WM-Kolumne
Eishockey in Kriegszeiten

Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Finnland sind unbeschwerte Zeiten möglich, wer den Krieg in der Ukraine ausblenden kann. Doch Mahnmale erinnern an alte Kriegszeiten.

Klaus Zaugg
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Es ist Krieg. Zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert überschattet ein Krieg fühlbar eine WM. Eigentlich sind es in Helsinki unbeschwerte Tage. Wer will, kann die Tragödie in der Ukraine hier im Strassencafé oder im Stadion ausblenden. Und doch schlummert etwas unter der Oberfläche. Es gibt Dinge, die wir in normalen Zeiten kaum beachtet haben. Denkmäler für Kriegsopfer beispielsweise. In der Wahrnehmung waren das bloss steinerne Mahnmale aus einer längst vergangenen Zeit.

Kolumnist Klaus Zaugg

Kolumnist Klaus Zaugg

Krieg? Bei uns? Das gibt es in unserem Kulturkreis nie mehr. Der Chronist logiert im «Scandic Grand Central» beim Bahnhof. Das Hotel befindet sich im ehemaligen Verwaltungsgebäude der finnischen Eisenbahn. Im zweiten Stock sind mir zwei riesige Gedenktafeln aufgefallen. Sie enthalten die Namen der Angestellten der Eisenbahn, die im Bürgerkrieg von 1918 ihr Leben verloren haben. Kurz nach der Unabhängigkeit von Russland (1917) ist Finnland von einem Bürgerkrieg zwischen den Anhängern der neu gewonnenen Freiheit und den Kommunisten erschüttert worden.

Mit der Sensibilität für das, was in unseren Tagen ausserhalb von Hockeystadien passiert, stimmt diese Gedenktafel nachdenklich. Sie wird auf einmal aktuell. Welche Dramen mögen sich hier in diesen Mauern 1918 abgespielt haben? Welche Dramen stehen der Welt 2022 bevor?

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