachleute nicht nachvollziehen können, wo einer Zeit verloren hat. Es macht Freude, wenn man im Sport nicht immer alles erklären kann, es reicht ja schon, dass man im richtigen Leben immer alles verstehen muss. Vielleicht ist das auch der Reiz des Sportes: Man darf daran teilhaben ohne Spezialist zu sein. Und ehrlich gesagt, ich kann das Offside im Fussball auch immer noch nicht so erklären, dass es ein Nichtfussballer wirklich versteht.

Unser Kolumnist
Unter der Rubrik «Querdenker» wirft René Bühler in unregelmässigen Abständen einen Blick auf das Sportgeschehen. Bühler ist Ehrenpräsident des FC Fortuna St.Gallen, Gründer des Hallenturniers Regiomasters und Herausgeber des Buches «Fussballjahre». (red)

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