SPITZENTENNIS: Federers Cup feiert Premiere

Ab heute wird in Prag der allererste Laver-Cup ausgetragen. Der Event basiert auf einer Idee von Roger Federer und lockt ein erstklassiges Teilnehmerfeld an. Darüber freuen sich allerdings nicht alle.

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Alexander Zverev, Roger Federer und Rafael Nadal (von links) präsentierten sich am Mittwoch in Prag dem Publikum. (Bild: EPA)

Alexander Zverev, Roger Federer und Rafael Nadal (von links) präsentierten sich am Mittwoch in Prag dem Publikum. (Bild: EPA)

Wer sich an den US Open noch über die vielen Ausfälle der Spitzenspieler geärgert hat, kann sich nun ein wenig am Laver-Cup erheitern. Bis Sonntag spielt in Prag eine Europaauswahl gegen eine Auswahl der Restwelt. Die Besetzung ist sehr beeindruckend, der sportliche Wert jedoch noch fraglich. «Ich hoffe, es ist der Beginn einer grossartigen Geschichte», sagte Federer im Vorfeld. Der 36-jährige Baselbieter hat den Wettbewerb zusammen mit seinem Manager Tony Godsick ins Leben gerufen und bereits breit abgestützt. Der australische und der amerikanische Tennisverband sind genauso am Laver-Cup beteiligt wie der schweizerisch-brasilianische Milliardär Jorge Lemann.

Dies ist mit ein Grund für das aussergewöhnlich starke Teilnehmerfeld. Für die von Björn Borg betreute europäische Equipe treten neben Federer auch Rafael Nadal, Alexander Zverev, Marin Cilic, Dominic Thiem und Tomas Berdych an. Die sogenannte Weltauswahl tritt mit den besten drei US-Amerikanern, Sam Querrey, John Isner und Jack Sock, sowie den jungen ATP-Hoffnungsträgern Nick Kyrgios, Denis Shapovalov und Frances Tiafoe an. Captain dieses Teams ist John McEnroe.

Als Vorbild für den Laver-Cup dient der Ryder-Cup, bei dem sich die europäischen und amerikanischen Golfer alle zwei Jahre herausfordern. Der Laver-Cup soll, mit Ausnahme der Saisons mit Olympischen Sommerspielen, alle Jahre jeweils zwei Wochen nach den US Open stattfinden. Der Austragungsort wird jedes Jahr wechseln: 2018 werden die USA Gastgeber sein.

Anderer Spielmodus als auf der Tour

An jedem der drei Spieltage werden drei Einzel und ein Doppel gespielt. Die Partien gehen über zwei Gewinnsätze, wobei bei 1:1 in den Umgängen ein Champions-Tiebreak auf zehn Punkte über Sieg oder Niederlage entscheidet. Ein gewonnener Match am Freitag bringt einen Punkt, am Samstag zwei und am Sonntag drei Punkte ein. Die Aus­wahl, die zuerst 13 der möglichen 24 Punkte auf dem Konto hat, gewinnt das interkontinentale ­Duell. Bei 12:12-Gleichstand wird der Sieger in einem abschliessenden Doppel ermittelt.

Über die Erfolgsaussichten des neuen Formats gehen die Meinungen weit auseinander. Die Spielervereinigung ATP und der Weltverband ITF dürften keine Freude am neuen Wettbewerb haben. Während in Prag neun Top-20-Spieler am Start sind, nehmen bei den in dieser Woche stattfindenden Tour-Turnieren in Metz und St. Petersburg lediglich drei der besten 20 Spieler teil. Und beim Davis-Cup fehlten in diesem Jahr die grossen Publikumsmagnete fast gänzlich.

Erster Tag noch ohne Federer

Obwohl heute bereits Einzel­partien und ein Doppel auf dem Programm stehen, wird Federer noch nicht ins Geschehen eingreifen. Wer überhaupt antreten darf, entscheiden die beiden Captains. Am Vortag des Spiels müssen sie ihren Entscheid jeweils kommunizieren. (sda)