«Spitzensport ist selten berechenbar»

Der Henauer Ralph Stöckli löst Gian Gilli als Chef de Mission von Swiss Olympic ab. Damit wird der ehemalige Spitzencurler zum Reiseleiter des Schweizer Olympiakaders für Rio 2016. Schon jetzt befasst er sich mit Selektionen und möglichen Unterkünften.

Ralf Streule
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Der Henauer Ralph Stöckli löst Gian Gilli als Chef de Mission von Swiss Olympic ab. Damit wird der ehemalige Spitzencurler zum Reiseleiter des Schweizer Olympiakaders für Rio 2016. Schon jetzt befasst er sich mit Selektionen und möglichen Unterkünften.

Herr Stöckli, sprechen Sie Portugiesisch?

Ralph Stöckli: Nein, leider nicht.

Als Chef de Mission für Rio 2016 wäre es aber wohl von Vorteil.

Stöckli: Zusammen mit meinen Spanischkenntnissen – meine Frau spricht zu Hause mit unseren Kindern Spanisch – und mit Händen und Füssen kommt man in Brasilien schon recht weit.

Was können Sie drei Jahre vor den Spielen schon vorbereiten?

Stöckli: Sehr vieles. Einerseits befasst sich bereits jetzt eine Task Force mit Klima, Kultur und medizinischen Fragen rund um den Aufenthalt in Brasilien. Weiter müssen Trainer und Verbandschefs auf ihre Aufgaben vorbereitet sein, in einigen Sportarten müssen wir schon jetzt Selektionsmassstäbe setzen.

Wann steht die erste Reise an?

Stöckli: Im Spätherbst. Das olympische Dorf in Rio entsteht bereits. Wir machen uns dort ein erstes Bild und schauen, welche Sportler wo logieren könnten, suchen Lösungen für Sportverbände oder Möglichkeiten, mit anderen Nationen zusammenzuspannen.

Was wird sich mit Ihnen als Missions-Chef ändern?

Stöckli: Ich habe in vielen Dingen ähnliche Ansichten wie Gian Gilli. Zum Beispiel, was die vieldiskutierten Selektionskriterien angeht. Wir wollen genügend hohe Hürden setzen, fair für alle Sportarten gleich. Die Athleten, die mitreisen, sollen Chancen auf eine gute Plazierung haben.

Gian Gilli hat sich stark für Olympischen Spiele in der Schweiz eingesetzt. Eine Interessenarbeit, die sie weiterführen werden?

Stöckli: Olympische Spiele in der Schweiz werden wohl leider lange Zeit nicht wieder Thema sein. Grundsätzlich bin aber auch ich der Meinung: Olympische Spiele wären ein wichtiger Motor für die Entwicklung des Schweizer Leistungssports gewesen. In dieser Beziehung bleibt die Schweiz derzeit stehen, es stehen zu wenige Gelder zur Verfügung. Hier müssen wir den Funken wieder zünden.

Sie waren selber 2006 in Turin und 2010 in Vancouver als Curler an Olympischen Spielen dabei, gewannen in Kanada die Bronzemedaille. Inwiefern hilft Ihnen diese Erfahrung bei Ihrer Arbeit?

Stöckli: Meine Erfahrungen an zwei sehr unterschiedlichen Spielen werden mir helfen. Ich kann Bedürfnisse der Athleten und der Trainer gut einschätzen.

Ihr Ziel für Rio 2016 dürfte lauten, die durchzogene Bilanz von Vorgänger Gian Gilli in London mit zweimal Gold und zweimal Silber zu toppen.

Stöckli: (Lacht.) Es ist natürlich viel zu früh, sich konkrete Ziele zu setzen. Viele Fragen sind offen: Sind dann Roger Federer und Fabian Cancellara noch dabei? Welche Nachwuchsathleten kommen für Medaillen in Frage? Ohnehin kommt Swiss Olympic davon weg, sich Klassierungen im Medaillenspiegel als konkretes Ziel zu nehmen. Vielmehr sollen Bandbreiten an Anzahl Medaillen definiert werden. Denn der Spitzensport ist selten berechenbar.