Sport, bei dem sich die Welt dreht

Rhönrad gehört zweifellos zu den unbekannteren Sportarten. Doch in der Unbekanntheit sieht Monika Wyler von der Rhönradgruppe Frauenfeld auch eine Faszination. Die Herausforderungen des Sports liegen in der Körperspannung, im Gleichgewicht und der Koordination.

Lukas Gerzner
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Die Rhönradgruppe Frauenfeld präsentiert jährlich im November ein Schauturnen. (Bild: pd)

Die Rhönradgruppe Frauenfeld präsentiert jährlich im November ein Schauturnen. (Bild: pd)

RHÖNRAD. Auch für jahrelange Insider wie Monika Wyler ist es schwierig zu erklären, wieso das Rhönrad noch heute zu den unbekannteren Sportarten zählt. Obwohl der Sport anderen Kunstturnformen an Eleganz und Schwierigkeitsgrad in nichts hinterherhinkt, besitzt das Rhönrad weder Prestige in der Gesellschaft noch ist es als olympische Sportart anerkannt.

Monika Wyler leitet die Rhönradgruppe des Satus-Turnvereins Frauenfeld, die vor 20 Jahren gegründet wurde. Die Frauenfelderin stieg damals als siebenjähriges Mädchen in den Sport ein und ist ihm bis heute treu geblieben: «Meine Faszination am Rhönrad ist seine Unbekanntheit, gleichzeitig finde ich, dass dieser Sport sehr schön anzusehen ist», sagt Monika Wyler. Derzeit ist sie Trainerin von zwei der sechs Riegen der Rhönradgruppe, welcher insgesamt rund fünfzig Kinder und Jugendliche angehören.

«Wir teilen die Riegen nicht nach Altersklassen ein, da unsere zwanzig Rhönräder verschieden gross sind und deshalb verschieden grosse Leute in einer Gruppe voraussetzen», sagt Monika Wyler. Deswegen werden die Kinder – hauptsächlich Mädchen – in Niveaugruppen aufgeteilt.

Drei verschiedene Disziplinen

Wie bei anderen Kunstturnformen baut das Training am Rhönrad darauf auf, immer stärker herausfordernde Übungen auszuführen. Dafür kennt der Sport drei Disziplinen: Das sogenannte Geradeturnen, das Spiralturnen und das Sprungturnen. Beim Geradeturnen muss der Turner auf einer Bahn – mit der Länge von zwei vollen Umdrehungen des Rhönrads – hin- und herrollen und dabei seine Übungselemente ausführen, ohne dass das Rad zum Stehen kommt. Kommt das Rhönrad zum Stehen, gibt es Abzug in der Punktewertung. In dieser Disziplin gibt es auch Paar- und Synchronturnen.

Beim Spiralturnen bewegt sich das Rhönrad auf nur einem seiner zwei Reifen in Wellenbewegungen – ähnlich wie ein Kreisel, kurz bevor er ganz zum Stehen kommt. Auch hier muss der Turner eine Kür aus Übungselementen zusammenstellen, die nach Schönheit und Korrektheit der Ausführung bewertet wird. «Die Herausforderungen des Sports liegen in der Körperspannung, im Gleichgewicht und der Koordination», sagt Monika Wyler. Die typischen Übungen im Rad sind ähnlich wie bei anderen Gerätesportarten: Der Spagat, das «Rölleli» – etwas Ähnliches wie der Felgenaufschwung am Reck – oder das «Brüggli», ein durchgebogener Körper.

Die letzte Disziplin, das Sprungturnen, fordert keine Übung am Rad, sondern lässt sich eher mit Bockspringen vergleichen: Der Turner schickt das Rad voraus, rennt hinterher, springt darauf, macht eine Umdrehung im Rad und lässt sich vom Rad auf eine Matte katapultieren. Der Fokus liegt auf dem Absprung und der Landung. Bewertet wird der ganze Vorgang.

Keine Wettkämpfe

Die Rhönradgruppe Frauenfeld nimmt nicht an Wettkämpfen teil. «Früher waren wir dabei, heute ist das Level zu hoch», sagt Wyler. Während an den Wettkämpfen alle Disziplinen gefordert werden, haben die Frauenfelder weder Infrastruktur noch Leiterpersonal, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. «Die meisten der Kinder kommen nicht mit dem Ehrgeiz, Wettkämpfe bestreiten zu können», sagt Wyler. Um trotzdem Wettbewerbsatmosphäre zu erleben, führt die Gruppe seit diesem Jahr den internen Rhöni-Cup durch. Zudem gibt es für das jährliche Schauturnen im November 2015 intensivere Trainings.

An Interesse am Rhönrad mangelt es auf Seite der Kinder nicht: «Wir müssen die Gruppengrösse limitieren, denn uns fehlt es an Leitern», sagt Monika Wyler. Sie hofft, dass noch mehr Erwachsene für den Sport begeistert werden können.

Bild: LUKAS GERZNER

Bild: LUKAS GERZNER