SPITZENSPIEL: Ostschweizer im YB-Verwaltungsrat: «Die Young Boys sind ein nationales Projekt»

Heute um 16 Uhr kommt es in der Super League zur Partie zwischen dem Leader Young Boys und dem zweitplatzierten FC St. Gallen. Im Verwaltungsrat der Berner sitzt mit Georges Lüchinger auch ein St. Galler.

Daniel Good
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Georges Lüchinger auf dem Montlinger Bergli oberhalb des Platzes des FC Montlingen, wo der Rheintaler seine ersten Schritte im Fussball gemacht hat. (Bild: Urs Bucher)

Georges Lüchinger auf dem Montlinger Bergli oberhalb des Platzes des FC Montlingen, wo der Rheintaler seine ersten Schritte im Fussball gemacht hat. (Bild: Urs Bucher)

Interview: Daniel Good

Georges Lüchinger, wie kommt es, dass sie als Ostschweizer Verwaltungsrat der Young Boys sind?

Über die Eigentümer Andy und Hans-Ulrich Rihs, nachdem im vergangenen Herbst Vakanzen im Verwaltungsrat entstanden sind. Für Andy Rihs arbeite ich schon seit 2003 im Kommunikationsbereich. Er war der Ansicht, ich wäre der richtige Mann, um die Young Boys in der Kommunikationsstrategie weiterzubringen. Zudem habe ich einen fussballerischen Background. Ich war als Junior nicht ein übertalentierter Spieler, zu klein und zu dick. Aber schon als ­16-Jähriger sass ich im Vorstand des FC Montlingen. Später wurde ich Trainer, Vorstandsmitglied im Liechtensteiner Fussballverband sowie Uefa- und Fifa-Delegierter.

Was tun Sie im Verwaltungsrat der Young Boys?

Ich kümmere mich um die Kommunikation, mische mich aber nicht ins Tagesgeschäft ein. Die Young Boys haben mit Albert Staudenmann einen sehr versierten Fachmann dafür. Er ist manchmal aber sicher froh, kann er sich mit mir austauschen. Um im Sport Erfolg zu haben, muss die Strategie in der gesamten Organisation stimmen. Nur ein Topskorer genügt nicht, um spitze zu sein.

Wie verfolgen Sie die Spiele der Young Boys?

So oft wie möglich im Stadion. Aber ich bin während 150 Tagen im Jahr beruflich auf der ganzen Welt unterwegs. Deshalb informiere ich mich auch über Apps und in Telefongesprächen. Zudem lese ich natürlich viel über die Young Boys.

Hat der momentane sportliche Höhenflug der Young Boys etwas mit Ihnen zu tun?

Nein. Es wäre absolut vermessen von mir, das zu behaupten. Wir verfolgen eine nachhaltige Entwicklung im Verein. Die Mannschaft soll auf Niederlagen mit positiven Leistungen reagieren können. Ich denke, wir haben da schon einiges erreicht wie nach dem 0:4 daheim gegen Thun. Niederlagen gehören dazu und können durchaus lehrreich sein.

Die Young Boys sind seit gut 30 Jahren ohne Titel. Weshalb? Im Umfeld stimmte es meistens, das Stadion ist gut, und Geld war auch immer wieder vorhanden.

Es wird schon seine Gründe haben. ­Erfolg kann erarbeitet werden, aber auch Misserfolg. Ich bin aber zu wenig lang dabei, um detailliert Auskunft zu geben.

Geht die titellose Ära nun zu Ende?

Da wäre wünschenswert, ich jedoch bin kein Wahrsager. Es ist ja erst ein Viertel des Meisterschaftspensums gespielt. Aber die Mannschaft ist gut, die Organisation auch. Wir sind sicher in der Lage, erfolgreich zu sein.

Hatten Sie schon immer Sympathien für die Young Boys? Oder gibt es sie erst, seit Sie Verwaltungsrat sind?

Die Young Boys sind seit jeher ein Verein, den man als Fussballanhänger im Auge hat. Vielleicht, weil es der Club aus der Bundeshauptstadt ist. Es ist ein Verein mit nationaler Ausstrahlung. Ich halte unsere Aufgabe für ein nationales Projekt. Die Young Boys sind ein Club mit Interesse in der ganzen Schweiz. Wie wir Rheintaler haben die Berner überdies einen sehr sympathischen Dialekt.

Wie verfolgen Sie den FC St. Gallen?

Sehr interessiert. Zwei meiner Geschwister und deren Familien sind regelmässig bei Heimspielen dabei. Mein Bruder Jimmy, seines Zeichens ehemaliger Spieler und Trainer unter anderem bei Montlingen, Eschen, Ruggell und Widnau, gehört zu den Gönnern. Als Bub war es ein Höhepunkt, ins Espenmoos zu gehen. Unvergessliche Momente immer wieder. Und mit Nicolas Lüchinger spielt nun auch ein Lüchinger für St. Gallen. Er ist nicht mit mir verwandt, aber ich kenne seine Eltern gut. Ich bin der Meinung, dass auch St. Gallen ein Club mit einer sehr grossen Ausstrahlungskraft ist.

Können Sie sich vorstellen, einmal Verwaltungsrat des FC St. Gallen zu werden?

Im Moment nicht.

Später also schon?

Darüber mache ich mir bei allem Respekt für den FC St. Gallen heute keine Gedanken.

Wie geht das Spiel zwischen den Young Boys und St. Gallen aus?

Auf ein Resultat will ich mich nicht festlegen. Es sind zwei offensive und attraktive Mannschaften am Werk. Zwei Teams mit Tradition und tollen Anhängern. Die Young Boys werden als Heimmannschaft selbstbewusst alles unternehmen, um die drei Punkte einzufahren. Ich erwarte ein stimmungsvolles Spiel auf und neben dem Platz. Wir erwarten eine tolle Kulisse und freuen uns auf viele St. Galler Fans.

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